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GEGENSEITIGE AKTION UND REAKTION – Parascha Ekew

„Und es wird sein, wenn (Schamoa tischme’u) ihr auf meine gebote hören werdet…“ (11:13).

Raschi erklärt hier – unter Berücksichtigung der doppelten Wortwahl (Schamoa Tischme’u: wortwörtlich: zuhören, zuhören sollt Ihr – verschiedene Vorgänge zwischen der Thora und HaShem einerseits und uns Menschen andererseits, wie:

*wenn wir in ehemaligen Lehrstunden genau zugehört hätten, würden wir im Stande sein, neue Gebote (Anweisungen) auf zu nehmen.

*das Gegenteil gilt auch für das Vergessen – wie es steht (8:9) „wenn Du vergisst, wirst Du vergessen“: wenn Du anfängst, Dinge zu vergessen, wirst du letztendlich alles vergessen, wie unsere Gelehrte bereits sagten:

*“Wenn Ihr MEINE Thora für die Dauer eines Tages verlasset, werde ICH Euch für die Dauer von zwei Tagen verlassen“.

Es handelt sich hierbei um Interaktion und Wiederkehr (die zwei Seiten einer Medaille). Wir können das mit zwei Freunden vergleichen, die sich von einander verabschieden: der eine geht westwärts und der andere ostwärts. Nachdem sie einen Tag gegangen sind, sind sie zwei Tage voneinander entfernt.

Lassen wir die Tora links liegen, bildet sie auch eine Entfernung zwischen ihr und uns. Den gleichen Gedanken finden wir bei der Tefilla, beim Gebet. Der Talmud Jeruschalmi behandelt den Fall einer Person, die das Schema und die begleitenden Berachot gesprochen hat, aber in seinen Gebeten nicht mit dem Achtzehngebet fort fährt, mit der Schemone Esre. Der Talmud Jeruschalmi vergleicht dieses nicht bis zum Ende gesprochene Gebet mit einer Person, die an der Palasttüre des Königs an klopft. In dem Augenblick, in dem der König öffnet, läuft der Bürger davon. Der König reagiert identisch und verlässt die Stelle auch. Das Ergebnis ist doppelte Entfernung.

HaSchem (G“tt) reagiert auf diese Taten und Gefühle. Wenn wir HaSchem, indem wir das Schema sprechen, näher zu uns bringen, müssen wir diesen Vorgang auch abschließen, indem wir das darauf folgende Gebet, die Schmone Esre, das Achtzehngebet, zu Ende sprechen. Hierdurch entsteht eine doppelte Verbindung. Verlassen wir die Begegnung mit HaShem, entsteht viel mehr Abstand, Entfernung, als wir vermuten.

G“tt reagiert auf unsere Taten. Im Grunde genommen ist der Mensch oft derjenige, der die Initiative ergreift. G“tt folgt uns wie ein Schatten. Wenn wir zum Beispiel Tsedaka (Barmherzigkeit, Wohltätigkeit) leisten, öffnet G“tt uns SEINE Himmlischen Schatzkammern. Je näher wir an HaShem heran kommen, je mehr nähert ER sich uns.

Gerade in den Ferienzeiten sollten wir begreifen, dass wir auch auf dem Campingplatz jüdisch bleiben, Dawwenen (beten) und lernen können. G“tt begleitet uns auf unseren Reisen nach fernen Orten und neuen Horizonten…