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„Und sie werden mir eine Lade erstellen“ – Parascha Teruma

„Und sie werden mir eine Lade erstellen“ - Parascha Teruma
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„Die gesamte Welt ist doch von der Gloria G“ttes erfüllt“?! Weshalb war es notwendig, in der Wüste und später in Jerusalem ein gesondertes Heiligtum zu erschaffen?

 

Rabbi Aharon haLevi (vierzehntes Jahrhundert, Spanien) vermerkt, dass unser Persönlichkeit durch aktives Handeln geprägt wird. Die Bildung des Charakters erfolgt in der Sphäre von Handlung und Tätigkeit. Die Erstellung und der Unterhalt eines kleinen Heiligtums lässt uns an das G“ttliche in der Welt gewöhnen, indem wir damit praktisch umgehen.

 

In Schmot 25:10 steht die Anweisung zur Erstellung der Lade im Plural: „Und sie werden MIR eine Lade erstellen“.

 

Nachmanides (dreizehntes Jahrhundert, Spanien) vermerkt, dass eine Mehrheitsform nur bei der Erstellung der Heiligen Lade verwendet wird, da jeder bei der Fertigung dieses zentralen heiligen Gegenstandes einen Anteil haben sollte, in dem sich die Steinernen Tafeln und die Thorarolle von Mosche befanden. So partizipierten alle an den Verdiensten der Thorakenntnis.

Plural

Rabbi Chaim ibn Attar (achtzehntes Jahrhundert, Marokko) vermerkt, dass die Mehrheitsform bei der Erstellung des Aron HaKodesch darauf hinweist, dass die gesamte Thora nur durch das gesamte Volk erfüllt werden kann. Keine Einzelperson kann das allein. Wenn jemand Kohen (Priester) ist, kann er die Vorschriften der Erteilung der vierundzwanzig Gaben (z.B. der biblische Zehnt für die Leviten und die Teruma (2% der Ernte) für die Kohanim) an die Priester und Leviten oder Pidjon haben, das Loslösen des Erstgeborenen bei ein Kohen nicht erfüllen.

Diese Gebote gelten nur für diejenigen, die KEINE Priester oder Levit sind. Wenn man kein Priester ist, kann man die Vorschriften zur Erbringung der Opfer nicht erfüllen.

Nur das gesamte Volk als eine Einheit kann die Vorschriften und Inhalte der Thora in ihrer Gänze nach kommen. Deshalb steht die Anweisung zur Erstellung der Lade in Plural.

 

Rabbi Mosche Alschijch (fünfzehntes Jahrhundert, Saloniki) erläutert die Mehrheitsform wie folgt: „Die Krone (die Ehre) der Thora ist nicht wie die Krone (Ehre) der Priesterschaft oder des Königseins, die nur an auserwählte Familien innerhalb Israel erteilt wird. Die Krone der Thora ist das Erbe für ganz Israel. Hierin ist jeder gleichwertig; jeder ist gleich würdig und im Stande, die Thora zu studieren“.

 

Im Zweiten Tempel stand keine Lade mehr. Der ursprüngliche Aron haKodesch (die Heilige Lade) wurde kurz VOR der Zerstörung des Ersten Tempels (fünfhundertsechsundachtzig vor der Zeitrechnung) versteckt. Weshalb wurde also keine neue Lade erstellt, während alle andere Gegenstände wohl in den Zweiten Tempel zurück kehrten?

 

Rabbi Mejir Simcha aus Dwinsk meinte, dass dieses daher kommt, da die Thora wiederholt vermerkt, dass die Steinernen Tafeln als Beweise in die Lade hineingelegt werden müssen (Schmot 25:16 und 25:21). Weshalb war diese Wiederholung erforderlich? Wenn eine Anweisung in der Thora wiederholt wird, lehrt uns das, dass die Handlung nur gültig ist, wenn allen Bedingungen entsprochen wurde. Wenn es keine Thora mehr gibt, braucht es auch keine Lade mehr zu geben.

 

Da diese Gegenstände – die Steinernen Tafeln, die Thora-Rolle von Mosche Rabbejnu und die ursprüngliche Lade – kurz VOR der Invasion durch Nebukadnesar (sechstes Jahrhundert vor der Zeitrechnung) in den Katakomben des Tempelbergs versteckt wurden, konnte der Zweite Tempel keine neue Lade und keine Steinernen Tafeln mehr haben, da diese Gegenstände später nicht mehr wiedergefunden wurden.

 

Rabbejnu Bachja ibn Pekuda (elftes Jahrhundert, Spanien) zeigt, wie es möglich sei, durch die Beschreibung der Größenangaben und anderer Aspekte der Gegenstände aus dem Tabernakel, eine tiefgehende symbolische Bedeutung zu entdecken. Anders als für die anderen Gegenstände im Tabernakel, galten für die Heilige Lade als einzelner Gegenstand nur die halben Einheiten in Länge, Breite und Höhe (2,5, 1,5 und 1,5 Ellen).

 

Die Heilige Lade symbolisiert einen Talmid Chacham (einen Thoragelehrten). Dieser sollte bescheiden und zurückgezogen sein. Die halben Einheiten der Lade symbolisieren die Geknicktheit und die Offenherzigkeit desjenigen, der die Thora-Kenntnisse erwerben möchten. Die reduzierten Abmessungen zeigen auch, dass der Thoragelehrte mit seinen Mitmenschen empathisch mitfühlen sollte, in ihrer Trauer oder Verzweiflung geknickt sein sollte.

 

Im Sohar (der Mystiklehre) wird das Herz mit einer Nuss verglichen: harte Schale, weicher Kern. Das Knacken einer Nuss ist wie das Durchstechen der Jetser Hara (des irdischen Egoismus), die uns befähigt, uns für moralisches Wachstum und Empfindsamkeit für unseren Mitmenschen zu öffnen.

 

Der Talmud besagt (B.T. Sanhedrin 43b) dass „als es den Tempel noch gab, man ein Opfer erbringen und so Vergebung erreichen konnte“.

Heutzutage wird derjenige, der bescheiden ist, betrachtet, als hätte er alle Opfer erbracht, wie es geschrieben steht: „Die Opfer für G“tt sind ein geknickter Geist“ (Psalm 51). Dieses ist die Bedeutung der reduzierten Größenangaben zur Lade.    

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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