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QUALITÄT ZÄHLT, NICHT QUANTITÄT – Parascha Bamidbar

QUALITÄT ZÄHLT, NICHT QUANTITÄT - Parascha Bamidbar
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QUALITÄT ZÄHLT, NICHT QUANTITÄT

„Se’u et Rosch – Zähle die Menge der Gesamtheit der Gemeinde Israels (1:2)“

Die jüdische Zählweise war ganz anders als eine einfache Volkszählung gemeint. Früher fanden Volkszählungen statt um Steuern zu erheben, für militärische Zwecke oder um Ergebnisse über Berufe, über Wohnungen und über andere Angelegenheiten zu erhalten.

Das Jüdische Volk erfuhr unterschiedliche und mehrere Zählungen:

·      Auf dem Weg nach Ägypten wurden bei Ja’akov und seinen Kindern siebzig Seelen gezählt.

·      Nach dem Exodus waren es sechshunderttausend Männer.

·      Nach der Sünde des Goldenen Kalbes wurden 603.550 Männer gezählt.

Wenn ein Mensch zählt, geht alles um Quantität, also um Menge. Es geht nicht um Qualität, Wert oder Unterschiede zwischen den gezählten Gegenständen. Nur eine vom Himmel beauftragte oder eingeleitete Zählung ist eine richtige Zählung.

Diese Zählung in der Wüste war somit auch qualitativ beabsichtigt und deshalb von großer Wichtigkeit. Durch gezählt werden wird man wichtig. Man wird eine „gezählte Sache“, zählt mit und verliert hierdurch seine Identität viel weniger leicht. Die Zählung des Jüdischen Volkes bedeutete, dass dieses wichtig war, sodass es die Kraft haben würde, seine Umwelt zum Guten zu verwandeln, was auch unser Auftrag ist.

Die Zählung hatte zur Folge, dass sich ein jeder bewusst wurde, dass er ein Teil des Ganzen war. Dieses ist wichtig für die Arbeit und für das Leben in größeren Gemeinschaften. Wenn jeder seinen Platz innerhalb der Gemeinschaft kennt, bringt das G“ttes Anwesenheit näher.

Aber die Jüdische Zählung diente hauptsächlich dazu, um G“ttes Liebe für das Volk zu zeigen. Wenn man liebhat, pflegt und zählt man. G“tt benötigt keine Zählungen. ER kennt die Zahl schon.

G“tt wies Mosche, Aharon und die Stammesoberhäupter an, bei den Zählungen persönlich anwesend zu sein. Juden durften nicht nach pro Kopf gezählt werden. Sonst würde es eine Plage geben. Jeder musste einen halben Schekel abgeben. Diese Münzen wurden gezählt. Konnten diejenigen, die diese halben Schekel abholten, diese nicht selbst zählen?

„Se’u et Rosch“ bedeutet eigentlich: hebe den Kopf hoch. Die Zählung musste ein spirituelles Erlebnis werden. Deshalb mussten die geistigen Leiter hierbei anwesend sein. Jeder ging an Mosche, dem größten Propheten und an seinem Bruder Aharon, dem Hohepriester, entlang.

Früher war es so, dass, wenn jemand wissen wollte, mit welchem Auftrag er hier auf Erden gesandt wurde, ein Prophet ihm erzählte, was sein Lebensauftrag war und wie er damit umzugehen hatte. Mosche konnte bei jedem, der wegen der Zählung vorbeikam, in sein tiefstes seelisches Inneres hineinschauen, ihm spirituellen Rat erteilen, wonach der Hohepriester ihn segnete.

Hierdurch erhielt jeder, der „mitzählte“, einen spirituellen Impuls. Im Talmud steht, dass jeder Mensch sich selbst klar werden soll, dass die Welt für ihn geschaffen wurde. Jeder hat einen einmaligen Charakter und ganz bestimmte Lebensumstände. Jeder hat andere Veranlagungen, andere Talente und eine eigene Lebensaufgabe, die nur er oder sie mitbekommen haben. Die Erfüllung der Schöpfung ist vor der Art abhängig, wie jeder Mensch seinen Weg geht, zu dem seine ihm gegebenen Talente anspornen.

Wenn wir uns von der Wichtigkeit unseres individuellen Auftrages nicht bewusstwerden, können wir unseren einzigartigen Beitrag zu dieser Welt auch nicht leisten. Die Juden mussten sich auf die Entgegennahme der Thora vorbereiten. Sie sollten ein heiliges Volk und ein Königreich von Priestern werden (Exodus 19:6).

Jeder Priester hat neben seiner menschlichen Aufgabe auch eine höhere Berufung. Mit diesen Gefühlen müssen wir uns auf Schavuot, dem Wochenfest, vorbereiten, dem Fest, an dem wir vor 3333 Jahren die Thora empfingen……

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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