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ALLES ODER VIEL? – Parascha Wajischlach

ALLES ODER VIEL - Parascha Wajischlach
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PARASCHAT WAJISCHLACH (BERESCHIT/GENESIS 32:4 – 36:43)

Esau war noch immer auf seinen (Zwillings-)Bruder Ja’akov wütend, da er der Meinung war, dass Ja’akov die ihm, Esau, zustehende Beracha (Segen) auf eine linke Tour von deren gemeinsamen Vater Jitzchak erschlichen hatte. Aber jeder hatte vergessen, dass Esau vor 50 Jahre, die Beracha, zusammen mit seinem Erstgeborenenrecht, an Ja’akov verkauft hatte.

Bei einem Versuch, Esau günstig zu stimmen, sendet Ja’akov ihm allerhand Geschenke: Vierhundertundvierzig Schafe und Ziegen, dreißig säugende Kamele und ihre Jungen, vierzig Kühe und zehn Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Esel (Gen. 32:16).

Aber Esau weigert sich, diese an zu nehmen, mit den Worten: „Ich habe viel“ (Gen. 33:9). Ja’akov antwortet: „Nimm bitte meine Gabe an. G“tt war mir günstig gesonnen und ich habe alles“.

„Viel“ wird durch unsere Weisen erläutert wie: ich habe viel, aber ich möchte andauernd immer mehr. „Alles“ bedeutet: ich bin mit allem, das ich habe, zufrieden. Ich benötige nichts mehr.

Zwei Lebensarten oder Lebensphilosophien

Diese Wörter verweisen auf zwei unterschiedliche Lebensphilosophien. Ja’akovs Lebensweise unterschied sich von der von Esau um Himmelsbreite. Ja’akov lebte mehr in einer geistigen Welt und war mit allem, was er hatte, zufrieden. Ja’akov hatte das Gefühl, dass seine materiellen Besitztümer mehr als genügend oder ausreichend waren, um seine spirituelle Vorstellungen erfüllen zu können. Er hatte überhaupt keinen Bedarf an mehr.

Ein bekanntes Sprichwort unserer Weisen lautet: „Die meisten Menschen möchten zweihundert haben, wenn sie nur hundert haben; er oder sie, die zweihundert haben, möchten vierhundert. Voraussichtlich verlässt niemand diese Welt mit nur die Hälfte von dem, was er jemals haben wollte“ (Kohelet Rabba 1:34).

Teufelskreis unseres Bestrebens

Habsucht führt dahin, dass wir uns viel zu viel auf das konzentrieren, was wir nicht haben. Dadurch arbeiten wir immer mehr, um Dinge zu kaufen, die wir nicht wirklich benötigen, mit Geld, das wir eigentlich nicht entbehren können. Dieser Teufelskreis unseres Bestrebens nach immer mehr lenkt uns von unserer wahren, unserer wirklichen Berufung ab.

Unser Suchen nach Menge stellt unseren Bedarf nach Qualität in den Schatten. Hierdurch verlieren wir all zu oft aus unserem Blickfeld, dass unsere wahre Berufung unsere geistige Entfaltung ist.

mit unserem irdischen Anteil zufrieden 

Mit seiner Aussage „ich habe alles“ möchte Ja’akov uns zeigen, wie wir unser Leben mit Ewigkeit und anhaltenden Zielen füllen können. Indem wir mit unserem irdischen Anteil zufrieden sind, können wir geistig wachsen.

Die spirituelle Steigerung kam im Kampf mit dem Engel zum Ausdruck, der Mitten in der Episode der Geschenke von Ja’akov an Esau statt fand: „Ein Mann kämpfte mit ihm (Ja’akov) bis zum Morgengrauen. Er erkannte, dass er  nicht gegen ihn an konnte (also nicht gewinnen) und traf ihn an seinem Hüftgelenk“ (32:25-26).

Die Kampf zeigt unseren spirituellen Auftrag

Dieser Kampf kann auf unterschiedlichen Weisen erklärt werden. Alle Gelehrten sind sich darüber einig, dass dieser Engel ein „böser“ Engel war, der den Menschen auf die Probe stellt. Ich sehe hier im Kampf, den Ja’akov führte, den Kampf mit dem Bestreben nach immer mehr materiellem Besitz. Ja’akov – als Beispiel für alle seine Nachkommen, aber auch für seine Zeitgenossen – konnte es gegen den Engel aufnehmen.

Dieses zeigt nicht so sehr unsere physische Kraft, sondern an vorderer Stelle unseren spirituellen Auftrag. Wir stehen, was die Kraft zum Wachstum betrifft, höher als alle „böse“ Engel.

Wir haben die dankbare Aufgabe, uns durchgehend mit unserer geistige, spirituelle und religiöse Quelle in Verbindung setzen zu können.

Das sind unsere Aufgabe und unser „Lifestyle“, das ist unser bevorzugter Weg.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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