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Hat Awraham seine Frau ausgehändigt? – Parascha Wajera

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Awraham sagte über seine Frau Sarah, dass sie seine Schwester sei. Awimelech, der Philisterische König von Gerar, ließ daraufhin Sarah zu ihm bringen. G“tt erschien anschließend Awimelech in einem nächtlichen Traum und sprach zu ihm: „Schau, Du wirst aus dem Grund sterben, da Du eine Frau geschändet hast, während sie mit einem Mann verheiratet war“. Awimelech reklamierte, dass er vollkommen unschuldig sei: „Hat er mir nicht gesagt, sie sei seine Schwester? Und auch sie hatte mir gesagt, dass er ihr Bruder sei. In der Unschuld meines Herzens und mit der Reinheit meiner Hände habe ich das getan“.

Awimelech scheint von G“tt Recht zu bekommen 

*Awimelech scheint von G“tt Recht zu bekommen. War er aber wirklich so unschuldig? Im Talmud (B.T. Makkot 9a) entwickelt sich eine Diskussion über die Frage, ob jemand wirklich unschuldig ist, wenn er etwas macht, von dem er meint, dass es erlaubt sei. Die Diskussion spitzt sich auf jemanden zu, der auf ein Tier schießt, aber es scheint ein Mensch zu sein oder auf jemanden, der mit einer anscheinend unverheirateten Frau zusammen lebt, die jedoch verheiratet zu sein scheint. Hätte der Täter besser erforschen sollen?

*Rawa erklärt für schuldig. Der Täter hätte besser aufpassen sollen. Es sieht so aus, als ob er gerade, also bewusst, so handelt. Rav Chisda spricht den Täter frei: er handelt so, da er sich nicht im Griff hat und ist für das, was geschieht, nicht verantwortlich.

War Awimelech schuldig? 

Der Talmud zitiert: G“tt erschien Awimelech und sagte ihm, dass er wegen der Schändung sterben würde (20:3). Also war er schuldig, wie Rawa das darstellt. Nein, sagt der Talmud, diese Schändung sei nur eine Sünde zwischen Mensch und G“tt. Keine irdische Verfehlung, für die Du durch ein Gericht verurteilt werden könntest. So sprach G“tt zu Awimelech: „ICH habe Dich davon abgehalten, gegen MICH zu sündigen“ (20:6). Awimelech hatte nur gegen G“tt gesündigt, aber keine strafbare Handlung begangen.

Der Talmud sagt, dass dieses doch nicht stimmt. Auch bei Josejf steht geschrieben, dass er nicht gegen G“tt sündigen wollte, als er durch Suleika verführt wurde: „und ich würde gegenüber G“tt sündigen“. Josejf wusste, dass sie mit seinem Chef Potifar verheiratet war. Also ist die Bezeichnung „gegen G“tt sündigen“ kein Freibrief für eine Verurteilung durch einen irdischen Richter.

*Hiernach kommt Awimelech wieder zu Wort: „Möchtest Du, G“tt, mich sterben lassen, obwohl ich gerecht gehandelt habe?“ (20:4). Hatte Awimelech recht? Nein, denn G“tt antwortete ihm: „Gib die verheiratete Frau zurück, denn er ist ein Prophet“. Der Talmud fragt verwundert: „Muss man nur eine Frau eines Propheten zurück geben, aber eine normal verheiratete Frau nicht? Dieses kann doch nicht der Fall sein!“

Die Philister fragten ihn nur nach seiner Beziehung zu Sarah

G“tt gab Awimelech eigentlich zwei Antworten: „Gib die verheiratete Frau zurück, da die Ehe heilig ist. Zudem bist Du nicht ganz unschuldig. Awraham ist ein Prophet und er verstand aus Deinen eigenen Wörtern, was er eventuell zu erwarten hätte. Awraham befürchtete, wegen Sarah getötet zu werden.“. Awraham entnahm das aus einer gebräuchlichen Redeweise bei den Philistern: „Wenn ein Gast irgendwo eintrifft, fragt man ihn, ob er genug zu essen und zu trinken hat. Aber man fragt ihn nicht geradewegs: „Ist dieses Deine Frau oder Deine Schwester“. Die Philister fragten ihn nur nach seiner Beziehung zu Sarah. Da begann es bei Awraham zu klingeln.

*Was der Talmud eigentlich sagen möchte ist, dass Awimelech vielleicht nach dem BUCHSTABEN des Gesetzes wohl genug informiert gewesen sei, jedoch nicht nach dem GEIST des Gesetzes gelebt hatte. Vorsicht und ungutes Gefühl bezüglich der Gewohnheiten gaben Awraham zu denken. Bekanntlich gab es genug Anlass, um sein Leben zu fürchten. Deshalb ließ er die Vermutung zu, dass Sarah seine Schwester sei.

Hat Awraham seine Frau ausgehändigt?

Nachmanides (dreizehntes Jahrhundert) wirft Awraham vor, seine Frau ausgehändigt zu haben, aber laut Raschi (elftes Jahrhundert) sei das nicht so gewesen. Sie hätten zusammen abgesprochen, dass Awraham der Bruder von Sarah sei, aber das würde dann bedeuten können, dass Sarah mit jemandem anderen verheiratet sei, nach dem sie jetzt im Land der Philister auf der Suche seien. Awraham wollte seine Haut nicht auf Kosten der Sarah retten. Er wollte auch sie beschützen. Sonst wäre Awraham nie zum Erzvater geworden.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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