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AVADIM HAJINU (Teil 1)

AVADIM HAJINU
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Avadim hajinu

In der Gemara gibt es eine Meinungsverschiedenheit zwischen Rav und Shemu’el:

–Einer sagt, dass wir als Antwort auf die vier Fragen das Stück “Avadim hajinu” sagen müssen und

–der andere denkt, die Antwort sei das Stück “mitchila”.

Beide Stücke sprechen von den bescheidenen Anfängen des jüdischen Volkes, denn wir wollen zeigen, dass wir nur durch G-tt befreit wurden und nicht, weil die Juden so super waren.

Avadim hajinu steht buchstäblich in der Tora in Dewarim, Kapitel 6, Satz 21.

Wenn G-tt uns nicht aus Ägypten herausgebracht hätte, wären wir immer noch der ägyptischen Kultur unterworfen.

Obwohl wir alle Geschichten über den Exodus kennen, ist es immer noch eine Mitzwa (Gebot), so lange wie möglich zu erzählen, denn es geht nicht so sehr um Wissen, sondern um Wiedererleben.

Darüber hinaus sind die Wunder von G-tt so tief, dass man die ganze Nacht sicher davon erzählen kann.

“Und wenn G´tt unsere Vorfahren nicht aus Ägypten befreit hätte, wären wir immer noch Sklaven des Pharao gewesen”

Wie können wir sicher sein, dass wir uns niemals von Ägypten befreien konnten? Es ist viele Male in der Geschichte passiert, dass die Freiheit von oben ohne wundersame Intervention erlangt wurde.

Als Mose geboten wurde, das jüdische Volk aus Ägypten zu befreien, sagte G´tt: “Ich werde sie von den Lasten – Siwlot – Ägyptens befreien” (SchemotEx. 6: 6). Siwlot bedeutet nicht nur Belastungen, sondern auch Toleranz. So können wir den Vers auch lesen als “Ich werde sie wegen der Toleranz für Ägypten ausführen.” Gewöhnung geschieht schließlich auch unter bedrückenden Umständen leicht. Die Juden hatten sich so an ihren Sklavenstatus gewöhnt, dass sie es für normal hielten. Außerdem haben sie sich vielleicht gedacht: “Was an Sklaverei denn so falsch sei, unsere Mägen sind immer voll und wir haben keine Verantwortung. Was nützt Freiheit? “

an ihren Galut-Lebensstil gewöhnt 

In der Tat wären wir ohne g´ttliche Intervention nicht aus Ägypten entlassen worden; Schließlich brauchten wir keine Freiheit. Ein wichtiger Augenöffner in unserer modernen Zeit! Viele Menschen haben sich so an ihren Galut-Lebensstil gewöhnt, dass sie in unserem eigenen Land keine Freiheit mehr brauchen. Von uns wird jederzeit erwartet, dass wir uns selbst prüfen, ob wir ein würdigeres Leben suchen sollten. Spiritueller Aufstieg ist nicht einfach. Eine Kuh auf der Weide hat ein leichteres Leben als eine Person, die sich entwickeln, auferstehen und spirituelles Wachstum erfahren möchte. Aber wir sind über dem Tier …

Wenn der Heilige, gesegnet sei er, unsere Väter nicht aus Ägypten herausgebracht hätte, wären wir… und die Kinder unserer Kinder Sklaven des Pharao in Ägypten geblieben1

Wir müssen erkennen, dass der Hauptzweck des Exodus nicht nur die Befreiung von der Sklaverei war, sondern vielmehr ein langsames Wachstum in Richtung Unterwerfung unter Gott. Auch wenn die Juden von ihrer Sklaverei befreit worden wären, ohne G´tt, hätten sie niemals die erhabenen spirituellen Höhen erreichen können, die sie beim Auszug aus Ägypten erreicht hatten, mit G´tt.

So nimmt die Aussage unserer Weisen –

“In jeder Generation ist es jedermanns Pflicht, sich so zu betrachten, als ob er selbst aus Ägypten ausgezogen wäre”,

eine tiefere Dimension an. Es reicht nicht aus, sich vorzustellen, persönlich von körperlicher Sklaverei befreit worden zu sein. Am wichtigsten ist, dass Sie sich als jemand sehen, der persönlich diese spirituelle Transformation von einem bescheidenen Sklaven zu einem begeisterten Diener von Haschem durchgemacht hat. Der wichtigste Teil des Exodus waren nicht die physischen oder politischen Aspekte, sondern die spirituelle Komponente.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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