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GASTFREUNDSCHAFT IST DER EINZIGE WEG – Parascha Wajera

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Dem Judentum näherbringen

Avraham hatte verstanden, dass Gastfreundschaft der einzige Weg sei, um Menschen näher an die Religion heranzuführen (so ist es auch noch immer). Sein Zelt war zu allen Seiten geöffnet. Jeder konnte sofort eintreten und erhielt Speisen und Getränke umsonst. Avraham bot auch Logis an, also Aufenthalt. Er selbst hatte ein Gericht eingesetzt, um alle Konflikte sofort zu lösen. Das einzige, um was Avraham die Menschen bat, war, G“tt nach der Mahlzeit zu danken. Wenn Gäste das verweigerten, mussten sie bezahlen.

Avraham berechnete die Preise in übertriebener Höhe. Seine Gäste beschwerten sich, er sei viel zu teuer. Avraham verwies seine Gäste darauf, dass man mitten in der Wüste nicht so ohne Weiteres ein herrliches Fleischgericht erhalten könne. Die Menschen erkannten, dass Avraham recht hatte und dankten G“tt für seine überreichliche Gaben. So wurde die Religion verbreitet.

Selbst Heiden

Avraham erhielt zur heißesten Tageszeit Besuch von Männern, die später anscheinend drei Engel gewesen seien. Avraham meinte zuerst, dass sie Heiden seien, die sich vor dem Staub an ihren Füssen beugten. Der Staub an ihren Füssen war zu einer Art von Götzendienst geworden. Avraham wollte, als Vorreiter des Monotheismus, keinen Götzendienst in seinem Hause gestatten. Deshalb ließ er sie sich zuerst ihre Füße waschen.

Es ist jedoch schwierig zu verstehen, dass G“tt ihm nun ausgerechnet Gäste sandte, die „wie Heiden aussahen“? Dieses Detail ist trotzdem wichtig. Es lehrt uns viel über die Vorschriften der Gastfreundschaft. Es darf sich erst wirkliche, echte Gastfreundschaft nennen, wenn das Haus jedem offen steht, der hungrig ist: nicht nur für wichtige Gäste, sondern auch  für einfache, hungrige Seelen.

nicht wählerisch auf die Gäste herabschauen

Rabbi Chaim Brisker meinte auch, dass echte Gastfreundschaft bedeutet, dass JEDER willkommen sei. Deshalb hatte G“tt auch Gäste zu Avraham gesandt, die in seinen Augen nicht so wichtig waren. Das lehrt uns, dass wir nicht wählerisch auf die Gäste herabschauen dürfen. Maimonides (1135-1204) vermerkt das auch klar: „Wenn man eine Mitzwa macht, sollte man diese so schön wie möglich machen. Baut man eine Synagoge, dann sollte diese schöner als das eigene Haus sein. Gibt man Armen zu essen, dann sollte sich das Beste und Schönste auf dem Tisch befinden“.

Wenn wir armen Menschen das geben, was sie benötigen, erfüllen wir die Mitzwa, das Gebot der Zedaka (der Nächstenliebe). Aber einem Armen vom Besten und Schönsten zu geben, ist eine Hidur Mitzwa (die Mitzwa auf eine sehr schöne Art erfüllen). 

Hidur Mitzwa der Gastfreundschaft

Das ist auch, was Avraham machte. Er bot seinen Gästen die besten und herrlichsten Gerichte an. Ein anderer Aspekt von Hidur Mitzwa der Gastfreundschaft wird im Vers angedeutet: “und Avraham stand bei ihnen unter dem Baum, als sie assen“ (Gen. 18:8). Gäste empfinden es als angenehm, wenn der „Ba’al Habajes“ – der Gastgeber – bei ihnen bleibt, während sie ihre Mahlzeit zu sich nehmen.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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