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DIE SCHWAGEREHE WIRD AUFGELÖST – DIE CHALITSA – Parascha Ki Teze

DIE SCHWAGEREHE WIRD AUFGELÖST – DIE CHALITSA - Parascha Ki Teze
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בסייד

Parascha Ki Teze (Dewarim/Deut. 21:10-25:19)

        In Dewarim/Deut. 25,5 wird die Schwagerehe oder Leviratsehe behandelt: “Wenn Brüder zusammenleben und einer von ihnen kinderlos stirbt, soll die Frau des Verstorbenen nicht einem fremden Mann gehören; ihr Schwager soll sie zur Frau nehmen und ihr gegenüber die Schwagerpflichten erfüllen. Wenn er sich aber weigert, zu heiraten, soll seine Schwägerin zu den Stadtältesten am Tor gehen und sagen: ‘Mein Schwager will für seinen Bruder keine Kinder zeugen’. … Wenn er sich weiterhin weigert, muss sie vor den Ältesten auf ihn zugehen, seine Sandale ausziehen, ihm ins Gesicht spucken und ihm sagen: ‘So ergeht es dem Mann, der seinem Bruder keine Kinder schenkt’. Und bei den Bnei Jisrael wird seine Familie “das Haus, in dem der Schuh ausgezogen wurde” genannt werden.”

Der Zohar erklärt, dass der Tod eines Menschen nicht bedeutet, dass seine Verbindung mit dem Irdischen unterbrochen ist. Diese Verbindung setzt sich durch seine Kinder fort. Wenn ein Mensch kinderlos stirbt, bleibt sein Auftrag unvollendet. 

Um eine solche Tragödie zu verhindern und die Verbindung zwischen dem Verstorbenen und dem Irdischen aufrechtzuerhalten, befahl G’tt, dass die Witwe den Bruder ihres verstorbenen Mannes heiratet, um mit ihm Kinder zu zeugen. Das Kind aus dieser Schwager-Ehe erhält dann die Seele des Verstorbenen, damit seine Lebensaufgabe erfüllt wird.

Chalitsa, das Verfahren zum Ausziehen der Schuhe

Die Schwagerehe ist in Sephardischen Kreisen noch üblich, nicht aber in der Aschkenasischen Gemeinschaft. Dies wird bei uns sofort durch Chalitsa, das Verfahren zum Ausziehen der Schuhe entbunden. Das Standardverfahren ist wie folgt.

(Einige Hebräische Wörter: jibum = Schwagerehe, javam = Schwager, jevama = Schwägerin, chalitsa = Scheidung durch das Entfernen eines speziellen chalitsa-Schuhs vom Fuß des javam durch die jevama).

REIHENFOLGE DER CHALITSA

Vorbereitungen für den Tag des Chalitsa

Der Vorsitzende des Beit Din, des Jüdischen Gerichts, fragt nach den Hebräischen Namen des Verstorbenen, dem Javam und der Jevama; dann vergewissert er sich des Folgenden:

1. dass der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes keine Nachkommen hatte;

2. dass die Jevama zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger war; (falls doch, muss der Fall weiter untersucht werden).

3. dass seit dem Todestag des Ehemannes bereits 92 Tage vergangen sind;

4. dass der Javam der Bruder des Verstorbenen ist und von einem Vater abstammt;

5. dass er der älteste der lebenden Brüder ist;

6. dass er nicht nach dem Tod des Verstorbenen geboren wurde;

7. dass er für das Jibum nicht ungeeignet ist, weder durch Blutsverwandtschaft noch durch körperliche Gebrechen;

8. Wenn sich herausstellt, dass er nicht der Älteste ist (siehe: 5.), dann muss die Ursache für sein Nichterscheinen untersucht werden, nämlich ob eines der oben genannten Hindernisse (siehe 7.) oder Unwilligkeit oder Abwesenheit die Ursache ist;

9. ob die Jevama zum ersten oder zum zweiten Mal Witwe geworden ist, und, wenn letzteres der Fall ist, auf welche Weise die beiden Männer gestorben sind.

Dem Javam wird die Bedeutung der Chalitsa vorher erklärt. Der Schuh wird ihm angepasst; man überzeugt sich, dass er kein Linkshänder ist. Er wird gebeten, darauf zu achten, dass er am Tag der Chalitsa, bevor er zum Rabbinat kommt, seinen rechten Fuß und sein rechtes Bein wäscht, wenn er nicht Linkshänder ist. Er sollte auch die Worte “lo chafatsti lekachta – ich will sie nicht heiraten” sagen.

Vorbereitung für das Chalitsa

Der Vorsitzende des Beit Din übergibt den Schuh als Geschenk an den Javam, der ihn dann 30 Zentimeter hoch über den Boden hebt.

Das Beit Din bittet den Javam, nachdem er den Schuh angezogen hat, zwei Meter zu gehen, um sicherzustellen, dass der Schuh ihm passt und dass er kein Linkshänder ist. Die Jevama, der Javam und die Zeugen stellen sich vor das Beit Din.

Vorsitzender zu der Jevama: Bücken Sie sich, um den Schuh zu lockern. Achten Sie darauf, nicht zu knien.

Vorsitzender zu der Jevama: Lösen Sie jetzt den Schuh mit der rechten Hand. Ihr Schwager darf Ihnen nicht helfen, weder mit der Hand noch mit dem Fuß. Lösen Sie den Schuh, zuerst die Knöpfe der Riemen, dann die großen Riemen, dann die Schlaufen, die Schlaufen wie folgt: zuerst die untere, dann die mittlere, dann die obere, alles allein mit der rechten Hand.

Fassen Sie dann das Bein von hinten mit der linken Hand und heben Sie es vom Boden ab. Ziehen Sie dann mit der rechten Hand, ohne dass die linke Hand hilft, den Schuh von hinten aus. Lassen Sie den Schuh dann auf den Boden fallen, heben Sie ihn wieder hoch und werfen Sie ihn weit von sich weg.

Vorsitzender zu der Jevama: Sammle jetzt viel Speichel in Deinem Mund.

Vorsitzender zu der Jevama:

Jetzt spucken. (Sie spuckt).

Vorsitzender zu der Jevama:

Sprechen Sie mir die folgenden Worte nach:

“Kacha je’ase laiesch ascher lo jivne et bet achiv – so wird mit dem Mann verfahren, der das Haus seines Bruders nicht aufbauen will”.

`Beet chaluts hana’al, beet chaluts hana’al’

Die Anwesenden rufen aus: Beet chaluts hana’al, beet chaluts hana’al’.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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