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IN DER HÜTTE ZUR CORONAZEIT

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Wie organisiert man das halachisch korrekt, und wie feiert man unter diesen Bedingungen?

Zu Sukkot:

1.      Sitzen wir in der Sukka und

2.      Schütteln wir den Lulav.

Das Pflanzenbündel Lulav wird erstmals in der Tora erwähnt (Lev. 23:40): “Am ersten Tag sollt ihr eine schöne Baumfrucht (Etrog-Zitrusfrucht), Palmblätter, Myrtenzweige und Bachweidenzweige nehmen”. Das Sitzen in der Sukka steht erst danach geschrieben: “Du sollst sieben Tage in Hütten sitzen” (Lev. 23: 42,43). Wir sind rund um die Uhr in der Sukka, sowohl nachts als auch tagsüber.

Für die Laubhütte gibt die Tora den Grund an: “Denn in Hütten habe ich die Juden wohnen lassen, als ich sie aus dem Land Ägypten herausgebrachte” (ebd.). Laut Rabbi Akiva waren dies echte Hütten. Aber laut Rabbi Eliezer waren diese Sukkot die Wolken der g-ttlichen Führung, die das jüdische Volk in der Wüste beschützten. Besonders in unserer Zeit der Bedrohung durch Corona bekommt dieser Schutz eine scharfe Kante.

Letzte Woche kam ein Chazzan zu mir, der als stellvertretender Kantor in einer kleinen Gemeinde dienen sollte. Die Sukka dort war auch relativ klein, aber viele Leute wollen ihre Mahlzeiten zu Sukkot in der Sukka essen. Von der Regierung gab es verschiedene Vorschriften für die Entfernung zwischen Menschen in dieser Stadt: Draußen muss jeder 10 Quadratmeter freien Raum haben, aber innen muss man nur 5 Quadratmeter freien Raum haben. Eine kleine Rechnung zeigte bald, dass dies in der örtlichen Sukka unmöglich sein würde, selbst wenn Mund- und Nasenschutz aufgesetzt waren. Und hier stellte sich sofort die erste Frage: Kann die Sukka als “innen” betrachtet werden, weil sie vier Wände und auch ein Dach hat – wenn auch aus Schilf und Stängeln – oder sollte ich sie als “außen” betrachten? Zweitens, darf dieser Chazzan gegen die Regierungsregeln verstoßen, damit die Mitzwa in der Sukka zu sitzen und dort zu essen, erfüllt werden kann oder sollte er dieses Jahr wegen Infektionsgefahr auf das Sitzen in der Sukka verzichten?

Ich habe mit mehreren großen Rabbinern aus Israel darüber gesprochen. Rabbi Oscher Weiss von Bne Berak geht davon aus, dass Corona eine lebensbedrohliche Krankheit ist, und zieht daraus seine Schlussfolgerungen: Die Lebensgefahr hebt fast alle anderen Gebote der Tora auf. Der Chazzan muss einen zu engen Kontakt mit den anderen Gemeindemitgliedern vermeiden und auf keinen Fall mit ihnen in der Sukkah sitzen. Bei Lebensgefahr gilt die Hauptregel: Gehen Sie im Zweifelsfall kein Risiko ein! Also muss er die Sukka als “draußen” betrachten und mindestens 10 Quadratmeter freien Raum haben.

Was unser Chazzan tun könnte, ist seine eigene kleine Sukkah zu bauen. Dies muss an einem Ort geschehen, an dem sich das Se´chach, das Laub, unter freiem Himmel befindet, vorläufig vier Wände hat und ein Raum von mindestens 52 mal 52 Zentimetern zur Verfügung steht. Die Laubhütte muss außerdem sturmfest sein. Wir wissen aus Erfahrung, wie schwierig dies in der Praxis zu realisieren ist, da die meisten Balkone nicht direkt unter freiem Himmel stehen. Gerade im Galut (Exil), außerhalb Israels, sind wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Nachahmung des g-ttlichen Schutzes keine einfache Angelegenheit ist.

Man kann versuchen, auf der Straße vor der Tür eine Sukka zu machen, aber dies erfordert die Erlaubnis der Regierung. In Amsterdam haben zwar einige meiner chassidischen Cousins die Erlaubnis dazu erhalten, aber nicht jeder Stadtrat ist gleichermaßen mitfühlend. Vor dem Zweiten Weltkrieg baute eine Familie illegal eine Sukka auf der Straße in Amsterdams jüdischem Viertel. Die nichtjüdischen Nachbarn beschwerten sich bei der Polizei darüber. Der jiddische Agent besuchte die jüdische Familie und befahl, die Sukkah in acht Tagen abzureißen. Das war viel Glück! Sukkot dauert nur acht Tage.

Lulav und Corona

Das Lulav-Pflanzenbündel muss von jedem geschüttelt werden. Normalerweise kauft die Kehilla, die jüdische Gemeinde, die Lulavim und jeder darf sie benutzen. Die Lulavim gehen von Hand zu Hand und das schafft ein Infektionsrisiko. Normalerweise wird dieses Kontaminationsrisiko leicht verhindert, indem die Hände jedes Mal desinfiziert und Handschuhe getragen werden. Aber hier entsteht ein halachisches Problem. Laut Gesetz sollte man den Lulav mit bloßen Händen halten. Alle Fremdkörper zwischen Hand und Lulav werfen ein halachisches Problem auf. Ist es im Notfall zulässig, beim Schütteln von Lulav dünne Plastikhandschuhe zu tragen?

Rabbi Moshe Isserles (1522-1577) hat dieses Problem bereits vorweggenommen: „Man erschwert, Ringe von den Händen entfernt, da dies eine Trennung zwischen der Hand und dem Lulav darstellt, aber streng halachisch gesehen bilden Ringe keine Trennung, solange der Rest der Hand frei ist (Shulchan Aruch 651: 7). Rabbi Shlomo Zalman Auerbach (20. Jahrhundert, Jerusalem) fügt hinzu:

• Wenn die Plastikhandschuhe aus medizinischen Gründen nicht entfernt werden können, kann der Lulav mit Beracha geschüttelt werden.

• Wenn die Handschuhe laut Arzt jedoch nicht medizinisch benötigt werden und wir sie trotzdem tragen möchten, um auf der sicheren Seite zu sein, schütteln wir Lulav ohne Beracha, da dies eigentlich kein gutes Lulav-Schütteln ist.

Es kann ausreichend sein, die Hände jedes Mal gründlich zu desinfizieren, um das Risiko einer Kontamination zu vermeiden.

Bei Rosch Haschana, dem Geburtstag der Schöpfung, geht es darum, was es bedeutet, Mensch unter G‘ttes Souveränität zu sein.

Jom Kippur handelt von meiner einzigartigen Beziehung zu G‘tt: Wie habe ich mich verhalten? Was mache ich mit meinem Leben?

Sukkot erinnert uns daran, was es bedeutet, ein Mitglied des jüdischen Volkes zu sein. Mit Sukkot feiern wir unsere jüdische Geschichte und Zukunft. Was können wir für die Fortsetzung unseres Volkes tun? Macht weiter, trotz allem, trotz Corona.

Rabbi Mosche Schreiber (1762-1839) schrieb vor 190 Jahren, dass das jüdische Jahr 5780 dramatisch sein würde, dass wir aber im Jahr 5781 aus der Asche auferstehen würden. Das Jahr 5782 wird ein hervorragendes Jahr sein! Hoffnung bringt Leben…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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