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Eine gehörige Warnung in der poetischen Form – Parascha Haasinu

Eine gehörige Warnung in der poetischen Form
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Parascha Haasinu (Dewarim/Deuteronomium 32:1-52)

Ha’asinu ist sehr kurz. Es hat nur 52 Sätze. Der größte Teil der Parascha ist einem Art von Lied oder Gedicht gewidmet, das ohne irgend eigenen Namen anfängt. Alle anderen Gesänge aus dem Tenach (der Bibel) beginnen mit einem eindeutigen Verfasser.
So fängt das Lied vom Meer an mit: “Damals sangen Mosche und die Bnej Jisra’ejl”. Die Einleitungsworte des Liedes der Quelle lauten: “Damals sang das Jüdische Volk”. Mit “Dwora und Barak sangen” beginnt Dwora’s Lied und das Hohelied fängt mit Salomo’s Namen an.

Die anderen Lieder sind Dankeslieder für Wunder, die G”tt für das Jüdische Volk vollbrachte, oder ein Lied zwischen G”tt und Seinem Volk.



Kein Dankeslied


Ha’asinu ist eher eine ziemlich pessimistische Zukunftsvision. Es ist kein Dankeslied. Darin wird nicht gejubelt, es ist eher eine gehörige Warnung in der poetischen Form.

Obwohl Ha’asinu ein Lied über Sünden, Strafe und Verbannung für das Jüdische Volk zu sein scheint, erklärt der Erläuterer Malbim aus dem neunzehnten Jahrhundert dieses Lied als einen “reminder” für G”tt selbst. G”tt bestätigt in der Thora, dass ER weiß, dass wir früher oder später der Sünde anheimfallen werden. Dieses beweist Hoffnung. G”tt kannte unseren Charakter von Anfang an. ER wusste, dass Verfehlungen unvermeidlich sein würden.


Aber es gibt ein Gegenmittel gegen das Böse.  Dieses heißt Teschuwa: zur Einkehr gelangen, die schlechte Vergangenheit ablegen und mit einer sauberen Gesinnung und frischen Mut die Zukunft besser gestalten. Das wird die letztendliche Erlösung bringen. Aber wie arbeitet, wie wirkt Teschuwa?



Eine neue Motivation an Stelle der alten

Der Spanische Philosoph Josef Albo (1380-1444) hat zu dieser Frage eine originelle Antwort. Jeder, der Fehler macht, wird von einer bestimmten Motivation dazu gedrängt. Du kannst aus Eifersucht oder aus Habsucht stehlen, um Dein Leben zu retten, oder altruistisch: um das Leben eines Anderen zu retten.

Eine richtige Motivation mildert das Böse, das angerichtet wird. Wenn Du wirklich eine tiefe innere Reue empfindest, tritt die neue Motivation an die Stelle der alten Gründe, die Dich bewegten. Aber wie kann das Reuen von jetzt, über die Zeitbarriere hinweg, zur Vergangenheit geschafft werden?

Zeit überschreitend

G”tt hat zwei bekannte Namen: Elokim und den Namen mit den 4 Buchstaben (den wir nicht aussprechen dürfen).

·      Elokim ist G”tt, wie ER die Welt beeinflusst und führt.

·      Der Name mit den 4 Buchstaben besteht aus drei Worten, die in einem einzigen Namen komprimiert sind: ER war, ER ist und ER wird sein.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen bei G”tt ineinander, werden EINS. Wenn wir uns – mittels der Thora – mit diesem die Zeit überschreitenden Aspekt von G”tt befassen und uns hier einbringen, dürfen wir tatsächlich hoffen, dass G”tt die bösen Absichten von damals durch unsere guten Absichten der Gegenwart ersetzen wird.

Den Schaden selbst können wir vielleicht nicht mehr beheben, aber unsere guten Absichten von jetzt können wohl eine Hoffnung entstehen lassen.

Dieses macht einen großen Unterschied aus.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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