in

Jeder erhält, was er verdient – Parascha Wajeschew

Jeder erhält, was er verdient - Parascha Wajeschew
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Das Thema „Jeder erhält, was er verdient“ kehrt regelmäßig in der Tora zurück. Dieses ist ein wichtiges und typisches religiöses Thema. Nur der Himmel kann genau bestrafen und so alles wieder ins Gleichgewicht bringen.

Ja’akov fragte Lea nach der ersten Hochzeitsnacht, weshalb sie an der Personenverwechslung unter der Chuppa mitgespielt hatte. Da Ja’akov Betrug vermutete, hatte er mit Rachel ein bestimmtes Passwort für unter dem Schleier vereinbart. Rachel sah jedoch, dass Lea für das Hochzeitsfest schön zu recht gemacht wurde, bekam Mitleid mit ihr und verriet ihr das Passwort.

Lea antwortete Ja’akov: „Ich habe das von Dir gelernt. Du hattest Dich als Esav verkleidet und Dich so der Berachot (der Segen) bemächtigt“. Jeder erhält, was er verdient!

 

Die Brüder sandten den blutbeschmierten, vielfarbigen Rock (den Umhang von Josejf) an Ja’akov. In der Aramäischen Übersetzung steht, dass dieses Kleidungsstück durch die Kinder von Silpa und Bilha zu Ja’akov gebracht wurde, da Josejf mit denen sehr befreundet war (Lea’s Kinder hassten ihn). Um jeden Zweifel aus zu räumen, sandten sie das Kleidungsstück mit Bilha’s und Silpa’s Söhne. Von ihnen würde Ja’akov es glaubhaft annehmen, dass Josejf von einem wilden Tier zerfleischt wurde.

 

Es bleibt jedoch schwer verständlich, weshalb sie ihrem Vater vorgeben wollten, ein wildes Tier hätte ihn (Josejf) gefressen. Sie hätten genau so gut sagen können, dass Räuber ihn ermordet hatten. Es besteht jedoch eine alte Tradition, dass wenn Du jemand mit einem bestimmten Auftrag auf den Weg schickst und der Beauftragte unterwegs getötet wird, die beauftragende Stelle Mitverantwortung trägt, sei es mehr im moralischen als im juristischen Sinne.

Aber wenn ein Mensch von einem wilden Tier gefressen wird, ist dieses so unüblich, dass selbst der Auftraggeber keine Kappara (Busse tun oder Versöhnung) benötigt. Dieses war nicht voraus zu sehen und absolut nicht zu erwarten.

Die Brüder unter der Leitung von Jehuda hatten die Befürchtung, dass Ja’akov sich selbst für Josejf’s Tod verantwortlich machen könnte und sich selbst kasteien würde, um Kappara für seine Nachlässigkeit zu erhalten. Um seine Gefühle zu schonen, entschieden sie, zu erzählen, dass ein wildes Tier ihn gerissen hätte. Sie benutzten dabei die Worte „erkenne doch diesen Rock“!

 

Ja’akov erkannte das Kleidungsstück und sprach: “dieses ist der Rock meines Sohnes; ein wildes Tier hat ihn gerissen“ (Gen. 31:33). Der Sohar (die Mystiklehre) erklärt, dass Ja’akov Avinu bestraft wurde, da G“tt es sehr genau mit großen Tzadikim nimmt.

Ja’akov verkleidete sich mit zwei Ziegenfellen als Esav. Seine Kinder betrogen ihn mit Ziegenblut. Genau wie sein Vater Jitzchak sich enorm erschrak, als er die Personenverwechslung entdeckte (27:31), wird auch Ja’akov mit einem enormen Schock bestraft. Jitzchak erschrak gewaltig: er sah, dass sich die Hölle unter Esav öffnete. Er wurde sich bewusst, dass er sich in Esav fürchterlich geirrt hatte, in den er seine besten Kräfte während dreiundsechzig lange Jahre investiert hatte.

Auch Ja’akov erschrak ungemein, denn er wusste, dass wenn nur keines seiner Kinder während seiner Lebzeit sterben würde, er Gehinom (die Hölle) nicht sehen würde.

Ja’akov wurde mit zweiundzwanzig Jahren Trennung von Josejf bestraft, da er während zweiundzwanzig Jahre seine Eltern verlassen hatte. Obwohl Ja’akov auf Anweisung seines Vaters und seiner Mutter weg gezogen war und er durch eine Übermacht seinen Eltern keine Ehrerbietung bezeugen konnte, ist das für Tzadikkim auf einem Niveau wie Ja’akov doch unverzeihlich.

 

Am meisten überraschte mich jedoch das Thema „Jeder erhält, was er verdient“ in der Geschichte von Tamar und Jehuda. Die Brüder unter der Leitung von Jehuda sprachen zu Ja’akov „erkenne doch, ob dieser der Rock Deines Sohnes ist oder nicht“ (Gen. 37:32).

Etwas weiter – im Hauptteil achtunddreißig – wird Jehuda durch Tamar verführt. Er überlässt als Pfand seinen Siegelring, seine Mantel oder Schnüre (Tzitzit) und seine Stab. Tamar wird anscheinend schwanger und wird durch das damals geltende Noachidische Recht zum Tode verurteilt, da sie im Verdacht der Prostitution steht (nach der Sintflut, die unter anderem über die Menschheit wegen Unzucht und unsittlichem Verhalten gekommen war, war die Menschheit diesbezüglich sehr streng).

Sie sandte die Pfandgegenstände zu Jehuda mit den identischen Wörtern: „erkenne sie doch!“. Aber Tamar wollte seine Gefühle schonen und ihn nicht blamieren. Sie überließ ihn den Entschluss, ob er es zugeben wollte. Jehuda wird mit genau der gleichen Münze bezahlt.

Und bekannte ehrlich. Aus dieser Beziehung stammt der Maschi’ach. Nur G“tt allein kann aus der Finsternis Licht erschaffen.

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Moderne Menschen und G’ttes Königtum – ROSCH HASCHANA

Umgang mit den Fehlern - Parascha Wajeschew

Umgang mit den Fehlern – Parascha Wajeschew