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Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil I

Noach Kuzari
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Der jüdische Gelehrte

Ben Noach: Ich hatte nie vor, einen Juden zu fragen. Die Tatsache, dass sie von allen gehasst werden, ist keineswegs eine Ermutigung, mit ihnen zu sprechen. Aber weil sich Christen und Muslime immer auf den jüdischen Ursprung ihrer Religion beziehen, fühle ich mich verpflichtet, auch mit den Juden zu sprechen.

Beginn des Judentums: eine persönliche Bindung

Ben Noach: Wo beginnt Ihre Religion?

Rabbi: Das Judentum begann mit einer sehr persönlichen Verbindung zwischen G-tt und Mann. G-tt präsentierte sich nicht als Schöpfer des Universums in den Zehn Geboten, sondern als Befreier aus Ägypten. Als er zum Pharao ging, sagte Moses, dass er von G-tt Avrahams, Jitzchaks und Ja’akovs gesandt wurde. Die drei Patriarchen waren bekannt und die Tatsache, dass sie g´ttliche Visionäre waren, war jedem klar. G-tt ist auf sinnliche Weise zu den jüdischen Hebräern gekommen. Das ganze Volk hat es selbst gesehen und es in einer ununterbrochenen Tradition bis heute weitergeben.

Zuverlässigkeit der Tora

Ben Noach: Wer gibt Ihnen die Garantie, dass Ihre Tora zuverlässig ist?

Rabbi: Die Tora und die jüdischen Vorschriften sind nur für uns bindend, weil G’tt uns aus Ägypten geführt hat. Lassen Sie mich den Unterschied zwischen Moses und anderen Menschen erklären. So wie es Unterschiede zwischen und innerhalb des anorganischen Bereichs der toten Materie, der Flora, der Blumenwelt und der Fauna, der Tierwelt gibt, ist jeder Mensch sehr unterschiedlich.

Es gibt Menschen, die für die gewöhnlichen irdischen Dinge geschaffen wurden, und es gibt Menschen, die eine starke Tendenz haben, mit dem himmlischen zu verschmelzen. Nicht jeder konnte diese himmlische Offenbarung auf dem Sinai im Jahr 2448 (1312 v.d.Zw.) nach der Schöpfung bewältigen.

Deshalb baten die Leute selbst Mose, zwischen ihnen und G’tt zu vermitteln. Moses war von einem höheren Kaliber als der Durchschnittsmensch. Er war eine sehr starke Persönlichkeit und konnte das g´ttliche Feuer betreten, ohne aufzusteigen und zu verschwinden. Er konnte vierzig Tage und vierzig Nächte lang ohne Essen auskommen. Er wurde nicht krank, er wurde nie älter. Im Alter von 120 war er immer noch wie jung. Bei seinem Tod ging er an einen bestimmten Ort, wo er sozusagen auf Befehl sterben konnte. Er hatte ein unglaublich hohes Wissen und stand in ständigem Kontakt mit G-tt.

Die Tora identifiziert sich

Ben Noach: Sie vertrauen einer Person.

Rabbi: Sie fragen nach der G´ttlichkeit der Tora. Wir können es nicht beweisen, aber wir können es plausibel machen. Die G´ttlichkeit der Tora ist bereits aus einer kodierten Identifikation in der Tora selbst ersichtlich. Soweit ich weiß, ist die Tora das einzige Werk, in dem die Identität des Werkes selbst oder des Autors kodiert ist. Wenn der Text geändert wird, fällt der Betrüger bald in den Korb. Springt man 49 Stellen (Buchstaben) vom ersten Buchstaben t (tav) in der Tora, so liest man den letzten Buchstaben des hebräischen Wortes Genesis (Bereschit – Am Anfang …) das Wort Tora. Die anderen drei Bücher der Thora identifizieren sich auf dieselbe Weise. Nur das dritte Buch der Tora, das als erstes von kleinen Kindern unterrichtet wird, weil es so rein ist, wird dadurch erkannt, dass das Tetragrammaton, der unbeschreibliche, aus vier Buchstaben bestehende G-ttes-Name, im Abstand von 7 oder 8 sichtbar wird.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

WIR HEGEN HOFFNUNG ABER WIR HABEN AUCH ANGST. Auch beim Essen von Mazza und Maror gibt es eine solche Ambivalenz

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Noach Kuzari

Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil II