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Zusammenhalt – Parascha Noach

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Der Zweifler Noach – Parascha Noach

Noach baute eine Arche. Doch dass es tatsächlich zu einer Sintflut kommen würde, glaubte er lange nicht.
Die Sintflut-Erzählung ist wahrscheinlich die einzige Geschichte, die es in fast allen Kulturen gibt. Zwar variieren die Details, aber fast immer geht es um Wassermassen, die wegen der Sünden der Menschen auf die Erde niedergingen. Nur eine einzige gerechte Familie blieb von der Sintflut verschont – von ihr stammen wir alle ab.

WASSER

Die Tora leitet die wohl berühmteste Erzählung der Welt so ein: »Und Noach tat alles, wie der Ewige ihm geboten. Und Noach war 600 Jahre alt, als die Flut des Wassers auf der Erde war. Da gingen Noach und seine Söhne und seine Ehefrau und die Ehefrauen seiner Söhne mit ihm in die Arche, vor dem Gewässer der Flut« (1. Buch Mose 7, 5–7).

Raschi (1040–1105) kommentiert und zitiert den Midrasch Bereschit Raba: »Auch Noach gehörte zu denen, die klein an Vertrauen waren. Er war nicht ganz davon überzeugt (im Original: Er glaubte und glaubte nicht), dass die Sintflut kommen werde, und ging erst in die Arche, als ihn das Wasser drängte.«

Unsere Weisen sagen, Noach habe bis zum Ende bezweifelt, dass eine Sintflut kommen werde. Erst als das Wasser ihm bis zum Hals stand, begab er sich mit seiner Familie auf die Arche. Doch stimmt dieser Midrasch mit unserer Vorstellung von Noach überein? Es steht doch in der Tora, dass er ein Gerechter gewesen ist, und dass er alles tat, was G’tt ihm befohlen hat. Außerdem baute er ganze 120 Jahre an seiner Arche. Wie kann es dann sein, dass er an der Sintflut zweifelte?

Ein ähnliches Muster erkennen wir bei unserer Urmutter Sara. Die Tora erzählt uns, dass Sara sehr lange keine Kinder bekommen konnte. Jahrelang betete sie, dass ihr sehnlichster Wunsch, ein Kind zu bekommen, in Erfüllung gehen möge. Doch als sie erfährt, dass sie einen Sohn zur Welt bringen wird, fängt sie an zu lachen und am Wahrheitsgehalt der Nachricht zu zweifeln, sodass G’tt sagt: »Ist dem Ewigen ein Ding zu schwer?« (1. Buch Mose 18,14). Wie kann es sein, dass auch Sara an G’ttes Möglichkeiten zweifelte?

MASCHIACH

Der Chofez Chajim, Rabbiner Israel Meir Kagan (1839–1933), weist darauf hin, dass auch wir dieses Gefühl des Zweifels und der Ungläubigkeit erleben werden – nämlich, wenn unser lang ersehnter Erlöser, der Maschiach, kommt. Und das, obwohl wir Tag für Tag den zwölften der 13 Glaubensgrundsätze von Maimonides sagen oder singen: »Ani maamin be emuna schelema bewiat Hamaschiach« (Ich bin vollkommen von der Ankunft des Maschiach überzeugt).

Trotzdem werden wir voller Zweifel sein, selbst wenn eines Tages alle Fakten dafürsprechen, dass der Maschiach gekommen ist. Vielleicht meint genau das der Vers aus Schir Hama’alot, dem Psalm, den wir immer an den Feiertagen vor dem Birkat Hamason sagen: »As jemale s’chok pinu« (Dann werden unsere Münder sich mit Lachen füllen). Dort geht es um die Zeit des Maschiach, und vielleicht werden wir dann genauso ungläubig lachen wie einst Sara.

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Und auch wenn Sara jahrelang dafür gebetet hat, Kinder zu bekommen, und viele Juden aufrichtig und mit ganzem Herzen an das Eintreffen des Maschiach glauben – wenn es so weit sein wird, werden wir es nicht glauben können, genauso, wie es bei Noach der Fall gewesen ist.

Doch wie kann ein Mensch gleichzeitig glauben und nicht glauben? Ganz einfach: Die Theorie unterscheidet sich sehr oft von der Praxis. In der Theorie sind die meisten gewillt, vieles zu tun – doch wenn es ernst wird, springt die Mehrheit ab. Den Kampfesmut eines Soldaten kann man nur bei einem Militäreinsatz richtig einschätzen: Vor dem Kampf geben viele Männer mutige Sprüche von sich, doch sehr oft sind gerade sie diejenigen, die als Erste vom Schlachtfeld rennen. Und auch die Tatsache, dass man die theoretische Fahrschulprüfung mit Bravur gemeistert hat, bedeutet noch lange nicht, dass man die praktische Prüfung besteht.

BRIEFTASCHE

Reb Chaim von Sanz (1793–1876) stellte einst seinen Chassidim eine Frage: »Was würdet ihr tun, wenn ihr eine Brieftasche mit einer großen Summe Geld gefunden hättet, und es gäbe deutliche Zeichen, die auf ihren Besitzer hinweisen?« Ein Chassid rief in aller Aufrichtigkeit und großer Sicherheit in der Stimme: »Ich würde die Brieftasche sofort an den Besitzer zurückgeben.« Der Rebbe erwiderte: »Das ist eine Dummheit!«

Der nächste Chassid, mit derselben Frage konfrontiert, sagte: »Rebbe, ich würde die Brieftasche ganz einfach behalten!« »Du bist ein Dieb!«, schrie der Rebbe. Ein dritter Chassid sagte: »Ich weiß nicht, was ich tun würde, Rebbe. Aber ich hoffe, dass ich die moralische Standhaftigkeit hätte, das Richtige zu tun, und würde die Brieftasche an den rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.« Der Rebbe von Sanz atmete auf und sagte: »Das ist ein weiser Mann!«

Wir können nicht wissen, wie wir in bestimmten Situationen handeln werden. Das Einzige, was wir tun können, ist zu versuchen, uns zu besseren Menschen zu erziehen, uns durch das Studium der Tora mit verschiedenen Fällen zu konfrontieren. Wir müssen lernen, welches Verhalten in diesen Situationen moralisch und halachisch richtig ist, und sollten dafür beten, in diesen Situationen standhaft und mutig zu sein, sodass wir richtig reagieren.

Deshalb sagen auch unsere Weisen, dass man niemals einen Menschen verurteilen darf, bis man nicht in seine Situation gekommen ist. Denn man kann nie wissen, wie man selbst reagieren würde.

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