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Das philosophische Buch Kohelet

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Sukkot: Freude und Bescheidenheit

Es ist ein alter Brauch, das philosophische Buch Kohelet (Ecclesiastes) während Sukkot (Laubhüttenfest) zu lesen. Das Buch Ecclesiastes ist eine ernsthafte Reflexion über das Leben.


Es wurde zu Sukkot eingestellt, weil Sukkot eine besondere Zeit der Freude ist. Um diese überschwängliche Freude etwas zu mildern, wurde Weisheitsliteratur verschrieben.
 
Das Fest des Wasserschaufelns
Der Höhepunkt von Sukkot war das Fest der Wasserschaufel im Tempel. Sukkot wird überall als “die Zeit unserer Freude” bezeichnet.
Was ist das für ein Wasser, das geschaufelt wird? Was ist jüdische Simche?

Wir erleben selten echte Freude. Wir jagen dem Glück nach, aber es entkommt uns fast immer. Wir empfinden Freude, wenn wir sehen, dass unsere Ambitionen verwirklicht werden. Auf dem Steinboden der rauen Realität, sterben die meisten unserer Träume und Sehnsüchte.
 
Das Drama des Lebens entspricht selten unserem selbst entworfenen Erfolgsprofil.

König David lehrt uns in seinen Psalmen, dass das höchste Glück des Menschens in der demütigen Hingabe in G’ttes Händen liegt: “Mein G’d, du hast das Beste für mich gewählt. Nimm meine Hand und führe mich”.
 
Wasser ist flüssig; es formt sich zu dem Gegenstand, in das es gegossen wird.

Wasser symbolisiert das Schmelzen und Verschwinden der eigenen Identität und der vom Menschen geschaffenen Erfolgsformeln.

Wasser sind die Träne, die die hartnäckige Arroganz des Menschen in einem Moment der Aufrichtigkeit zerquetscht.
 
Das hebräische Wort für Freude bezieht sich auf das Wort “macha” – Selbstvernichtung.

Wenn jemand wirklich glücklich sein will, muss er sich selbst vergessen und sich selbst platt machen.

Der Talmud erzählt uns, dass die größten Gelehrten während des Wasserschaufel Festes ihren sozialen Status ablegten und im Tempel als glückliche Kinder tanzten, sprangen und jonglierten, in voller religiöser Hingabe.


Nur dann konnten sie ihre irdischen Grenzen vollständig hinter sich lassen und sich in Ekstase dem Höheren hingeben.
 
Unser eigenes Image vergessen
 
Im Monat Tishri erleben wir einen steigenden Grad der Religiosität.
Reue und “Abwasch” sind der Auftakt zur wahren religiöse Freude, an der wir nur dann teilhaben werden, wenn wir das immense Bild unseres eigenen Images und unserer Wichtigkeit hinter uns lassen können.


Aber es gibt noch mehr….. Es gibt auch einen Aufwärtstrend der Einstimmigkeit.


Die Shofar Töne symbolisierten den Schrei des Herzens des jüdischen Volkes, einen Schrei aus der Not des Juden, der weit von seiner jüdischen Herkunft entfernt ist.
Dabei sind alle Juden, von fromm bis frei – jeder auf seiner Ebene – gleich.


Bei Sukkot nimmt dieses einheitliche Gefühl in den vier Pflanzenarten, die ein einziges Bündel bilden, deutliche Gestalt an.
 
Auszeichnung

Simchat Thora ist die Krönung der immer enger werdenden Vereinigung. Bei Simchat Thora bleibt die Thora geschlossen, um dem Gefühl Ausdruck zu verleihen, dass es an diesem einen Tag am Ende des Festzyklus keinen Unterschied zwischen Gelehrten und Analphabeten gibt.

Wir tanzen mit der Thora und in dieser “Fußarbeit” sind alle gleich; fromm und frei, nah und fern freuen wir uns alle über das G’ttes-Geschenk vom Berg Sinai.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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