1

DAS LEIDEN DES TZADDIK YITZHAK – Parascha Chaje Sara

Yitzhak wäre beinahe durch seinen Vater Awraham geopfert worden. Der Schock über die Opferung von Yitzhak führte zum Tod von Sarah, die im Alter von einhundertsiebenundzwanzig Jahre verstarb. Yitzhak bleibt drei Jahre untröstlich, bis er Rivka heiratet.

Zwanzig Jahre lang konnten Yitzhak und Rivka keine Kinder bekommen. Yitzhak wird in der rabbinischen Literatur als ein von Leid geplagter Mann betrachtet, der die Welt rettet. Er verlangt nach Leid (Midrasch).

Ein Paar rechtschaffene Zeitgenossen können den Rest der Menschheit vor dem Untergang retten. Wir lasen die Episode von Sodom in der vergangenen Woche.

Awraham verhandelt, nein, er feilscht mit dem Allmächtigen. G“tt verspricht Awraham, Sodom nicht zu verstören, wenn sich dort zehn Rechtschaffene befinden sollten. Leider gab es diese nicht.

Aber dass einige gute Menschen eine ganze Stadt, einen Landstrich oder die Welt durch ihre Güte beschützen können, steht hier schwarz auf weiß in der Torah.

Zu Zeiten Awrahams gab es mindestens zwei große Tzaddikim auf Erden, ihn und seinen Sohn Yitzhak. Auch zwei können genügen, die Welt zu retten.

Rabbi Schimon ben Jochaij (zweites Jahrhundert), der Verfasser des mystischen Werkes Sohar, sagte einst: „Ich allein würde die Welt ab meiner Geburt bis heute mit Argumentation von G“ttes Urteil freisprechen können – und wenn mein Sohn Elijeser mit mir wäre, würden wir die Welt ab dem Tag, an dem sie erschaffen wurde, bis zum heutigen Tag retten können. Und als Jotam, der Sohn von Usijahu, einem König von Jehuda, der, laut dem Tenach (der Bibel) „das tat, wenn G“tt unter uns sein würde und in Seinen Augen wohlgefällig, wir die Welt ab der Schöpfung bis zur Zeit der Ankunft des Maschijach würden beschützen können“.

Der Talmud-Gelehrte Abaje (viertes Jahrhundert) schreibt im Traktat Sukkah (45b): „Es sind nicht weniger als sechsunddreißig Männer auf Erden, die G“ttes Anwesenheit, die Schechina, jeden Tag begrüßen, denn in Jesaja 30:18 steht geschrieben: „Aschrej kol chogej lo – Glückseelig sind alle, die auf Ihn warten“ und das Wort „lo“ – „es steht vor IHM“, wird buchstabiert Lammed-Waaw und ist in Zahlenwert mit sechsunddreißig gleich“.

Es ist selbst zu einem Hebräisch-Jiddischen Spruch geworden: „er ist ein Lammed Wawnik – einer der sechsunddreißig verborgenen Tzadikkim (Heilige)“.

Laut der Jüdischen Tradition gibt es in jeder Generation sechsunddreißig Menschen, die dermaßen rechtschaffen und gutherzig sind, dass sie die Welt auf ihren Schultern tragen und aufrecht erhalten.

Yitzhak bat um schmerzende Aufgaben. Yitzhak war der erste, der G“tt um diese Schmerzen bat, denn er wollte, dass der Mensch bereits in dieser Welt für seine Verfehlungen etwas an Sühne erhalten würde. (Midrasch).

Die Beziehung zwischen Leid und Strafe ist nicht eins zu eins. Würden Strafe und Belohnung in dieser Welt sofort und ohne Ansehen der Person erfolgen, blieben dem Menschen kein freier Willen und Wahl mehr übrig.

Jeder würde nur das Gute tun, um die Belohnung sofort zu erhalten und niemandem würde es einfallen, die G“ttlichen Gesetze zu übertreten, um letztendlich einer unmittelbaren Strafe zu entgehen.

Strafe und Belohnung bestehen eigentlich nur in der Künftigen Welt. Die tatsächliche Rechnungsstellung ist dem Olam Haba vorbehalten, dem Leben nach dem Tod.

Ein unerschütterlicher Glaube in G“ttes Gerechtigkeit überbrückt die Kluft zwischen den Lügen der Gegenwart und der zukünftigen Wahrheit.

Das Paradox zwischen dem guten Menschen, dem es schlecht geht und dem Schlechten, dem es gut geht, ist allen bekannt.

Ist zu Leiden der schnellste Weg zu G“tt oder ist es die mit Freude erfüllte Extase, die uns am nahesten bringt? Der Psalmist, König David, legt die Betonung, den Schwerpunkt, auf das letztere.

Wie dem auch sei, der Hintergrund der Himmlischen Entscheidungen, ob sie schwierig oder angenehm sind, bleibt für uns undurchschaubar.