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Die Kawwana, die Absicht beim Omer-Zählen

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Vor einigen Wochen befasste sich eine Anzahl von Rabbinern mit der Frage, ja, sie zweifelten, ob sie wohl vor Eintritt der Nacht (vor den drei Sternen) nach dem Abendgebet für die Gemeinde Omer-Zählen durften oder ob das nicht vernünftig sei.

Wenn Du Dich in der Synagoge befindest und der Chasan, der Vorbeter, vor Einbruch der Dunkelheit das Omer-Zählen macht, darfst Du da unter Bedingung mit machen? Eigentlich nicht, aber vielleicht vergisst Du nach Einbruch der Nacht zu zählen.

Um sicher zu gehen, solltest Du in der Synagoge mit zählen, aber Du musst hierzu eine bestimmte mentale Vorbedingung machen: wenn Du nach Einbruch der Dunkelheit das Zählen nicht vergessen würdest, hättest Du nicht die Absicht gehabt, dass das Omer-Zählen in der Synagoge mitzählen würde.

Vergisst Du jedoch, nach Einbruch der Dunkelheit zu zählen, dann gilt die Omer-Zählung in der Synagoge als die richtig erfolgte Zählung.

Auf diese Weise kannst Du Dir sicher sein, dass Du Deine Pflicht immer erfüllst:

-zählst Du nach Eintritt der Nacht, gilt die Zählung davor nicht,

-vergisst Du, nach Eintritt der Nacht zu zählen, dann gilt das Omer-Zählen in der Synagoge als Zählung und Du hast – im Nachhinein – Deine Pflicht erfüllt.

Der Wille und die Kawana, die Absicht

Aber… kannst Du solch eine Vorbedingung wohl machen? Oneg JomTov (ein Buch mit Sche’elot uteschuwot, ein Responsenbuch), hat hierzu so seine Bedenken.

Es macht einen Unterschied zwischen einem Willen und einer Kawana, einer Absicht. Deinen Willen kannst Du an Vorbedingungen knüpfen, Deine Kawana jedoch nicht.

Etwas, dass von Deinem Willen abhängig ist, kannst Du an Vorbedingungen knüpfen. Du würdest Dein Auto unter der Vorbedingung kaufen oder verkaufen können, dass die Bremsen tauglich arbeiten.

Dieses geht, da eine Verkaufsvereinbarung von der Absicht des Käufers und des Verkäufers abhängt.

Es ist jedoch fraglich, ob Du Deine Kawana an Vorbedingungen knüpfen kannst, also ob Du eine Absicht unter Vorbehalt haben kannst.

Andersherum gesagt: ob ich etwas möchte, hängt von verschiedenen Umständen ab. Wenn die Gegebenheiten sich ändern, ändert sich auch meine Absicht. Ich möchte ein Fahrrad mieten, wenn es nur nicht regnet; wenn es wohl regnet, möchte ich kein Fahrrad mieten.

Die Kawana ist etwas echt Anwesendes

Aber eine Kawana ist etwas Reales, die wohl oder nicht anwesend ist. Bei einem Ziel kann man nicht von einer vorsätzlichen Absicht sprechen. Ich schreibe zum Beispiel einen Artikel, um Jemanden davon zu überzeugen, dass ich recht habe; ich kann jetzt schwerlich sagen, dass, wenn der Artikel nicht überzeugend genug zu sein scheint, ich nie die Absicht gehabt hätte, den Anderen davon zu überzeugen, dass ich recht gehabt habe.

Eine Absicht kann nicht von einer Vorbedingung abhängig sein. Deshalb sagt Oneg JomTov, dass es beim Zählen in der Synagoge nicht die Absicht sein kann, dass, wenn Du nach Einbruch der Nacht vergessen hattest zu zählen, die Zählung in der Synagoge vor Einbruch der Nacht als Omerzählung gilt.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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