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ZEDAKA 6 – ZEDAKA AUF DEM KAMINSIMS

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ZEDAKA AUF DEM KAMINSIMS

In fast jedem Haus gibt es Zedaka-Büchsen.

Zedaka ist eine Mizwa (Gebot) für Jung und Alt und beschränkt sich nicht nur auf große Spenden. Auch kleine Spenden sind wichtig. Mehrere geistliche Anführer befürworten den Besitz dieser Büchsen, weil sie unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass die Mizwa von Zedaka eine ständige Pflicht ist, die vorzugsweise jeden Tag erfüllt werden sollte. Viele haben die Angewohnheit, vor jeder Tefilla Geld in die Büchsen hineinzutun.

Wir sollten Zedaka nicht nur in finanzieller Hinsicht sehen; Zedaka kennt auch qualitative Aspekte. Der Talmud erzählt uns, dass sowohl Abba Chilkia als auch seine Frau viele Wohltaten getan haben. Wenn jedoch beide um Regen beteten, wurden ihre Gebete eher erhört als seine. Der Grund dafür war, dass Abba Chilkia den Armen nur Geld gab, mit dem sie Essen kaufen konnten – eine relativ indirekte Form von Zedaka. Seine Frau gab den Armen immer Nahrung und nicht nur Geld, um Brot zu kaufen und ihren Hunger zu stillen. Wegen ihrer direkten Anteilnahme wurden ihre Gebete deshalb eher erhört (B.T. Ta’anit 23b).

Heutzutage geht der emotionale Gehalt des Gebens von Zedaka in vielen Fällen verloren, weil direkte Hilfe oft einfach nicht möglich ist. Wir stellen eine Überweisung aus, reichen sie bei der Bank ein und das Geld geht an einen sonst unbekannten Zweck. Auf der einen Seite ist diese Art der Spende besser, weil der Spender und der Empfänger sich gegenseitig nicht kennen, auf der anderen Seite fehlt oft den Bezug zu den Nöten anderer. Wir geben, sind aber kaum in den finanziellen Problemen einbezogen, die wir lösen wollen.

Die emotionale und physische Distanz zwischen Spender und Empfänger wird ein wenig durch die Büchse auf dem Kaminsims überbrückt: es konkretisiert den Endzweck der Abgaben und der Mensch kann sich mit dem Zweck identifizieren, für den die Gelder bestimmt sind.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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