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Manna – das himmlische Brot – Parascha Ekew

Manna – das himmlische Brot - Parascha Ekew
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Dewarim/Deut. 8:3: „Und ER ließ Euch entbehren und Hunger leiden und ließ Euch das Manna essen…“.

In Schemot/Ex. 16:13 und weiter lesen wir: „Und morgens befand sich eine niedriger Tau-schleier rund um das Lager. Und als der Tauschleier sich verflüchtigte, befand sich auf dem Wüstenboden etwas Feines, etwas Abgeschältes, fein wie der Raureif auf der Erde. Als die Kinder Israels das sahen, sprachen sie zu einander: „Was ist das“? Denn sie wussten nicht, was das war. Da sprach Moses zu ihnen: „Das ist das Brot, das G“tt zur Speisung schenkt“…Der, der viel eingesammelt hatte, behielt nichts übrig und der, der wenig eingesammelt hatte, kam nicht zu kurz; sie hatten jeder so viel eingesammelt, wie man verzehrte. Moses sprach nun zu ihnen: „Niemand soll davon bis zum nächsten Morgen übrig behalten. Aber manche hörten nicht auf Moses und behielten bis zum folgenden Morgen das Manna zurück, aber es krochen Würmer daraus hervor und es stank“.

 

Das Manna war weiß wie Koriandersamen und schmeckte wie Kuchen, mit Honig gebacken. Jeder durfte einen Omer (etwa zwei Kilogramm) davon einsammeln und es sollte innerhalb von vierundzwanzig Stunden aufgegessen werden. Sobald die Sonne darauf schien, begann es zu schmelzen. Freitags wurde eine doppelte Portion eingesammelt, da an Schabbat (Samstag) kein Manna herab viel. Während der gesamten Wüstenwanderung, vierzig Jahre lang, aßen die Juden das Manna. Bevor das Manna herunter fiel, fegte ein Nordwind den Wüstenboden sauber. Danach fiel Regen und es wurde sauber gewaschen.

Anschließend fiel Tau, der durch den Wind hart wurde, so dass der Tau als Tisch oder Tafel für das Manna dienen konnte, das vom Himmel herab regnete. Dieses Manna wurde wiederum durch eine zweite Lage Tau abgedeckt, um es gegen Insekten und Ungeziefer zu beschützen.

Astronautennahrung

Das Manna hatte bemerkenswerte Qualitäten. Am Anfang war es mit Astronautennahrung vergleichbar; das Manna wurde durch den Körper vollständig integriert und erzeugte keinen Auswurf. Erst als die Juden sündigten, indem sie sich über den Geschmack des Manna beschwerten, wurde das Manna gleich normaler Nahrung.

Das Manna fiel jeden Tag aufs Neue herunter, so dass die Juden es nicht zu transportieren brauchten und es frisch genießen konnten. Da sie jeden Tag wieder aus dem Himmel bedacht wurden, richteten sie ihre Herzen für ihr tägliches Brot auf G“tt (B.T. Joma 75b-76a).

 

Beschwerden über die Himmlische Nahrung

Die Juden blieben jedoch über das Manna nicht zufrieden. In der Exegese-Literatur werden hierfür verschiedene Gründe genannt. Gerade da sie von diesem täglichen „Manna-Dropping“ abhängig waren, fühlten sie sich unsicher. Jeden Tag wurden die Juden wieder mit ihrer Nase auf die Tatsache hin gewiesen, dass sie von Oben abhängig waren.

Zudem schlug die Langeweile zu, also das tägliche Einerlei der Nahrung. Das Manna hatte jeden Tag dieselbe weiße Farbe. Sicherlich stimmte es, dass man alles, was man wollte, daraus schmecken konnte, aber das Auge wollte auch etwas. Man kann zwar ein herrliches Steak kosten, aber solange man es nicht sehen kann, schmeckt es doch weniger. Die Juden wollten greifbare Nahrung verzehren und das war diese Himmlische Nahrung nun mal nicht.

 

Religiöse Wagschale, auch Risiko

Am schwierigsten zu verdauen war anscheinend die Tatsache, dass das Manna auch als religiöser Gradmesser fungierte. Für die Tzaddikim – fromme Menschen – fiel das Manna in „portionierter Größe“, also sofort essbereit, in ihre Zelte. Weniger gute Menschen mussten das Manna an größeren Abständen suchen gehen; zudem mussten sie das Manna mahlen und kochen. Die religiöse Ebene der Bewohner war sofort erkennbar. Am Abstand und auf die Art, wie das Manna fiel, war das religiöse Niveau seines Nachbarn sichtbar.

Ohne spezielle Wünsche schmeckte das Manna für Kinder als Milch, für Erwachsene als Brot, für die Älteren als Honig und für die Kranken als Gerste in Öl und Honig. Das Manna hatte einen herrlichen Duft; für die Frauen diente es auch als Parfüm und als Kosmetik.

 

Die Menge

Jede Familie erhielt das Manna anhand der Anzahl der Familienmitglieder. Auf diese Weise wurden viele Konflikte vermieden. Wenn Moses mit einer Frage konfrontiert wurde, wer zu welchem Haushalt gehörte, konnte er anhand der Menge an Manna ablesen, wie viele Menschen zum einen Haushalt gehörten und wie viele zum anderen.

Als der Prophet Jeremias viele Jahrhunderte später Menschen anspornte, mehr Thora zu lernen, antworteten sie: „Wie sollen wir uns am Leben erhalten können, wenn wir nur Thora lernen?“ Da holte der Prophet damals das Krüglein mit Manna aus dem Tempel und sprach: „Schaut her, was Euern Ahnen als Nahrung diente, als sie in der Wüste den ganzen Tag die Thora lernten. Auch Ihr werdet von G“tt Unterstützung erhalten, wenn Ihr Euch mehr mit dem Studium der Thora befassen würdet“.

Krüglein mit Manna versteckt

Als es sichtbar wurde, dass der Tempel zerstört werden würde, wurde das Krüglein mit Manna versteckt, zusammen mit der Heiligen Lade und dem Salböl. In den Messianischen Zeiten wird der Prophet Elijahu alle diese Sachen wieder zurück bringen.

Laut dem Talmud (B.T. Chagiega 12b) wird das Manna zur Zeiten des Maschi’ach (Messias) wieder Nahrung für die Heiligen sein. Das Manna war geistige Nahrung und wird in spirituellen Hochperioden wieder zurück kehren. In den Messianischen Zeiten wird es also keine Nahrungsknappheit geben.  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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