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Die Entschlossenheit und die Stärke Jossefs- Parascha Schmot

Die Entschlossenheit, DIE STÄRKE VON JOSSEJF - Parascha Schmot
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„und Jossejf war (schon) in Ägypten“ (1:4). Wie konnte Jossejf all den Verführungen des Ägyptischen Hofes widerstehen? Wo holte er die Kraft her, um ganz er selbst zu bleiben? Wie konnte er Mutterseelen allein in einer heidnischen Umgebung Jüdisch bleiben?

Unsere Chachamim (Weisen) erklären uns die Kraft von „die Entschlossenheit“ (im Inneren die Angelegenheit vollständig in Ordnung haben). Sie vergleichen „die Entschlossenheit“ mit dem Verschluss einer Perlenkette. Obwohl der Verschluss, in Bezug auf den Wert, nicht mit den Perlen vergleichbar ist, können wir nicht auf ihn verzichten. Wenn die Perlen nicht fest neben- und zu einander aufgereiht sind und durch den Faden oder die Schnur und den Verschluss zusammen gehalten werden, fällt alles auseinander.

Ein klares „Lebensschema“

Das Gleiche gilt für die schönsten Charaktereigenschaften. Wie talentiert wir auch sein mögen, wenn wir uns nicht selber ein klares „Lebensschema“ machen, fallen wir den rauen Sitten unserer Umgebung zum Opfer. Wenn wir nicht klar im Auge behalten, was unser Lebensziel ist und nicht fest entschlossen sind, unsere wichtigsten religiösen Ziele zu erreichen, wird der äußerliche Druck uns vom richtigen Weg abbringen.

Exil verursachte einen gewaltigen geistigen Schaden

Manche möchten unseren „Gola“-Zustand mit dem Zustand rund um den Exodus aus Ägypten vergleichen. Die relativ kurze Zeit von zweihundertzehn Jahren im Exil hatte einen gewaltigen geistigen Schaden verursacht. Nur einer von fünf Juden zog hinaus. Man stelle sich vor: Achtzig Prozent der Juden blieb in Ägypten, dem Land ihrer Unterdrücker. Acht von Zehn Bnej Jisraejl verschwanden aus der Geschichte des Jüdischen Volkes und blieben völlig assimiliert zurück.

Nur wenn wir klar wissen, für was wir stehen, können wir unsere Identität behalten.

Wer hat jemals eine Seele gesehen?

Im zweiten Buch der Tora, Exodus, entsteht das Jüdische Volk. Was ist das Ziel und der Zweck des Jüdischen Volkes?

Vieles von G“ttes Absicht mit der Welt und mit der Menschheit können wir aus unserer „Neschomme“ (Seele) verstehen. Das Problem ist nur, dass noch nie jemand eine Neschomme gesehen hat.

Im Talmud steht eine Gleichung mit EINEM Unbekannten:“ Genau so, wie die Neschomme sich hinter dem Körper verbirgt, so verbirgt sich G“tt hinter der Welt“. G“tt hinter dieser Welt ist der Große Unbekannte, da wir den Allmächtigen nicht so ohne Weiteres wahr nehmen können (um davon nur einen geringen Einblick einzufangen, ist viel Gefühl, guter Wille, Spiritualität und Vorbereitung erforderlich).

Wir sehen nur die Außenhülle

Wir vertiefen das mal: wenn wir Menschen zu einander schauen, sehen wir nur die Außenhülle unseres Mitmenschen, aber nicht seine Neschomme. Wir sehen einen Körper mit Trilliarden von Zellen und Molekülen, aber das Innerliche des Menschen bleibt uns gegenüber verborgen.

Wenn wir mit einander kommunizieren, sprechen unsere Neschommes mit einander. Indem wir mit einander sprechen, entdecken wir die Hintergründe und Tiefen der Menschen uns gegenüber. Die Neschomme wird eine „Chelek Eloka Mima’al Mamasch – ein Teil der Himmlischen G“ttlichkeit“ genannt. Der Körper ist, was Ort und Zeit betrifft, äußerst eingeschränkt. Nur die Neschomme ist nicht durch Zeit und Ort begrenzt. Wenn ich „Höre, Israel, Schema Jisraejl“ spreche, spreche ich „HaSchem Echad, (unser) G“tt ist EINZIG“.

ER war, ER ist und ER wird sein

HaSchem ist der aus vier Buchstaben bestehende Name G“ttes und bedeutet: ER war, ER ist und ER wird sein. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem und alles auch noch gleichzeitig. Mit dem Wort „EWIG“ beschränke ich G“tt, ordne G“tt in menschliche, zeitgebundene Denkweisen ein: ewig bedeutet, dass es eine Vergangenheit und eine Gegenwart gibt und dass es irgendwann eine Zukunft geben wird. Bei G“tt sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft alle gleichzeitig vorhanden, etwas, das wir uns nicht vorstellen können.

Erhabenheit über die Zeit

Durch Seine Erhabenheit über die Zeit ist G“tt auch nicht an einen etwaigen Ort gebunden. Dasselbe gilt auch ein Wenig für unsere Neschomme. Wenn man jemanden fragt, wo sich seine Neschomme befindet, ist es unmöglichen, darauf zu zeigen. Obwohl die Neschomme sich womöglich im Gehirn mit dem Körper verbindet, fühlt sich die Neschomme als eine Einheit, die den gesamten Körper füllt.

Die Neschomme ist auch die Instanz, die den Körper zusammen hält. Die Neschomme ist die Kraft, die dem Körper seine Einheit gibt. Sobald die Neschomme und der Körper von einander Abschied nehmen, fällt der Körper aus einander, die Verbindung löst sich.

Die Stechfliege hat keinen „Helicopter-View“  

Wenn eine Stechfliege über unserem Körper kriechen würde, würde sie nicht verstehen, dass sich hinter dem Körper eine Neschomme befindet. Da sie über unseren „Gesamtkörper“ keine Übersicht hat, könnte sie annehmen, sie würde über einen großen Klumpen Fleisch kriechen, in dem sich wohl Bewegung, aber sicherlich keine Seele dahinter befindet.

Die Stechfliege hat keinen „Helicopter-View“ und verfehlt so die Essenz unseres Mensch-Seins, unsere Neschomme, da sie durch die große Menge irdischer Elemente unseres Körpers, das sich dahinter befindliche, Einheit bildende Prinzip, dass unsere Essenz bildet, verfehlt. Die Stechfliege sieht vor lauter Bäume den Wald nicht mehr.

G“tt verbirgt sich

Das Gleiche können wir vom Allmächtigen sagen. G“tt verbirgt sich hinter der Welt (das Hebräische Wort für Welt, „Olam“, bedeutet Verborgenheit). Durch die enorme Ausdehnung des Universums ist es für uns „Stechfliegen“, besser „Eintagsfliegen“, beinahe unmöglich, die große Seele, die Enorme Neschomme, hinter dieser Welt zu sehen.

Wir verfehlen die Übersicht. Unsere körperliche Eingeschränktheit verhindert unsere Sicht auf das Große Gesamte, das alles zusammen hält, Leben schenkt, bestehen lässt und Sinn und Richtung an das Ganze gibt.

Die Geschichte der Neschomme und des Allmächtigen der Welt zu erzählen, das sind die Aufgaben und das Ziel des Jüdischen Volkes.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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