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DAS WACHSTUM KOMMT VON INNEN -Parascha Haasinu

Parscha Haasinu (Dewarim/Deuteronomium 32:1-52)

Haasinu zählt lediglich 52 Sätze, aber Mosche erteilt in diesen – am Ende seines Lebens – dem Jüdischen Volk eine heftige Standpauke und warnt es, die Thora unter allen Umständen in Ehre zu achten.

Haasinu ist in poetischer Weise verfasst worden, beinhaltet aber viel Psychologie. So lautet EINE der ersten Psukim (Sätze) „Möge meine Thora als Regen herab träufeln“ (32:2)

die Thora mit Regen verglichen 

In welcher Hinsicht kann die Thora mit Regen verglichen werden? Rabbi Jerucham Levovitz (1873-1936, Russland) erklärt, dass der Regen die Erde befeuchtet und eine fruchtbare Umgebung schafft. Der Regen bildet günstige Umstände für das Wachstum, aber nur aus dem eigenen Erbgut des Samens gelangt die Pflanze zur tatsächlichen Entfaltung ihrer Eigenschaften.

Form und Farbe unserer persönlichen Entwicklung 

Das Gleiche gilt für den Einfluss der Thora auf uns Menschen. Die Thora schafft die Voraussetzungen für geistigen Wachstum, aber die letztendliche Form und Farbe unserer persönlichen Entwicklung bestimmen wir selber anhand unserer angeborenen oder uns angeeigneten Qualitäten.

Unsere großen Gelehrten betonen diesen Punkt mit großer Regelmäßigkeit. Wenn wir uns selber nicht zur inneren Einkehr und Läuterung wachrütteln, wird sich die Welt nie ändern. Das Umfeld bleibt außerordentlich wichtig, aber letztendlich sollten wir uns dauerhaft auf unserem innerlichen Reichtum in unserer „Jiddischen Neschomme“ konzentrieren, unserer geistigen Quelle der Inspiration, die uns mit dem Allmächtigen verbindet.

In Tischrej sind viele Wachstumsmomente

Gerade der Herbstmonat Tischrej, der mit Rosch Haschana beginnt, sich dann fortsetzt in der „geistigen Verschönerung“ von Jom Kippur und schließlich in der Laubhütte von Sukkot und der Freude von Simchat Thora den Höhepunkt erreicht, bietet enorm viele Wachstumsmomente.

Uwacharta bachajim – wir haben die Wahl für ein Leben, in dem wir Einheit in unserer kompletten Lebensart erzeugen.

auf Wachstum ausgerichtet, anstatt auf Vergnügen 

Ein aufrichtig religiöser Mensch ist auf Wachstum ausgerichtet, anstatt auf Vergnügen. Weshalb gehst Du zur Schul (zur Synagoge)? Möchtest Du geistig wachsen oder suchst Du hauptsächlich Geselligkeit und schöne Melodien? Ein aufrichtig religiöser Mensch ist mit der Verbesserung seines Ichs beschäftigt. Er oder sie konzentriert sich auf das Höhere und zieht sich, sobald sich das ergibt, aus der Welt zurück, um sich selber zu steigern.

zu einem Top-Erlebnis führen 

Ein wahrhaftiger Mensch lebt autonom und betrachtet die Welt mit einer andauernden Frischheit. Gerade religiöse „Toppers“, also „Spitzenleute“, können mit einem tiefen Gefühl von Gemeinsamkeit mit Anderen, aus sich hinausgehen. Ein immer tieferes Eintauchen in Dich selbst kann zu einem Top-Erlebnis führen. Du kehrst zu Deinem geistigen Ursprung zurück. Die Versöhnung mit Dir selber und mit Deinem Umfeld fördert geistige Befreiung und das los lassen Deines eigenen eingeschränkten Egos.

Verzeihen ist eines der schwierigsten Vorgänge 

Verzeihung ist der Auftrag dieses Monats. Wenn wir nicht um Verzeihung bitten und diese schenken, behindert das unser geistiges und religiöses Wachstum. Wirkliches Verzeihen ist EINES der schwierigsten psychologischen Vorgänge. Um Verzeihung bitten und diese gewähren erzeugt eine total befreiende Einheit und ein Gefühl der Vollständigkeit zwischen den Menschen unter einander und zwischen dem Menschen und dem Allmächtigen.

Durch das Schilfdach nach Oben

Hierfür sind viel Bescheidenheit und Demut erforderlich. Durch das Schilfdach schauen wir nach Oben. Und dann entsteht die wahre Simchat Thora, die Freude mit unserer Heiligen Lehre.