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Wie beeinflusst uns das, was wir sehen? – Parascha Pinchas

Wie beeinflusst uns das, was wir sehen - Parascha Pinchas
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“Pinchas, der Sohn Elazars, Sohn von Aharon, dem Kohen, wendete meinen Zorn ab, indem er im Volke für meine Ehre eiferte und fast hätte ich sie in meinem Eifer vernichtet” (Bamidbar 25:10)

In unserem Wochenabschnitt lobt G´tt Pinchas dafür, dass er sich öffentlich für G´ttes Ehre eingesetzt hat. 

Weshalb muss die Tora betonen, dass er es öffentlich tat, als würde es nur deshalb lobenswert ist? Zimri, der Fürst des Stammes von Schimon, hat für seine Sünde den Tod verdient und Pinchas hat es ausgeführt, was für einen Unterschied macht es, ob es öffentlich oder privat gemacht wurde?

Außerdem scheint es, dass G´tt das ganze jüdische Volk vernichtet hätte, wenn Pinchas nicht eingegriffen hätte und es bedarf einer Erklärung warum das Volk vernichtet werden sollte, obwohl nur ein kleiner Teil des Volkes gesündigt hatte?

Die Antwort ist, dass es hier zwei Sünden gab: Außer der offensichtlichen Sünde, gab es eine weitere (und es ist schwer zu sagen, welche schlimmer war) und zwar, dass es vor den Augen des ganzen Volkes passierte. Ein Mensch, der sieht, wie jemand eine Sünde macht, auch wenn er sich dessen bewusst ist, dass es falsch und verboten ist, trotzdem hinterlässt es eine Spur. Es kühlt die Angst vor dieser Sünde ab und bringt es dem Betrachter näher. Der Betrachter hat es jetzt schwerer, diesem Reiz zu widerstehen und ist in Zukunft eher gefährdet, besonders, wenn der Sünder eine angesehene Person ist. 

In der Kriminalpsychologie ist dies ein bekannter Fakt, dass Menschen, welche in ihrer Kindheit Gewalt gesehen haben, eher gewaltbereit sind, weil es zur Norm geworden ist. Etwas Besonders muss passieren, um den Betrachter aufzuwecken und zur ehemaligen Furcht vor dieser Sünde zu zurückzubringen.

Nachdem das ganze Volk mitansehen musste, wie ein Stammesoberhaupt öffentlich eine nichtjüdische Frau in sein Zelt bringt, führte dies zu einer kollektiven Abkühlung der Furcht und Seriosität dieser Tat und dies könnte fatale Folgen haben.

Somit könnten wir auch verstehen, warum G´tt bereit war, das ganze Volk zu vernichten (wenn es keine öffentliche Strafe für Zimri gegeben hätte), obwohl die Mehrheit des Volkes nicht gesündigt hatte, denn infolge der Tat  waren die Stützen der Moralität bei allen gelockert und auf so einer Basis kann keine g´ttliche Gesellschaft gebaut werden. Nur durch das mutige und selbstlose Einschreiten von Pinchas, besonders weil er es öffentlich tat, konnte das Volk gerettet werden, indem er die Werte des jüdischen Volkes und der Tora zurückbrachte.

Daraus können wir lernen, wie vorsichtig man sein muss, was man sieht und sich anschaut, sogar wenn es nicht direkt verboten ist, weil es dennoch einen starken Einfluss auf uns hat.  

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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