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Simchat Tora – Freude am Gesetz, die die Grundlage unserer Existenz bildet

Simchat Tora - Freude am Gesetz, die die Grundlage unserer Existenz bildet
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בסייד    

An Simchat Tora feiern wir dass die Tora (das Gesetz) das Eigentum des Jüdischen Volkes ist. An diesem Tag beenden wir mit der Tora-Lesung und beginnen es auch von neuem mit der Lesung aus dem Buch Bereschit/Genesis.

Das Wort Simcha bedeutet im Hebräischen Freude. Die wörtliche Übersetzung von Simchat Tora lautet “Freude am Gesetz”. Wir freuen uns über unser Gesetz. Haben Sie schon einmal Menschen gesehen, die mit ihren Gesetzbüchern tanzen? Unser Gesetz ist G’ttes Gesetz. Deshalb feiern wir es ausgelassen.

DATIERUNG – verschiedene Kalender führen bzgl. des Datums zu Verwirrung

Der 8. Tag des Laubhüttenfestes heisst Schmini Atseret (wörtlich: der 8. Tag des Laubhüttenfestes, Schlussfest). Der offizielle Name von Simchat Tora außerhalb Israels ist “zweiter Tag Schmini Atseret”. Deshalb ist Simchat Tora außerhalb Israels der neunte Tag von Sukkot:

-In Israel fallen Schmini Atseret und Simchat Tora auf denselben Tag (beide: 22. Tischri, in diesem Jahr Sonntagabend, 16. Oktober, und Montag, 17. Oktober).

-Außerhalb Israels wird ein offizieller Feiertag zugefügt und werden Schmini Atseret (22. Tischri) und Simchat Tora (23. Tischri), getrennt gefeiert. Simchat Tora fällt darum dieses Jahr für uns in Deutschland auf Montagabend, den 17. Oktober, und Dienstag, den 18. Oktober. 

Der Jüdische Kalender ist ein Mondkalender, der im Ausgleich mit dem Sonnenkalender gerechnet wird, so dass die Feiertage nicht immer auf die gleichen Daten des gregorianischen Kalenders fallen.

Um Ihnen eine Vorstellung von der unterschiedlichen Datierung zu geben, auf die Schmini Atseret (derselbe Tag wie Simchat Tora in Israel, 22. Tischri) und Simchat Tora außerhalb Israels (23. Tischri) fallen können:

-Im Jahr 2014 wurde Simchat Tora am 15. und 16. Oktober in Israel und am 16. und 17. Oktober außerhalb Israels gefeiert.

-Im Jahr 2017 wurde Simchat Tora am 11. und 12. Oktober in Israel und am 12. und 13. Oktober außerhalb Israels gefeiert.

In diesem Jahr werden wir Simchat Tora am 28. und 29. September außerhalb Israels feiern.

Diese Unterschiede sind auf die Differenzen zwischen dem Jüdischen Mond- und dem säkularen Sonnenkalender zurückzuführen.

die gesamte Tora gelesen

Zu Simchat Tora haben wir die gesamte Tora von Bereschit, der Schöpfung, bis zum Tod von Mosche kurz vor dem Einzug in das Heilige Land Israel gelesen. Im vergangenen Jahr haben wir an jedem Schabbat eine Parscha (Wochenabschnitt) gelesen. Die fünf Bücher der Tora sind in Parschot (Plural von Parscha) unterteilt. Die Tora hat ungefähr so viele Abschnitte wie es Schabbat-Tage gibt.

ausgelassen gesungen und getanzt

In vielen Synagogen wird deshalb während des Abendgottesdienstes am Simchat Tora ausgelassen gesungen und getanzt, dabei werden die Torarollen hochgehalten. Alle Torarollen in der Synagoge werden sieben Mal in einer Prozession getragen. Auch die anwesenden Kinder nehmen daran Teil, indem sie Fähnchen oder Miniaturschriftrollen tragen. In großen Jüdischen Zentren wird auch im Freien gefeiert und getanzt. 

In einigen Gemeinden wird danach noch der letzte Teil der Tora, Dewarim (Deuteronomium) Kap. 33 gelesen, in dem Mosches Segen beschrieben wird. Drei Männer werden dabei aufgerufen.

Lesungen und Bräutigame der Tora

Beim Morgeng`ttesdienst werden drei Torarollen aus der heiligen Lade genommen – normalerweise nach der Prozession mit allen Torarollen:

-Aus der ersten Torarolle lesen wir den letzten Teil der Tora,

-danach geht es weiter mit der zweiten Torarolle am Anfang, der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Erschaffung des Schabbats (Genesis 1).

Das bedeutet, dass die Tora niemals endet und bis zum Ende der Zeit fortbesteht.

-Für die dritte Torarolle wird der Maftir aufgerufen, der Mann, der aus dem ersten Teil des Buches Josua, das erste Buch des Tenach, dem Rest der Bibel, liest.

Das Ende und der Anfang der Tora werden von zwei “Bräutigamen” gelesen, dem Chatan Tora (Bräutigam der Tora) und dem Chatan Bereschit (Bräutigam der Schöpfung). Die beiden Bräutigame und viele andere G`ttesdienstbesucher beschenken die Kinder mit Süßigkeiten.

Inauguration der Bräutigame

Am Abend, zu Beginn von  Simchat Tora, werden die beiden Bräutigame vom Rabbiner feierlich in ihre Ämter einberufen, begleitet von viel Humor, Scherzen und Feiern.

Es ist die Freude an der Tora, die wir ein Jahr lang studiert und gelesen haben. Wir sind so sehr mit der Tora verbunden, dass wir sofort wieder anfangen, sie zu lesen.

Aufrufe zur Tora

Am Abend werden in der Regel nur drei Personen zur Tora gerufen, aber am Morgen werden alle Erwachsenen an die Bima (den Lesetisch) gerufen, um einen Teil aus der Tora mit zu lesen. Wenn viele Menschen anwesend sind, können gleichzeitig aus mehreren Schriftrollen an verschiedenen Stellen in der Synagoge gelesen werden. In der Regel werden jedoch dieselben Passagen so lange wiederholt, bis alle an der Reihe waren.

Die Lesung gegen Ende wird für die Kinder aufgehoben, die dann alle auf das Duchan (Podium) kommen, wo vier Erwachsene einen Tallit (Gebetsschal) über sie ausbreiten. Ein Junge, der Bar-Mitzwa hatte, wird zusammen mit den Kindern unter 13 Jahren aufgerufen. Alle erhalten eine Beracha (Segen) und die Kinder bekommen noch einmal Süßigkeiten.

Die Symbolik des Feiertags lautet: Freude an der Tora und Beständigkeit. Wir schließen nie mit der Tora ab, denn dieses Gesetz ist das Fundament des Jüdischen Volkes.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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