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CHALAV AKUM – Ohne jüdische Aufsicht gemolkene Milch

Milch aus dem Supermarkt, Schokoriegel aus dem Kiosk?
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MILCH Die Mischna (Avoda Zara 35: Schulchan Aruch Y“D Siman 115) verbietet das Trinken von Milch, welche ohne die Aufsicht eines Juden gemolken wurde. Der Talmud erläutert den Grund dieses Verbotes, dass wir befürchten, dass Milch von anderen, unreinen, Tieren hinzugefügt wurde und somit das ganze Milchgemisch verboten wird.

Es gibt eine große Meinungsverschiedenheit unter den Poskim (Halachische Autoritäten siehe Pri Chadasch Y“D Siman 115,6 und Chatam Sofer Y“D Siman 107), wie weit unsere Weisen mit diesem Verbot gingen und was ist in dem Fall, dass wir kein Beifügen von unreiner Milch zu befürchten haben (z.B. wenn die Milch von anderen Tieren teurer ist oder es unüblich ist, andere Milch beizumischen).

Sagen wir, dass es in diesem Fall nichts zu befürchten gibt und die Milch demnach auch ohne die Aufsicht eines Juden erlaubt ist oder machten unsere Weisen keinen Unterschied und verbaten deshalb jede Milch ohne Aufsicht. Diese Frage ist der Schlüssel zur großen Diskussion, ob heutzutage das Trinken von Milch, welche ohne Aufsicht gemolken wurde, erlaubt ist oder nicht. Das deutsche Gesetz verbietet das Beimischen anderer Milch, ohne deutliche Kennzeichnung und legt hohe Bussen auf den Bruch dieses Gesetzes auf, sodass man davon ausgehen kann, dass die Milchfirmen, welche nur an ihrem Profit interessiert sind, kein Risiko eingehen wollen.

Basierend darauf erlaubte der Chazon Ish (Y“D Siman 41) das Trinken von unbeaufsichtigter Milch, solange wir annehmen können, dass sich die Molkereien vor dem Gesetz fürchten und sich daran halten.

Rabbi Moshe Feinstein (Igrot Moshe Y“D Band 4 Siman 84) hat eine nouvelle Meinung, dass unser Wissen ausreicht, um als beaufsichtigt zu gelten, weil wir davon überzeugt sind, dass keine andere Milch beigemischt wurde, sodass es ausreicht, um als Chalav Israel zu gelten.

Viele halachische Autoritäten (Chelkat Yaakov Y“D Siman 34) sind mit ihnen nicht einverstanden und sind der Meinung, dass unsere Weisen keinen Unterschied machten und dieses Verbot bleiben wird, sogar wenn der Grund nicht mehr aktuell ist und auch mit Rabbi Moshe Feinstein sind sie nicht einverstanden (Rabbi Moshe Feinstein selbst verließ sich nicht auf seine Erlaubnis und Rabbi Moshe Sternbuch bezeugt, dass der Chazon Ish nur Kindern und schwachen Menschen erlaubt hat).

Außerdem gibt es Meinungen (Aruch HaShulchan Y“D Siman 115, 6), dass es noch andere Gründe, außer der Befürchtung der Beimischung gibt und die regierungsbedingte Aufsicht deswegen nicht hilft (Rabbi Moshe Sternbuch schlägt vor, dass die Abgrenzung von den Völkern der Welt ein weiterer Grund sein könnte, so wie es bei Wein der Fall ist).

MILCHPULVER Es gibt eine weitere Diskussion bezüglich Milchpulver, welches aus Milch, welche ohne jüdische Aufsicht gemolken wurde, hergestellt wird. Die Kernfrage ist, ob dies von der Meinungsverschiedenheit bezüglich Milch abhängt oder nicht. Es gibt Meinungen (Har Zvi Y“D Siman 103), dass sogar diejenigen halachischen Autoritäten, welche Milch verbieten, Milchpulver jedoch erlauben werden, mit der Begründung, dass sich das rabbinische Verbot nicht darauf bezieht, weil eine chemische Verwandlung durchgeführt wurde.

Der Ziz Eliezer (Band 16 Siman 25) erlaubte basierend darauf Schweizer Schokolade mit Milchpulver aus unbeaufsichtigter Milch, mit der zusätzlichen Begründung, dass noch andere Zutaten beigemischt sind (solange alle anderen Zutaten erlaubt sind).

Aber es gibt auch Meinungen (Shevet HaLevi Band 4 Y“D Siman 87), welche sogar Milchpulver verbieten.

FAZIT Dies ist eine Diskussion mit vielen verschiedenen Meinungen und jeder sollte der Meinung seines örtlichen orthodoxen Rabbiners folgen, ob in bestimmten Situationen Ausnahmen gemacht werden können. 

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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