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Woher stammt der Feiertag Simchat Tora?

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Der Feiertag Simchat Tora (wörtlich “Die Freude der Tora”), in Israel an Schmini Azeret, dem “achten” Tag von Sukkot und in der Diaspora am neunten Tag von Sukkot, wird in der Tora nicht erwähnt und stammt aus dem Zeitalter der Gaonim.

Der Anlass für die Freude an diesem Tag ist die Beendigung der wöchentlichen Lesung der Tora und der anschließende Beginn der Lesung. 

Doch woher stammt dieser Brauch, jährlich die Beendigung der Tora-Lesung zu feiern?

Wie schon gesagt, dieser Brauch wurde von den Gaonim festgelegt und wird heutzutage von allen Strömungen des Judentums praktiziert. 

Was zu klären bleibt ist der Ursprung dieses Brauches.

Im Talmud (Megila 29b) steht, dass es verschiedene Aufteilungen der Tora in Wochenabschnitte gab, in Babylonien wurde die gesamte Tora innerhalb eines Jahres beendet, während in Israel der Zyklus der wöchentlichen Tora-Lesung drei Jahre lang dauerte. 

Viele denken, basierend auf der erwähnten Passage im Talmud, dass dieser Brauch aus Babylonien stammen muss, weil nur dort die Tora jährlich beendet wurde und es anzunehmen ist, dass die Beendigung jedes Jahr gefeiert wurde. 

Aber in Wahrheit gibt es eine große Meinungsverschiedenheit zwischen den jüdischen Gelehrten und Historikern, bezüglich der Herkunft und des Ursprungs dieses Brauches: 

Die meisten Gelehrten und Historiker sind ebenfalls der Ansicht, dass dieser Brauch aus Babylonien stammt und auf der dortigen jährlichen Beendigung der Tora-Lesung basiert. 

Eine weitere Variante für den Ursprung von Simchat Tora präsentiert Don Abarbanel (1437-1508, jüdischer Philosoph, Politiker und Finanzier im Dienst der Könige von Spanien und Portugal) in seinem Kommentar zum Wochenabschnitt Wajelech, genauer gesagt zum Gebot von Hakhel (Versammlung):

Einmal in sieben Jahren, am Ende des Schmitta-Jahres, versammelte sich das gesamte jüdische Volk, Männer, Frauen und Kinder in Jerusalem und hörten zu, wie der König aus der Tora liest. Der Abarbanel kommentiert darauf, dass der König bei dieser Versammlung die gesamte Tora beendete, nachdem in den vorherigen sechs Jahren jeweils ein Teil aus der Tora vom Kohen Gadol (Hohepriester) oder Richter vorgelesen wurde. Danach fügt er hinzu, dass unser Brauch, jährlich am Simchat Tora die Beendigung der Tora-Lesung zu feiern, an die Beendigung der Tora durch den König erinnern soll. 

Nach dieser Interpretation stammt dieser Brauch nicht aus Babylonien und basiert nicht auf dem Talmud in Megila, sondern dient als Erinnerung an das Hakhel.

Worin unterscheidet sich dieser Feiertag von Schawuot, dem Feiertag, an welchem wir den Erhalt der Tora feiern?

Dies lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären: Stellen Sie sich einen Prinz vor, welcher lange auf der Suche nach einer passenden Frau war und endlich eine geeignete Partnerin gefunden hatte. Die Freude war sehr groß und zu diesem Anlass veranstaltete der König eine große Feier. Nach einigen Monaten veranstaltete der König erneut eine große Feier, viel größer als die Erste. Die Menschen wunderten sich, zu welchem Anlass die zweite und größere Feier sei und waren umso mehr verwundert als sie hörten, dass es anlässlich des frischvermählten Paares ist.

Der König erklärte: Natürlich war die Freude bei der Hochzeit sehr groß, aber nicht vollkommen. Bei der Hochzeit wusste ich noch nicht, ob sie zueinander passen und glücklich miteinander sein werden. Jetzt, nachdem einige Monate vergangen sind und ich sehe, wie glücklich sie zusammen sind, veranstalte ich eine Feier, welche noch größer ist, als die Hochzeitsfeier, weil die Freude jetzt vollkommen ist.

An Schawuot haben wir die Tora erhalten und uns natürlich sehr darüber gefreut, aber dennoch war die Freude noch nicht vollkommen, weil wir die Tora noch nicht genossen haben. An Simchat Tora beenden wir die gesamte Tora und jetzt können wir richtig feiern, weil wir jetzt wissen, wie glücklich uns die Tora macht! 

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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