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Liebe VS. Furcht – Parascha Waetchanan

Ist es möglich Hashem gleichzeitig zu lieben und zu fürchten?
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In unserer Parascha werden uns zwei Mitzwot gegeben, welche sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. Einerseits befiehlt uns die Tora Hashem zu lieben (Devarim Kap.6, 5), später aber wird von uns erwartet, dass man sich vor ihm fürchtet (Vers 13).

Wie ist es möglich etwas bzw. jemanden zu lieben und gleichzeitig sich davor bzw. vor ihm zu fürchten? Außerdem ist es schwer zu verstehen, wie es überhaupt möglich ist Hashem zu lieben, ohne ihn sehen oder mit anderen Sinnen wahrzunehmen zu können? Das Gefühl der Furcht lässt sich noch einigermaßen nachvollziehen, wenn wir verstehen, dass Leben und Tod in seinen Händen liegt und die Existenz der gesamten Welt nur von ihm abhängt, aber wie kann man etwas (zumindest unserem Verständnis gegenüber) so Abstraktes lieben?

Der Rambam (Hilchot Tshuva Kap. 10) lehrt, dass es verschiedene Motivationen gibt, Hashem zu dienen: Die niedrigste Motivation ist aus Furcht bestraft zu werden oder der Wille belohnt zu werden. Darüber wird schon in Pirkei Avot (1, 3) gesagt: „Seid nicht wie Diener, welche dem Herren dienen, um Lohn zu bekommen“. Die höhere Stufe ist die Furcht vor Hashems Größe und die Erkenntnis, wie klein wir im Vergleich zu ihm sind (allein das Vergleichen ist lächerlich).

Das höchste Niveau, schreibt der Smag (Mitzwa 3) ist aus vollkommener Liebe, wie ein Kind, das aus Liebe zu seinem Vater, seinen Willen erfüllt. Doch wie erreicht man dieses hohe Level der vollkommenen Liebe? Erklärt der Smag, indem man sich in all das Gute hineindenkt, welches man von Hashem bekommt, ohne es zu verdienen. Besonders in unserer Zeit ist es leichter, weil wir die verwöhnteste Generation aller Zeiten sind, in welcher sogar der Durchschnittsmensch komfortabler lebt, als die Könige und Kaiser der Jahrhunderte. Von Heizungen im Winter, Klimaanlagen im Sommer und Früchten aus aller Welt das ganze Jahr über konnte der König von England sogar in seinen wildesten Träumen nicht träumen.

Unser Körper ist ebenfalls eine einzigartige Schöpfung und wenn man sich überlegt, mit wie viel Liebe und Sorgfalt er durchdacht und erschaffen wurde, damit wir uns gut fühlen, kommt man zu dieser Liebe.

Außerdem ist die Schönheit dieser Welt eine gute Möglichkeit das Gefühl der Liebe hochzubringen: Farben, Gerüche, Berge und Meere etc., welche eigentlich für die Aufgabe des Menschen auf dieser Welt nicht benötigt werden, dienen einzig und allein dem Zweck, uns das Leben auf dieser Welt zu verschönern und angenehmer zu machen.       

Der Grund, warum uns Liebe und Furcht, als Widerspruch erscheint, ist weil wir es auf dem niedrigsten Level verstehen, genauso wie es uns schwerfällt eine furchteinflößende Person zu lieben. Wenn wir aber verstehen, dass der Ursprung der Furcht nicht die Angst vor Strafe ist, sondern vor seiner Größe, Macht und Herrlichkeit, ist es verständlich, dass man Hashem dennoch lieben kann, für all das Gute, was er für uns macht.        

  

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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