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Geburtstag im Judentum

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Geburtstag im Judentum

„…aber leider hat man nur einmal im Jahr Geburtstag“, lautet der bekannte Refrain des Geburtstagliedes von Krokodil Gena aus dem sowjetischen Kultfilm Cheburaschka (1971) aus der Feder des russischen Schriftstellers Eduard Uspenski (1937-2018). 

Ob jung oder alt, Menschen jedes Alters feiern jährlich ihren Geburtstag und erinnern (sich) mit Kuchen, Kerzen und Geschenken an den Tag, an welchem sie das Licht dieser Welt erblickten.

Im Kindesalter sind es meist große und aufwendige Partys, welche mit der Zeit immer kleiner und bescheidener werden, aber nur selten findet man Menschen, welche bereit wären, vollkommen darauf zu verzichten. Viele Menschen verspüren an diesem Tag eine besondere Energie, welche sich nur schwer beschreiben lässt und es gibt sogar einen alten Brauch, dass das „Geburtstagskind“ an diesem Tag Segensprüche an Familie und Freunde verteilt.  

Der einzige Geburtstag (als Feier), welcher explizit in der Tora erwähnt wird, ist der von Pharao (siehe Bereschit Kap. 40, Vers 20) und es ist offensichtlich, dass es schon damals, zumindest in der ägyptischen Kultur, als Anlass zur Freude betrachtet wurde. 

Im Jerusalemer Talmud (Rosch HaSchana 3:8) lehren die Weisen des Heiligen Landes, dass man am Tag der Geburt besonderes Glück und übernatürlichen Schutz hat und so schreibt Rabbi Zadok HaCohen Rabinowitz (1823-1900, jüdischer Philosoph und Kabbalist) in seinen Schriften (Divrei Chalomot Kap.20): „Denn an dem Tag, an welchem der Mensch geboren wurde, steht er an der Spitze seiner Macht und er hat sich an diesem Tag vor nichts zu fürchten“. 

Aus diesem Grund wählten die Amalekiter für den Kampf gegen das jüdische Volk (siehe Schmot Kap.17, Vers 8-16) nur diejenigen Krieger aus, welche an diesem Tag Geburtstag hatten, in der Hoffnung, dass sie dadurch das jüdische Volk besiegen können. In der Tat brauchte das jüdische Volk besonderen G´ttlichen Beistand, um diese Armee von amalekitischen „Geburtstagskindern“ zu besiegen. 

Obwohl der Geburtstag offensichtlich ein besonderer und außerordentlicher Tag ist, dennoch sind die Meinungen der jüdischen Gelehrten bezüglich des Feiern des Geburtstages gespalten und der Grund für diese Meinungsverschiedenheit ist eine Passage aus dem Talmud:

Der Talmud (Eiruvin 13b) beschäftigt sich mit der philosophischen Frage, ob es für den Menschen gut ist, geboren zu werden oder nicht. Einerseits wird dem Menschen dadurch die Möglichkeit gegeben, Gutes zu tun und seinen Aufenthalt auf dieser Welt dafür zu verwenden, um aus unserem Planeten einen besseren Ort zu machen, andererseits ist es eine Welt der Versuchungen und nur die Wenigsten schaffen es, diese Welt rein und makellos zu verlassen. 

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Es folgt eine Diskussion zwischen den Weisen des Talmuds und jeder versucht seinen Standpunkt zu beweisen. Letztendlich wird entschieden, dass es für den Menschen besser wäre, nicht geboren zu werden, weil die Wahrscheinlichkeit ein vollkommener Gerechter zu werden niedriger ist, als ein durchschnittlicher Mensch mit Sünden. 

Aus diesem Grund gibt es viele jüdische Gelehrten (Rabbi Yekutiel Yehuda Halberstam, 1904-1994 Rebbe von Klausenburg; Rabbi Eliyahu David Rabinowitz Teumim, 1843-1905; Rabbi Chaim Eliezer Schapiro, 1871-1937 Rebbe von Munkatsch) welche der Meinung sind, dass Geburtstag kein feierlicher Anlass ist und nicht umsonst wird dieses Konzept in der Tora nur im Zusammenhang mit Pharao erwähnt.

Jedoch gibt es auch zahlreiche jüdische Gelehrten (unter ihnen Rabbi Yosef Chaim aus Bagdad, 1835-1909 Autor des Werkes Ben Ish Chai), welche den Geburtstag als feierlichen Anlass betrachten und im halachischen Werk Ginzei Yosef (Rabbi Yosef Schwarz, 1875-1944) wird der Brauch gebracht, am Geburtstag den Segenspruch “Schehechejanu” auf eine neue Frucht oder ein neues Kleidungsstück zu sprechen, um G´tt nebenbei auch für das vergangene Jahr zu danken.

Das Argument der Ersteren scheint sie nicht zu überzeugen, denn im Talmud wird nur theoretisch darüber diskutiert, was wahrscheinlicher ist, dass der Mensch ein sinnvolles und rechtschaffenes Leben führt oder sündigt und sein Leben verschwendet, aber diese philosophische Frage sollte den Menschen, welcher schon geboren wurde, nicht daran hindern, G´tt für das geschenkte Jahr am Tag seiner Geburt zu danken.

Jedoch ist auch diese Meinung damit einverstanden, dass der Geburtstag nicht nur gefeiert, sondern auch dafür genutzt werden soll, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken und Schlussfolgerung daraus zu ziehen. 

Der Chatam Sofer (Rabbi Mosche Sofer, 1762-1839) schreibt, dass der Geburtstag als persönlicher Rosch HaSchana betrachtet werden und man an diesem Tag mit besonderer Andacht beten soll. Genauso wie die Welt am Rosch HaSchana gerichtet wird und das himmlische Gericht entscheidet, ob die gesamte Schöpfung ihre Existenz verdient, so ist es auch mit jedem Menschen am Tage seiner Schöpfung.

Fazit: Wahrlich gibt es Meinungen, dass das Feiern des Geburtstags keine jüdische Tradition ist und es, basierend auf dem Talmud, möglicherweise keinen Anlass zum Feiern des Geburtstags gibt, aber andererseits gibt es auch zahlreiche Meinungen, dass ein wenig Kuchen und Geschenke niemandem schadet und im Gegenteil, wenn man diesen Tag auch dafür nutzt, um G´tt für das vergangene Jahr zu danken und sich Ziele für das neue Jahr basierend auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres setzt, dann wird daraus ein besonders fröhlicher und produktiver Tag.

Quelle: Jüdische Allgemeine

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