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	<title>Oskar Baruch Baraev, Autor bei Judentum</title>
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	<description>Jüdisch Leben nach Torah und Gesetz</description>
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		<title>Beha’alotcha: Wie echtes Licht weitergegeben wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oskar Baruch Baraev]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 08:20:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie echtes Licht weitergegeben wird Paraschat Beha’alotcha beginnt mit einem scheinbar technischen Detail: Aharon HaKohen soll die Lichter der Menora entzünden. Doch schon das Wort Beha’alotcha zeigt, dass es hier um mehr geht als um das bloße Anzünden einer Flamme. Wörtlich bedeutet es nicht einfach „wenn du anzündest“, sondern eher: wenn du die Flammen aufsteigen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie echtes Licht weitergegeben wird</h2>
<p>Paraschat Beha’alotcha beginnt mit einem scheinbar technischen Detail: Aharon HaKohen soll die Lichter der Menora entzünden. Doch schon das Wort Beha’alotcha zeigt, dass es hier um mehr geht als um das bloße Anzünden einer Flamme.</p>
<p>Wörtlich bedeutet es nicht einfach „wenn du anzündest“, sondern eher: <strong>wenn du die Flammen aufsteigen lässt.</strong> Aharons Aufgabe war nicht nur, Feuer an den Docht zu bringen. Er sollte die Flamme so entzünden, dass sie von selbst weiterbrennt.</p>
<p>Darin liegt eine der tiefsten Lehren dieser Parascha:<br />
Echtes Licht ist nicht abhängig von ständiger Kontrolle von außen. Echtes Licht beginnt irgendwann von innen zu brennen.</p>
<p>Das gilt nicht nur für die Menora im Mischkan. Es gilt auch für Erziehung, geistige Führung, Familie, Gemeinde und jedes jüdische Leben.</p>
<h3>Entzünden statt kontrollieren</h3>
<p>Eine der größten Fragen im <strong>Chinuch</strong>, der jüdischen Erziehung, lautet: Wie bringt man einen Menschen dazu, das Gute wirklich zu wollen?</p>
<p>Man kann Menschen kontrollieren. Man kann Druck ausüben, überwachen, drohen und ständig korrigieren. Aber dadurch entsteht selten echtes inneres Licht. Es entsteht vielleicht Gehorsam — solange jemand zuschaut. Sobald die Kontrolle wegfällt, verschwindet oft auch das Verhalten.</p>
<p>Rav Yehuda Zev Klein formulierte dazu einen sehr starken Gedanken: <strong>Sei ein Verkäufer, nicht ein Polizist.</strong></p>
<p>Ein Polizist sorgt dafür, dass Regeln eingehalten werden, solange er anwesend ist. Ein Verkäufer dagegen zeigt dem anderen, wieso etwas wertvoll ist. Er vermittelt Geschmack, Sinn und Schönheit.</p>
<p>So funktioniert echter Chinuch. Kinder, Schüler und Menschen allgemein brauchen nicht nur Anweisungen. Sie brauchen Vorbilder. Sie müssen sehen, dass Tora nicht nur gefordert, sondern gelebt wird; dass Mitzwot nicht nur Pflichten sind, sondern Licht; dass Jiddischkeit nicht nur aus Verboten besteht, sondern aus Nähe zu Hashem, Würde, Freude und innerer Wahrheit.</p>
<p>Wenn ein Kind sieht, dass seine Eltern mit Wärme beten, mit Freude Schabbat halten, ehrlich mit Menschen umgehen und Tora nicht nur predigen, sondern leben, dann wird etwas in ihm entzündet. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht erst Jahre später. Aber eine echte Flamme wurde berührt.</p>
<p>Darum beginnt Beha’alotcha mit der Menora: Wer andere entzünden will, muss selbst brennen.</p>
<h3>Das tägliche Licht Aharons</h3>
<p>Direkt vor Paraschat Beha’alotcha lesen wir von den Opfergaben der Fürsten der zwölf Stämme. Jeder <strong>Nasi</strong>, jeder Fürst, brachte sein besonderes <strong>Korban</strong>, sein Opfer. Es war ein großer, feierlicher und einmaliger Moment.</p>
<p>Aharon hingegen bekam eine andere Aufgabe: Er durfte jeden Tag die Menora entzünden.</p>
<p>Auf den ersten Blick scheint das weniger spektakulär. Die Fürsten brachten große Opfergaben — öffentlich, feierlich und einmalig. Aharon stand Tag für Tag vor der Menora und entzündete die Lichter.</p>
<p>Doch gerade darin lag seine besondere Größe.</p>
<p>Ein einmaliger Moment kann sehr erhebend sein: ein inspirierender Schabbat, ein besonderer Shiur, ein ergreifendes Gebet, ein starker Impuls. All das kann einen Menschen berühren. Aber jüdisches Leben wird nicht nur durch Höhepunkte aufgebaut. Es entsteht vor allem durch Beständigkeit.</p>
<p>Aharons Verdienst war das tägliche Licht. Nicht einmal begeistert sein, sondern immer wieder entzünden. Nicht nur in besonderen Momenten Hashem spüren, sondern Tag für Tag.</p>
<p>Auch unser Leben besteht aus solchen Menora-Momenten: ein Gebet, obwohl man müde ist; eine Mitzwa, obwohl niemand zusieht; ein paar Minuten Tora-Lernen, obwohl der Tag voll ist; ein freundliches Wort, obwohl man selbst belastet ist.</p>
<p>Dort entsteht Licht.</p>
<h3>Drei Tage ohne Tora</h3>
<p>Später in der Parascha verlässt das Volk Israel den <strong>Har Sinai</strong>. Fast ein ganzes Jahr waren sie dort gewesen. Sie hatten die Tora empfangen, das Mischkan gebaut und eine Nähe zu Hashem erlebt, wie sie keine Generation zuvor kannte.</p>
<p>Dann erhebt sich die Wolke vom Mischkan, und das Volk zieht weiter. Die Tora berichtet, dass sie drei Tage unterwegs waren.</p>
<p>Und sofort beginnen die Beschwerden.</p>
<p>Die Reise ist schwer. Die Stimmung kippt. Aus einer Generation, die am Sinai stand, wird eine Generation, die sich nach Fleisch, Gurken und Wassermelonen sehnt.</p>
<p>Wie kann das passieren?</p>
<p>Der Maharsha erklärt: Diese drei Tage ohne Tora führten dazu, dass das Volk seine geistige Perspektive verlor. Daraus leitet sich auch der Gedanke ab, dass wir die Tora am Montag, Donnerstag und Schabbat lesen, damit niemals drei Tage ohne öffentliche Toralesung vergehen.</p>
<p>Das ist eine gewaltige Lehre über den Menschen.</p>
<p>Man kann am Sinai stehen und trotzdem nach drei Tagen ohne geistige Nahrung innerlich abrutschen. Nicht weil alles verschwunden ist, sondern weil der Mensch Beständigkeit braucht. Inspiration allein reicht nicht. Licht muss genährt werden.</p>
<p>Viele Menschen wundern sich, wieso sie nach einem starken Moment wieder fallen: nach einem Feiertag, nach einem Seminar, nach einem bewegenden Gebet, nach einem guten Vorsatz. Die Antwort ist oft einfach: Die Flamme wurde entzündet, aber nicht weiter versorgt.</p>
<p>Tora ist nicht nur Information. Tora ist Orientierung. Wenn ein Mensch regelmäßig Tora lernt, richtet sich sein Blick neu aus. Er erinnert sich daran, was wirklich wichtig ist, wofür er lebt und welche Beschwerden nicht die Mitte seines Lebens verdienen.</p>
<p>Ohne diese Regelmäßigkeit wird der Mensch schnell von Stimmung, Verlangen und Unzufriedenheit bestimmt. Mit Tora bekommt er wieder Perspektive.</p>
<p>Das ist die Verbindung zur Menora: Eine Flamme braucht Öl. Eine Neschama braucht Tora.</p>
<h3>Wenn sogar Mosche Rabbejnu nicht mehr kann</h3>
<p>Die Beschwerden des Volkes treffen Mosche Rabbejnu tief. An einem Punkt sagt er zu Hashem sinngemäß: Ich kann dieses Volk nicht allein tragen. Wenn es so weitergeht, nimm mich lieber aus dieser Welt.</p>
<p>Das ist erschütternd. Mosche Rabbejnu, der größte Prophet und der treueste Hirte Israels, kommt an einen Punkt, an dem er nicht mehr weiterkann.</p>
<p>Wieso gerade hier?</p>
<p>Mosche hatte das Volk aus Mizrajim geführt. Er hatte sie durch das Meer begleitet. Er war auf den Har Sinai gestiegen. Er hatte nach dem Goldenen Kalb für sie gebetet. Er hatte ihnen die Tora gebracht. Er hatte das Mischkan errichtet.</p>
<p>Und jetzt, nach all dem, beschweren sie sich wegen Essen.</p>
<p>Vielleicht dachte Mosche: Nach allem, was sie erlebt haben — haben sie sich wirklich nicht verändert? Habe ich überhaupt etwas erreicht?</p>
<p>Das ist eine der schwersten Erfahrungen für jeden, der andere führt oder erzieht. Eltern kennen das. Lehrer kennen das. Rabbiner kennen das. Jeder, der versucht, Menschen zu helfen, kennt diesen Gedanken: Ich gebe so viel — aber sehe ich überhaupt Erfolg?</p>
<p>Hashem antwortet Mosche nicht mit einer langen Rede. Er sagt ihm, siebzig Älteste zu versammeln. Hashem nimmt von dem Geist, der auf Mosche ruht, und gibt ihn auf diese siebzig Männer. Sie beginnen zu prophezeien.</p>
<p>Damit zeigt Hashem Mosche etwas Entscheidendes: Dein Licht ist nicht verloren. Es ist in andere übergegangen.</p>
<p>Mosche sah Beschwerden. Hashem zeigte ihm Propheten.</p>
<p>Mosche sah sein Scheitern. Hashem zeigte ihm seine Wirkung.</p>
<p>Das ist eine tiefe Lehre. Erfolg im Geistigen ist nicht immer sofort sichtbar. Manchmal spricht man jahrelang, erzieht jahrelang, gibt jahrelang — und sieht vor allem Widerstand, Müdigkeit oder Beschwerden. Aber irgendwo hat sich eine Flamme entzündet. Irgendwo trägt jemand weiter, was er empfangen hat.</p>
<p>Wer Licht gibt, darf nicht nur auf den Moment schauen. Er muss vertrauen, dass echtes Licht weiterwirkt.</p>
<h3>Demut: Der Ort, an dem Licht durchgeht</h3>
<p>Am Ende der Parascha spricht Miriam über Mosche. Der genaue Inhalt ist tief und sensibel, aber die Reaktion der Tora ist auffällig: Mosche verteidigt sich nicht. Stattdessen sagt die Tora:</p>
<p><em>„Der Mann Mosche war sehr demütig, mehr als jeder Mensch auf der Erde.“</em></p>
<p>Wieso steht diese Aussage gerade hier?</p>
<p>Weil Mosches Größe nicht nur in seiner Prophetie lag, sondern in seiner Demut. Er war nicht damit beschäftigt, seine Ehre zu verteidigen. Er musste nicht beweisen, dass er recht hatte. Er wusste: Seine Aufgabe war nicht, sich selbst groß zu machen, sondern Hashems Wort weiterzugeben.</p>
<p>Darum verteidigt Hashem ihn.</p>
<p>Mosches Demut war keine Schwäche. Sie war seine Kraft. Gerade weil sein Ego nicht im Mittelpunkt stand, konnte er führen. Er konnte Verantwortung tragen, aber auch Verantwortung abgeben. Er konnte der größte Prophet sein und trotzdem wünschen, dass andere ebenfalls prophetische Stufen erreichen.</p>
<p>Als Eldad und Medad im Lager prophezeien, möchte Jehoschua sie stoppen. Mosche antwortet:</p>
<p><em>„Eiferst du für mich? Möge doch das ganze Volk Hashems Propheten sein!“</em></p>
<p>Das ist echte Größe. Ein kleiner Mensch fühlt sich bedroht, wenn andere wachsen. Ein großer Mensch freut sich, wenn andere leuchten.</p>
<p>Damit schließt sich der Kreis zur Menora. Aharon entzündet die Lichter nicht, damit man Aharon bewundert. Er entzündet sie, damit sie selbst brennen. Mosche führt das Volk nicht, damit alles an ihm hängt. Er führt, damit andere wachsen.</p>
<p>Das ist wahre Führung: Menschen nicht abhängig machen, sondern sie aufrichten. Nicht das eigene Licht schützen, sondern Licht weitergeben.</p>
<h3>Tora ohne Ego</h3>
<p>Der Rambam lehrt, dass man bei den meisten Middot den Mittelweg suchen soll. Ein Mensch soll nicht extrem geizig und nicht verschwenderisch sein, nicht gleichgültig und nicht überempfindlich. Doch bei gewissen Eigenschaften, besonders bei Hochmut, muss man sich sehr weit entfernen. Demut ist nicht einfach eine schöne zusätzliche Eigenschaft. Sie ist eine Grundlage dafür, dass Tora im Menschen wohnen kann.</p>
<p>Denn Tora und Ego passen schwer zusammen.</p>
<p>Ein Mensch kann viel wissen und trotzdem wenig Licht ausstrahlen. Er kann gelehrt sein und trotzdem andere klein machen. Er kann recht haben und dennoch keinen Segen bringen.</p>
<p>Mosche zeigt das Gegenteil: Je größer die Tora, desto kleiner das Ego. Je näher ein Mensch Hashem ist, desto weniger muss er sich selbst in den Mittelpunkt stellen.</p>
<p>Das ist auch die Antwort auf die Beschwerden des Volkes. Beschwerde entsteht oft dort, wo das Ich zu groß wird: mein Hunger, mein Wunsch, mein Komfort, meine Ehre. Demut bedeutet nicht, keine Bedürfnisse zu haben. Aber sie bedeutet, dass das eigene Ich nicht die ganze Wirklichkeit füllt.</p>
<p>Wer demütig ist, kann hören. Wer hört, kann lernen. Wer lernt, kann wachsen. Und wer wächst, kann selbst Licht weitergeben.</p>
<h3>Die Botschaft von Beha’alotcha</h3>
<p>Paraschat Beha’alotcha beginnt mit der Menora und führt uns durch Beschwerden, Erschöpfung, Prophetie und Demut. Auf den ersten Blick sind das verschiedene Themen. In Wahrheit erzählen sie eine einzige Geschichte:</p>
<h3>Wie bleibt Licht lebendig?</h3>
<p>Die Antwort lautet:</p>
<p>Durch Vorbild.<br />
Durch Beständigkeit.<br />
Durch Demut.</p>
<p>Aharon lehrt uns, dass man eine Flamme so entzünden muss, dass sie selbstständig weiterbrennt.</p>
<p>Die drei Tage ohne Tora lehren uns, dass Inspiration ohne Regelmäßigkeit schnell verblasst.</p>
<p>Mosche lehrt uns, dass man manchmal Erfolg hat, auch wenn man ihn noch nicht sieht.</p>
<p>Und seine Demut lehrt uns, dass echtes Licht nicht durch Ego weitergegeben wird, sondern durch Menschen, die bereit sind, selbst durchsichtig zu werden für etwas Größeres.</p>
<p>Das gilt für Eltern, Lehrer, Rabbiner, Freunde und jeden Menschen, der Einfluss auf andere hat.</p>
<p>Man kann ein Polizist sein und Verhalten erzwingen.<br />
Oder man kann ein Licht anzünden.</p>
<p>Beha’alotcha ruft uns zu: Entzünde Menschen so, dass sie selbst leuchten. Gib Tora so weiter, dass sie im anderen lebendig wird. Und vergiss nicht:<br />
Wer andere entzündet, bleibt selbst entzündet.</p>
<p>Denn Licht, das man teilt, wird nicht kleiner. Es wird größer.</p>
<p>Shabbat Shalom</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Oskar Baruch Baraev</p>

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		<title>Paraschat Nasso – wenn die Tora ins Leben hineingeht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oskar Baruch Baraev]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:59:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn die Tora ins Leben hineingeht Paraschat Nasso ist die längste Parascha der Tora. Sie hat 176 Verse – genauso viele, wie der längste Tehillim 119 und wie der Traktat Bawa Batra Blätter hat. Auffällig ist: Nasso wird immer direkt nach Schawuot, nach Matan Tora, gelesen. Das zeigt eine schöne Botschaft: Nachdem wir die Tora [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Wenn die Tora ins Leben hineingeht</h2>
<div></div>
<div>Paraschat Nasso ist die längste Parascha der Tora. Sie hat 176 Verse – genauso viele, wie der längste Tehillim 119 und wie der Traktat Bawa Batra Blätter hat.</div>
<div></div>
<div>Auffällig ist: Nasso wird immer direkt nach Schawuot, nach Matan Tora, gelesen. Das zeigt eine schöne Botschaft: Nachdem wir die Tora empfangen haben, beginnen wir nicht mit etwas Kurzem, sondern mit der längsten Parascha. Als wollten wir sagen: Die Tora ist uns nicht zu viel. Im Gegenteil – sie ist uns lieb und wichtig. Wir wollen mehr von ihr.</div>
<div></div>
<div>In Paraschat Nasso finden wir drei Themen, die stark mit Matan Tora verbunden sind: 1. die Zählung der Levi’im, 2. Birkat Kohanim und 3. die Gesetze von Nasirut und Nedarim.</div>
<div></div>
<div>Diese drei Themen zeigen, was Tora nach Matan Tora bedeutet: Verantwortung übernehmen, Segen durch Schalom bringen und über sich selbst herrschen.</div>
<div></div>
<h3>1. Die Levi’im – nicht nur unschuldig bleiben, sondern handeln</h3>
<div></div>
<div>In Nasso werden die Levi’im gezählt und ihre Aufgaben beschrieben.</div>
<div></div>
<div>Warum wurden die Levi’im und Kohanim besonders abgesondert?</div>
<div></div>
<div>Ein Grund ist: Beim Chet HaEgel, der Sünde des Goldenen Kalbes, haben die Levi’im nicht mitgesündigt.</div>
<div></div>
<div>Doch man kann fragen: Waren sie wirklich die Einzigen, die nicht aktiv mitgesündigt haben? Wahrscheinlich gab es auch andere, die keinen Götzendienst betrieben haben.</div>
<div></div>
<div>Der Unterschied ist: Andere haben vielleicht nicht mitgemacht, aber sie haben auch nichts dagegen unternommen. Die Levi’im dagegen haben Verantwortung übernommen. Sie stellten sich zu Mosche und kämpften gegen das Goldene Kalb – sogar mit dem Schwert.</div>
<div></div>
<div>Das ist eine wichtige Lehre direkt nach Matan Tora: Es reicht nicht immer, selbst „in Ordnung“ zu sein. Die Tora verlangt manchmal, aufzustehen, Verantwortung zu übernehmen und für das Richtige zu handeln.</div>
<div></div>
<div>Tora ist nicht nur innerer Glaube. Tora bedeutet auch, im richtigen Moment aufzustehen.</div>
<div></div>
<div>Interessant ist auch: Die Levi’im werden bereits ab einem Monat gezählt, während die übrigen Bnei Jisrael erst ab zwanzig Jahren gezählt werden.</div>
<div></div>
<div>Bei den übrigen Bnei Jisrael steht, dass man sie durch den halben Schekel pro Kopf zählt. Bei den Levi’im steht diese Formulierung nicht in gleicher Weise.</div>
<div></div>
<div>Rav Chaim Grünfeld erklärt dazu eine interessante Idee:</div>
<div>Bei einem Kind unter zwanzig Jahren könnte es theoretisch besondere körperliche Fälle geben, bei denen die Frage entsteht, wie man „pro Kopf“ zählt – zum Beispiel, wenn jemand zwei Köpfe hätte. Die Gemara in Menachot diskutiert ähnliche Fragen: Auf welchen Kopf müsste so jemand Tefillin legen? Und wie viel müsste man für Pidjon HaBen geben?</div>
<div></div>
<div>Bis zwanzig Jahre gilt ein solcher Fall nicht als dauerhaft überlebensfähig. Deshalb steht bei der allgemeinen Zählung ab zwanzig Jahren „pro Kopf“. Bei den Levi’im aber, die schon ab einem Monat gezählt werden, steht diese Formulierung nicht genauso.</div>
<div></div>
<div>Die Botschaft dahinter: Die Levi’im werden nicht nur als erwachsene Kämpfer gezählt. Schon von klein auf gehören sie zu ihrer heiligen Aufgabe.</div>
<div></div>
<h3>2. Birkat Kohanim – der Segen braucht Schalom</h3>
<div></div>
<div>Ein weiteres zentrales Thema in Nasso ist Birkat Kohanim.</div>
<div></div>
<div>Die Tora sagt:</div>
<div>„Hashem segne dich und behüte dich.“</div>
<div>Das bedeutet: Hashem soll dich segnen, und dein Besitz soll bewahrt bleiben und sich vermehren.</div>
<div></div>
<div>„Hashem lasse Sein Antlitz zu dir leuchten und sei dir gnädig.“</div>
<div>Ein leuchtendes Gesicht bedeutet Nähe und Zuwendung. So wie ein Gastgeber seinem Gast nicht kalt den Rücken zukehrt, sondern ihn freundlich begleitet.</div>
<div></div>
<div>„Hashem wende Sein Antlitz zu dir und gebe dir Frieden.“</div>
<div>Der Abschluss des Segens ist Schalom. Denn der größte Behälter für Beracha ist Frieden.</div>
<div></div>
<div>Während Birkat Kohanim schauen wir nicht auf die Finger der Kohanim. Der Segen kommt durch die Finger der Kohanim, entsprechend den zehn Sefirot, zu uns.</div>
<div></div>
<div>Warum gerade durch die Kohanim?</div>
<div></div>
<div>Man könnte fragen: Wieso kommt der Segen durch Aharon und seine Nachkommen? Warum segnet Hashem nicht direkt?</div>
<div></div>
<div>Aharon hatte eine besondere Eigenschaft: Als Hashem seinen jüngeren Bruder Mosche auswählte, freute sich Aharon von ganzem Herzen. Er war nicht eifersüchtig. Er hatte keine negativen Gedanken. Er freute sich ehrlich über die Größe seines Bruders.</div>
<div></div>
<div>Das ist etwas sehr Besonderes. Bei Brüdern sehen wir in der Tora oft Spannung: Kajin und Hevel, Jischmael und Jitzchak, Esaw und Jaakow, Josef und seine Brüder.</div>
<div></div>
<div>Bei Mosche und Aharon sehen wir zum ersten Mal zwei Brüder, die wirklich glücklich miteinander sind. Aharon freut sich über Mosche. Gerade deshalb wird er zum Kanal des Segens.</div>
<div></div>
<div>Denn der größte Kli, das größte Gefäß für Beracha, ist Schalom.</div>
<div></div>
<div>Daraus lernen wir auch: Für einen anderen zu bitten, wirkt sehr stark – sogar stärker, als nur für sich selbst zu bitten. Wer einem anderen wirklich Gutes gönnt, öffnet dadurch auch für sich selbst Tore des Segens.</div>
<div></div>
<div>Nach Matan Tora ist das entscheidend: Tora darf nicht zu Streit, Hochmut oder Eifersucht führen. Wahre Tora muss Schalom vermehren.</div>
<div></div>
<h3>3. Nasirut und Neder – sich selbst verändern</h3>
<div></div>
<div>In Nasso finden wir auch die Gesetze von Nasirut und Neder, also Gelübden.</div>
<div></div>
<div>Was ist der Unterschied?</div>
<div></div>
<div>Bei einer Mitzwa gibt es meistens zwei Seiten: die Person und das Objekt.</div>
<div></div>
<div>Bei einem Neder verändert man den Status eines Objekts für sich. Zum Beispiel: Jemand verbietet sich ein bestimmtes Essen. Das Objekt wird für ihn verboten.</div>
<div></div>
<div>Beim Nasir ist es anders. Der Nasir verändert nicht nur ein Objekt, sondern sich selbst als Person. Er nimmt eine besondere Stufe an: Er trinkt keinen Wein, schneidet seine Haare nicht und meidet Tum’a.</div>
<div></div>
<div>Das Wort Nasir kann man auch mit Nezer verbinden – Krone, Fürst, König.</div>
<div></div>
<div>Der Nasir ist wie ein König, weil er seinen Yetzer Hara überwunden hat. Pirkei Avot sagt: Wer ist stark? Derjenige, der seinen Yetzer Hara bezwingt.</div>
<div></div>
<div>Das ist eine große Vorbereitung auf Matan Tora: Tora bedeutet nicht nur, viel zu wissen. Tora bedeutet, über sich selbst zu herrschen.</div>
<div></div>
<div>Ein Mensch kann viel lernen und trotzdem von seinen Trieben regiert werden. Der Nasir zeigt: Tora soll den Menschen selbst verändern.</div>
<div></div>
<div>Was war das Neue bei Matan Tora?</div>
<div></div>
<div>Man kann fragen: Was war eigentlich das Besondere an den Aseret HaDibrot? Unsere Vorväter haben die Tora doch schon vor Matan Tora gehalten. Was genau feiern wir also an Schawuot?</div>
<div></div>
<div>Eine Antwort liegt in einem besonderen Detail:</div>
<div></div>
<div>Bei Matan Tora gab es eine gewaltige Stimme – aber kein Echo.</div>
<div></div>
<div>Was ist daran besonders?</div>
<div></div>
<div>Normalerweise prallt eine Stimme an einem festen Körper ab und kommt als Echo zurück. Doch die Stimme Hashems prallte nicht ab. Sie drang in die Materie ein. Sie durchdrang die Berge, die Welt und die physische Realität.</div>
<div></div>
<div>Das bedeutet: Bei Matan Tora blieb Spiritualität nicht oben im Himmel. Die Tora drang in die materielle Welt ein.</div>
<div></div>
<div>Die Realität der Tora durchdrang den Menschen und sogar die physischsten Dinge – auch unsere Nahrung.</div>
<div></div>
<div>Darum muss man Schawuot genießen. Man soll gut essen und den Feiertag ehren. Man fastet an Schawuot nicht einmal wegen eines schlechten Traumes.</div>
<div></div>
<div>Denn genau das ist die Botschaft von Matan Tora: Auch Essen kann heilig werden. Auch das Körperliche kann Hashem dienen. Wenn wir essen, trinken und den Feiertag ehren, nehmen wir die materielle Welt und machen daraus etwas Heiliges.</div>
<div></div>
<div>Vor Matan Tora konnte Spiritualität sehr hoch sein. Nach Matan Tora kann sogar das Materielle selbst zu einem Ort für Keduscha werden.</div>
<div></div>
<div>Paraschat Nasso kommt nach Schawuot, um zu zeigen, wie Matan Tora im Leben weitergeht.</div>
<div></div>
<div>Von den Levi’im lernen wir: Tora bedeutet Verantwortung. Man darf nicht nur passiv richtig sein, sondern muss handeln, wenn es nötig ist.</div>
<div></div>
<div>Von Birkat Kohanim lernen wir: Der größte Kanal für Segen ist Schalom. Wer frei von Eifersucht ist und sich ehrlich für den anderen freut, kann Beracha weitergeben.</div>
<div></div>
<div>Von Nasirut lernen wir: Ein Mensch wird zum König, wenn er seinen Yetzer Hara beherrscht.</div>
<div></div>
<div>Und von Matan Tora lernen wir: Die Tora soll nicht nur im Kopf bleiben. Sie soll den ganzen Menschen durchdringen – Gedanken, Sprache, Beziehungen, Geld, Essen und Alltag.</div>
<div></div>
<div>Deshalb lesen wir direkt nach Schawuot die längste Parascha. Weil die Tora uns nicht zu lang ist. Sie ist uns lieb.</div>
<div></div>
<div>Und wenn Hashems Stimme am Sinai kein Echo hatte, dann deshalb, weil sie nicht zurückprallte. Sie ging hinein – in die Welt, in den Menschen und in unser Leben.</div>
<div></div>
<div>Das ist die Aufgabe nach Schawuot: Die Tora nicht nur empfangen, sondern sie in die Wirklichkeit bringen.</div>
<div></div>
<div>Shabbat shalom! <img decoding="async" class="an1" draggable="false" src="https://fonts.gstatic.com/s/e/notoemoji/17.0/1f499/72.png" alt="&#x1f499;" data-emoji="&#x1f499;" aria-label="&#x1f499;" /><img decoding="async" class="an1" draggable="false" src="https://fonts.gstatic.com/s/e/notoemoji/17.0/1f56f_fe0f/72.png" alt="&#x1f56f;" data-emoji="&#x1f56f;" aria-label="&#x1f56f;" /></div>
<div></div>
<div>Oskar Baruch Baraev</div>

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		<title>Schawuot – Heilung und die verborgene Kraft von Matan Torah</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oskar Baruch Baraev]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 05:08:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schawuot]]></category>
		<category><![CDATA[Matan Tora]]></category>
		<category><![CDATA[schawuot]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schawuot – Heilung und die verborgene Kraft von Matan Torah Wenn Schawuot näherkommt, denken viele zuerst an Käsekuchen, Milchgerichte, Blumen in der Synagoge und eine lange Nacht des Lernens. Doch der Kern dieses Tages ist viel größer: Schawuot ist der Moment, in dem der Sinai jedes Jahr neu spricht. Matan Torah, die Gabe der Torah [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://judentum.online/schawuot-heilung-und-die-verborgene-kraft-von-matan-torah/">Schawuot – Heilung und die verborgene Kraft von Matan Torah</a> erschien zuerst auf <a href="https://judentum.online">Judentum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Schawuot – Heilung und die verborgene Kraft von Matan Torah</h2>
<p>Wenn Schawuot näherkommt, denken viele zuerst an Käsekuchen, Milchgerichte, Blumen in der Synagoge und eine lange Nacht des Lernens. Doch der Kern dieses Tages ist viel größer: <strong>Schawuot ist der Moment, in dem der Sinai jedes Jahr neu spricht.</strong></p>
<p>Matan Torah, die Gabe der Torah am <em>Har</em> (Berg) Sinai, war nicht nur ein historisches Ereignis vor über 3.000 Jahren. In der jüdischen Tradition ist ein Feiertag nie bloß Erinnerung. Er ist Wiederkehr. Die besondere spirituelle Kraft, die damals zum ersten Mal in die Welt kam, kehrt jedes Jahr an diesem Tag zurück.</p>
<p>Der Zohar erklärt, dass das Wort <em><strong>Chag</strong> </em>(Feiertag) mit dem Begriff des <em>Mechugag</em> (Kreises) verbunden ist. Ein Kreis kehrt immer wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. So kehrt auch die Energie eines Feiertags jedes Jahr neu zurück.</p>
<p>An Pessach öffnet sich die Kraft der Befreiung. An Chanukka leuchtet wieder das Licht des Wunders. Und an Schawuot kehrt die Kraft von <strong>Matan Torah</strong> zurück: Heilung, Klarheit, Tikkun, Verbindung und die Möglichkeit, die Torah neu zu empfangen.</p>
<p>Nicht nur damals. Sondern jetzt.</p>
<h3>Der Berg wie eine Chuppa</h3>
<p>Unsere Weisen beschreiben, dass HaSchem den Berg Sinai über Am Jisrael hielt wie eine <strong>Chuppa</strong>. Die Gabe der Torah war also nicht nur ein Gesetzesakt, sondern eine Art Hochzeit zwischen HaSchem und dem jüdischen Volk.</p>
<p>Gleichzeitig sagen Chazal, dass HaSchem sprach: Wenn ihr die Torah annehmt, gut; wenn nicht, „dort“ wird euer Begräbnis sein.</p>
<p>Dieses „dort“ kann man tiefer verstehen: nicht als geografischen Ort unter dem Berg, sondern <strong>als Zustand außerhalb des Berges und der Torah</strong>. Ein Mensch kann biologisch leben und trotzdem innerlich richtungslos sein. Ohne Torah fehlt dem Leben seine tiefste Ordnung, seine<br />
göttliche Sprache, sein Ziel. Er wird sich verlieren in der zwischen den anderen Völkern.</p>
<p>Die Torah ist nicht nur Wissen. Sie ist Leben.</p>
<h3>Schawuot als Tag der Heilung</h3>
<p>Ein zentraler Gedanke über Schawuot ist seine Verbindung zur <strong><em>Refuah</em> </strong>(Heilung).</p>
<p>Der Midrasch Pesikta Rabbati beschreibt, dass HaSchem die Torah nicht einem kranken oder gebrochenen Volk geben wollte. Die Torah ist das höchste Geschenk; sie sollte einem geheilten Volk gegeben werden. Deshalb geschah am Har Sinai ein großes Wunder: Kranke wurden gesund, Menschen mit körperlichen Einschränkungen wurden geheilt, und <em>Am Jisrael</em> (Volk Israel) stand in einem Zustand von Ganzheit vor HaSchem.</p>
<p>Matan Torah war also nicht nur Offenbarung. Es war auch ein Moment der Heilung.</p>
<p>Der Midrasch lehrt weiter: Wenn wir jedes Jahr zur gleichen Zeit die Parascha der <strong><em>Aseret HaDibrot</em></strong> (der Zehn Gebote) lesen, rechnet HaSchem es uns an, als würden wir erneut am Har Sinai stehen und die Torah empfangen.</p>
<p>Darum ist es besonders wertvoll, an Schawuot die Zehn Gebote zu hören und in diesem Moment um Gesundheit und Heilung zu beten. Wer nicht in die Synagoge gehen kann, sollte die Aseret HaDibrot zu Hause lesen — auf Hebräisch oder in einer Sprache, die er versteht — und sich<br />
vorstellen, selbst am Fuß des Berges Sinai zu stehen.</p>
<p>Denn an Schawuot hören wir nicht nur von Matan Torah.<br />
Wir treten erneut in seinen Lichtkreis ein.</p>
<h3>Die Kraft der Vorstellung</h3>
<p>Vorstellungskraft ist im Judentum kein bloßes Fantasieren. Sie kann ein Werkzeug der inneren Ausrichtung sein.</p>
<p>Bei <strong><em>Az Jaschir</em></strong> (dem Lied am Meer) schreiben heilige Quellen: Wenn ein Mensch es sagt und sich dabei wirklich vorstellt, wie er selbst durch das geöffnete <em>Yam Suf</em> geht, wie der trockene Boden unter seinen Füßen liegt und die Wunder vor seinen Augen geschehen, dann wirkt dies als Reinigung für die Seele.</p>
<p>Ähnlich ist es an Schawuot. Beim Hören der Aseret HaDibrot soll man nicht nur zuhören. Man soll innerlich dort stehen: am Har Sinai, mit Ehrfurcht, Klarheit und offenem Herzen.</p>
<p>Eine der großen Aufgaben von Schawuot ist nicht nur, die Torah zu kennen. Sondern sich selbst wieder als Empfänger der Torah zu erleben.</p>
<h3>Schawuot und die Lunge</h3>
<p>Rabbi Nachman von Breslov bringt einen bemerkenswerten Gedanken: Schawuot hat eine besondere Verbindung zur <strong>Heilung der Lunge</strong>. Eine Erklärung liegt in der Struktur: Wir empfangen die fünf Bücher der Torah, und auch die Lunge wird in fünf Bereiche beziehungsweise Lappen beschrieben.</p>
<p>Auch der bekannte Brauch, an Schawuot Milchiges zu essen, bekommt dadurch eine tiefere Dimension. Natürlich ist das Essen von Milchigem ein <em>Minchag</em> (Brauch) und keine Pflicht. Wer keinen Käsekuchen isst, hat Schawuot selbstverständlich trotzdem gehalten. Doch der Minchag ist reich an Bedeutung.</p>
<p>Der Ben Ish Chai verbindet Milchiges mit mehreren Andeutungen. Er bringt 40 Erklärungen und Gründe, wieso Milchiges gegessen wird. Eine bekannte Erklärung ist: <em><strong>Chalav</strong> </em>(Milch) hat den Zahlenwert 40 — entsprechend den 40 Tagen, die Mosche Rabbejnu auf dem Berg war.</p>
<p>Ein weiterer Gedanke: Manche Nahrungsmittel stehen spirituell mit bestimmten Organen in Verbindung. Milchiges wird nach Rabbi Nachman von Breslov mit der Lunge verbunden. An Schawuot essen wir Milchiges daher nicht bloß aus Genuss, sondern mit einer heiligen Absicht: Wir erheben die Funken in diesem Essen und Verbinden sogar das Essen mit Matan Torah.</p>
<p>Auf der Ebene der Avoda lernen wir daraus: Selbst Essen kann heilig werden, wenn es mit Bewusstsein und richtiger Absicht geschieht.</p>
<h3>Die Nacht von Schawuot – wach werden für die Torah</h3>
<p>Einer der bekanntesten Bräuche ist, in der Nacht von Schawuot wach zu bleiben und Torah zu lernen.</p>
<p>Der Hintergrund ist: Vor Matan Torah bereitete sich Am Jisrael drei Tage lang vor. Doch als der große Moment kam, schliefen sie ein. HaSchem musste sie wecken. Darum bleiben wir in der Schawuot-Nacht wach — als <em>Tikkun</em> (Korrektur) für dieses Verschlafen.</p>
<p>Darin liegt eine starke Lebenslehre: Manchmal investieren wir viel in Vorbereitung und verpassen dann den eigentlichen Moment. Wir planen, analysieren, organisieren — und wenn HaSchem ruft, sind wir nicht wach.</p>
<p style="text-align: left;">Die Nacht von Schawuot sagt:<br />
<strong>Jetzt ist nicht die Zeit zu schlafen. Jetzt ist die Zeit, da zu sein.</strong></p>
<p>Dazu passt eine chassidische Geschichte: Ein Chassid bereitete sich sehr intensiv auf Jom Kippur vor. Doch am Jom Kippur selbst verschlief er einen großen Teil des Tages. Trotzdem ging er später zum Gebet. Der Rebbe von Gur empfing ihn freundlich und lobte ihn dafür, dass er trotz seines Falls gekommen war.</p>
<p>Die Lehre ist groß: Nach einem Fehler darf man nicht aufgeben. Der Yetzer Hara sagt: „Jetzt ist sowieso alles verloren.“ Die Torah sagt: Komm trotzdem. Mach weiter. Der Moment ist noch nicht vorbei.</p>
<h3>Tikkun Leil Schawuot und die 24 Bücher</h3>
<p>In vielen Gemeinden liest man in der Nacht von Schawuot den <strong>Tikkun Leil Schawuot</strong>. Dabei werden nicht alle 24 Bücher des Tanach vollständig gelesen, sondern ausgewählte Verse aus jedem Abschnitt. Dadurch gilt es, als hätte man den gesamten Tanach durchlaufen.</p>
<p>Warum gerade diese 24 Bücher?</p>
<p>Die Kabbala verbindet dies mit dem Bild der <em><strong>Kallah</strong> </em>(der Braut) Eine Braut wird geschmückt. Die <em>Schechina</em>, die mit <em>Malchut</em> verbunden ist, wird in dieser Nacht durch das Lernen „geschmückt“. Das Lernen ist also nicht nur Studium, sondern ein geistiges Schmücken der <em>Schechina</em> vor der Erneuerung der Verbindung zwischen HaSchem und Israel.</p>
<p>Der Ben Ish Chai bringt außerdem den Gedanken, dass ein Mann seiner Frau im Laufe des Lebens 24 echte Schmuckstücke schenken soll — aus Gold oder Silber. Diese 24 Schmuckstücke sollte sie an Purim und Chanukkah zumindest kurz anziehen und bringt so viel heiliges Licht in ihr Leben und ihre Familie.</p>
<p>Auf Schawuot geschieht dieser Schmuck auf spiritueller Ebene.</p>
<p>Der Mensch lernt Torah — und die Schechina wird geschmückt.</p>
<h3>Das Versprechen des AriZals</h3>
<p>Der Arizal betont die Größe dieser Nacht: Wer die ganze Nacht wach bleibt und sich mit Torah beschäftigt, ohne auch nur einen Moment zu schlafen, dem wird langes Leben versprochen und er wird vor schwerem Schaden in diesem Jahr bewahrt.</p>
<p>Man könnte sagen: Es ist eine echte „Lebensversicherung“ — nicht im modernen Sinn, bei dem nach dem Tod  Geld ausgezahlt wird, sondern im wörtlichen Sinn: Schutz für das Leben selbst.</p>
<p>Diese Nacht verlangt aber Würde. Man sollte profane Gespräche vermeiden und die Stunden nicht nur „durchhalten“, sondern mit Torah, Ernsthaftigkeit und Freude füllen.</p>
<p>Rabbi Chaim Palagi schreibt, dass jemand, der in der Nacht von Schawuot schläft, riskiert, dass auch sein <em>Mazal</em> im kommenden Jahr „schläft“. Wer aber wach bleibt und mit Leidenschaft lernt, belebt auch sein Mazal.</p>
<p>Der Zohar spricht außerdem von 70 <em>Berachot</em> (Segnungen) und 70 spirituellen Kronen, die dem<br />
Menschen durch das Lernen dieser Nacht gegeben werden.</p>
<p>Viele sprechen nicht darüber. Doch die <em>Mekubalim</em> sprechen sehr deutlich darüber:<br />
Die Nacht von Schawuot ist eine der stärksten Nächte des Jahres.</p>
<h3>Tikkun der Augen</h3>
<p>Rabbi Chaim Palagi deutet die Nacht von Schawuot als <strong>Tikkun für die Augen</strong>.</p>
<p>Wieso?</p>
<p>Weil der Mensch wach bleibt und lernt, während seine Augen eigentlich zufallen wollen. Wenn er sie dennoch offen hält — nicht für Ablenkung, nicht für Eitelkeit, nicht für Verbotenes, sondern für Torah — korrigiert er damit das, was er im Laufe des Jahres mit seinen Augen falsch gesehen hat.</p>
<p>In einer Welt, in der das Auge ständig geprüft wird, ist das eine sehr aktuelle Botschaft.<br />
Dieselben Augen, die vielleicht Unreines gesehen haben, bleiben nun offen für Heiligkeit.</p>
<p>Die Kabbala spricht außerdem davon, dass eine ganze Nacht Torah-Lernen auch einen Tikkun für <strong>Karet</strong> bewirken kann — eine schwere spirituelle Abtrennung. Natürlich ersetzt nichts echte Teshuva, aber die Nacht von Schawuot ist eine besondere Öffnung zur Wiederverbindung.</p>
<h3>Megillat Ruth – warum gerade an Schawuot?</h3>
<p>An Schawuot lesen viele Gemeinden <strong>Megillat Ruth</strong>. Dafür gibt es mehrere Gründe.</p>
<p>Erstens spielt die Geschichte zur Zeit der Weizenernte, also in der Jahreszeit von Schawuot.</p>
<p>Zweitens ist Ruth die große Gestalt des <strong><em>Gijur</em></strong>. Am Har Sinai durchlief Am Jisrael selbst gewissermaßen einen kollektiven Gijur: Aus Bnei Noach mit sieben Geboten wurde ein Volk, das die Torah mit ihren <em>Mitzwot</em> annahm.</p>
<p>Drittens zeigt Ruth die zwischenmenschliche Seite der Torah. Die Aseret HaDibrot haben zwei Bereiche: zwischen Mensch und HaSchem und zwischen Mensch und Mensch. Ruth zeigt Treue, Bescheidenheit, Chessed und Aufopferung gegenüber Naomi. Auch Boaz handelt mit außergewöhnlicher Würde und Güte.</p>
<p>Viertens lehrt Ruth: Torah erwirbt man nur mit Hingabe. Ruth verließ Herkunft, Komfort und Sicherheit, um sich HaSchem und Am Jisrael anzuschließen. Aus dieser Hingabe entstand David HaMelech — und aus David wird der Maschiach kommen.</p>
<p>Der Chida erklärt zudem, dass Schawuot der Geburtstag und auch der Todestag von David HaMelech ist. Ruth, seine Urgroßmutter, gehört deshalb besonders zu diesem Tag.</p>
<h3>David HaMelech, Tehillim und die Zahl Sieben</h3>
<p>Das Leben von David HaMelech ist stark mit der Zahl sieben verbunden.</p>
<p>Schawuot kommt nach sieben Wochen der Omer-Zeit. David HaMelech wurde an Schawuot geboren und starb an Schawuot. Er lebte 70 Jahre. Er wurde am Schabbat geboren und starb am Schabbat – der siebte Tag der Woche. Auch der Name seiner Ehefrau &#8211; Bat<em>sheva</em> trägt die Zahl<br />
sieben in sich.</p>
<p>Deshalb ist Schawuot auch ein Tag von David HaMelech. Und da David HaMelech der Verfasser von Tehillim ist, wird das Lesen von Tehillim an Schawuot besonders bedeutungsvoll.</p>
<p>David HaMelech schrieb Tehillim mit Tränen. Es wird gesagt, dass seine Kissen nachts von Tränen durchnässt waren. Vielleicht ist genau deshalb Tehillim bis heute das Buch, zu dem Juden in allen Lebenslagen greifen: Krankheit, Freude, Angst, Dankbarkeit, Verlust und<br />
Hoffnung.</p>
<p>Wieso sagen wir: <em><strong>David Melech Jisrael chai vekajam</strong></em> — David, König Israels, lebt und besteht?</p>
<p>Die Gemara in Nedarim sagt: Wenn man Worte eines verstorbenen Zaddiks sagt, bewegen sich seine Lippen im Grab, als würde er selbst sprechen. Bei David HaMelech gibt es fast keinen Moment auf der Welt, in dem nicht irgendwo Tehillim gelesen wird. Seine Lippen „bewegen“ sich ständig. Darum lebt David weiter.</p>
<p>Das ganze Tehillim hat 150 Kapitel. Das Wort <em><strong>Pidjon</strong> </em>hat ebenfalls den Zahlenwert 150. Darum schreiben heilige Quellen, dass das Lesen des ganzen Buches Tehillim an einem Tag wie ein <strong>Pidjon Nefesch</strong> wirken kann — eine Auslösung der Seele aus negativen Kräften.</p>
<p>Der Ben Ish Chai schreibt, dass Schawuot der stärkste Tag ist, wenn man einen Tag im Jahr wählen müsste, um das ganze Tehillim zu lesen.</p>
<p>Wer es nicht am Stück schafft, kann es aufteilen — nachts, tagsüber oder über die zwei Tage Schawuot. Danach soll man beten und seine Bitten vor HaSchem aussprechen.</p>
<h3>Melave Malka – die Mahlzeit Davids</h3>
<p>Weil Schawuot so stark mit David HaMelech verbunden ist, gehört auch seine besondere Mahlzeit in diesen Zusammenhang: <em><strong>Melave Malka</strong></em>, die vierte Mahlzeit nach Schabbat.</p>
<p>Die Gemara berichtet, dass David HaMelech wissen wollte, wann er sterben werde. HaSchem offenbarte ihm nicht die genaue Zeit, aber sagte ihm, dass er an einem Schabbat sterben werde. Seitdem wusste David HaMelech nach jedem Schabbat: Wenn der Schabbat vorbei ist, habe ich mindestens noch eine Woche Leben. Aus dieser Freude entstand die besondere Bedeutung von Melave Malka.</p>
<p>Es gibt bekannte Segulot dazu, unter anderem für eine leichtere Geburt und Schutz vor <em><strong>Chibbut HaKever</strong></em>, dem schmerzhaften Übergang der Seele nach dem Tod.</p>
<p>Der Baal Schem Tov – der ebenfalls an Schawuot verstarb &#8211; verband <em>Motzei Schabbat</em> ebenfalls mit besonderer Kraft und lehrte, dass das Erzählen einer Geschichte von ihm nach Schabbat Segen für die kommende Woche bringen kann, besonders für <em>Parnassah</em>.</p>
<p>So führt uns auch Melave Malka zurück zu Schawuot: Wo David HaMelech im Zentrum steht, stehen auch seine Lieder, seine Tränen, seine Hoffnung und sein Vertrauen im Zentrum.</p>
<h3>An Schawuot um Torah bitten</h3>
<p>Rabbi Mosche Cordovero, der Ramak, lehrt: Da Schawuot der Tag von Matan Torah ist, werden Bitten, die mit Torah verbunden sind, besonders angenommen.</p>
<p>Wer ein gutes Gedächtnis in der Torah möchte, soll darum bitten. Wer Verständnis, Klarheit, Tiefe und Liebe zur Torah möchte, soll darum bitten.</p>
<p>Besonders stark ist der Moment, wenn der Aron HaKodesch geöffnet wird, vor der Lesung der Aseret HaDibrot. Dieser Moment öffnet viel Segen.</p>
<p>Man kann auch um Parnassah bitten, wenn die Absicht wirklich ist, dadurch mehr Torah lernen und unterstützen zu können. Aber hier gibt es einen ehrlichen Test: Wenn jemand sagt, er wolle reich werden, um später Torah zu lernen — lernt er schon jetzt in seiner freien Zeit?</p>
<p>Wer wirklich Torah will, beginnt schon jetzt. Auch mit wenig Zeit.</p>
<h3>Ein Buch spenden</h3>
<p>Eine weitere schöne Möglichkeit an Schawuot: ein Buch für die Synagoge spenden.</p>
<p>Man kann den Gabbai fragen, was gebraucht wird: Siddurim, Chumaschim, Gemarot oder andere Sefarim. Wer kann, unterstützt sogar mit einer Sefer Torah.</p>
<p>Am Tag von Matan Torah etwas für Torah zu geben, öffnet Herz und Mazal. Es ist eine einfache, aber sehr passende Handlung: Am Tag, an dem wir die Torah empfangen, helfen wir anderen, Torah zu lernen.</p>
<h3>Rein in Schawuot hineingehen</h3>
<p>Schließlich: Man soll rein in Schawuot hineingehen.</p>
<p>Natürlich körperlich — duschen, schöne Kleidung, Vorbereitung, Ehre für den Feiertag.<br />
Aber auch spirituell.</p>
<p>Dazu gehören Mikwe, Teshuva, Reinigung der Gedanken und Schutz vor negativen Einflüssen. Der Ben Ish Chai bringt in <strong>Lashon Chachamim</strong> eine kurze Segula gegen <strong>Ayin Hara</strong>, die man selbst tun kann.</p>
<p>Entscheidend ist die Botschaft: Man soll nicht ungeordnet in Schawuot hineingehen, sondern vorbereitet, rein und wach.</p>
<h3>Schawuot ist Gegenwart</h3>
<p>Schawuot ist nicht nur Geschichte. Es ist Gegenwart.</p>
<p>Jedes Jahr fragt HaSchem uns neu:<br />
Willst du die Torah empfangen?<br />
Willst du wach sein?<br />
Willst du Heilung?<br />
Willst du deine Augen reinigen?<br />
Willst du dein Herz öffnen?<br />
Willst du ein Leben mit Richtung?</p>
<p>Die Antwort geben wir nicht nur mit Worten. Wir geben sie mit der Nacht, die wir lernen;<br />
mit den Augen, die offen bleiben; mit dem Tehillim, das wir sagen; mit der Freude am Feiertag;<br />
mit dem Buch, das wir spenden; und mit dem Gebet um Torah, Kinder, Heilung und Nähe zu<br />
HaSchem.</p>
<p>Schawuot fragt uns jedes Jahr neu:</p>
<p><strong>Bist du wach genug, um die Torah zu empfangen — nicht nur mit dem Verstand, </strong><strong>sondern mit dem Herzen, den Augen, dem Körper, der Stimme und dem ganzen Leben?</strong></p>
<p>Möge HaSchem uns geben, was wir wirklich brauchen. Möge Er uns helfen, einander zu lieben,<br />
unsere Seelen zu erheben und die Beracha zu empfangen, die Er an Schawuot in die Welt<br />
sendet.</p>
<p><strong>Chag Sameach und Schabbat Schalom.</strong></p>
<p>Oskar Baruch Baraev</p>

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			<p>Der Beitrag <a href="https://judentum.online/schawuot-heilung-und-die-verborgene-kraft-von-matan-torah/">Schawuot – Heilung und die verborgene Kraft von Matan Torah</a> erschien zuerst auf <a href="https://judentum.online">Judentum</a>.</p>
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