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Kette antisemitisch motivierter Fälle reißt nicht ab Rede Kippa Demonstration Heinrich Heine Platz Düsseldorf

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Rede Kippa Demonstration

Heinrich Heine Platz Düsseldorf 7 Av 5778/ 19. Juli 2018

Kette antisemitisch motivierter Fälle reißt nicht ab

Antisemitismus in Deutschland in seiner jetzigen Form sei etwas, was man sich vor zehn Jahren in Albträumen nicht habe träumen lassen, sagte Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden noch in April dieses Jahres. Da habe sich offensichtlich eine rote Linie verschoben.

Vor acht Tagen erfuhren wir vom Fall des jüdisch-amerikanischen Professors Melamed der in Bonn nicht nur von einem Palästinenser attackiert worden ist sonder auch von der Polizei, die ihn fälschlicherweise für den Angreifer gehalten hatte.

Die Kette von Berichten über antisemitisch motivierte Inzidenten scheint nicht abzureisen.

Am vorigen Freitagabend attackierte hier in Düsseldorf eine große Gruppe von Männern einen 17-jährigen deutscher Mann, der Israel-Nadel angesteckt hatte und auf dem Kopf eine Kippa trug.

Etwa zehn Männer von «nordafrikanischer oder mediterranen Erscheinung» haben den jungen Mann gestoßen und ihm schmerzhafte Wunden zugefügt. Die Tatverdächtigten waren zwischen 18 und 23 Jahren alt.

Es handelt sich hier um antisemitischer Attacken gegen Juden. Der einzige Grund ist das Jude sein. Inakzeptabel, liebe Freunde.

Geschichtskenner wissen, dass der Holocaust eine Reihe von Verfolgungen im
Europa beendete, die faktisch mit dem Churban HaBajit, der
Verwüstung des Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 nach der Zeitrechnung,
begonnen hatten.

 

Eine endlose Reihe von Pogromen, ab den Ermordungs-Serien
in Rumänien, den Kreuzrittern bis zu den Abschlachtungen unter Bogdan Chmielnitzky (1648).

Sonntag ist es Tischa Be’Av.

An Tisha Be’Av sitzen wir in den Synagogen trauernd auf dem Fussboden und wir fasten.

Unter dem klagenden Absingen von Trauergebeten weinen wir um
alle Opfer, die das Jüdische Volk im Laufe der Jahrhunderte hat bringen müssen.

Wir pflegen uns nicht, rasieren uns nicht, schweigen vor uns hin, um uns nicht durch Getratsche ablenken zu lassen.

Tisha Be’Av ist ein Höhepunkt, die spirituelle Auseinandersetzung mit dem nationalen Trauertag des Jüdischen Volkes. Nicht nur zwei Minuten wird der Stille beachtet. An Tisha Be’Av herrscht
die Stille den ganzen Tag…..

“Nie mehr wieder Auschwitz”.

Auschwitz steht für das Allerschlimmste, das Menschen einander antun können: die Entmenschlichung des Anderen, die systematische Vernichtung einer Gruppe auf der Basis von Rasse, Glaube und Beschaffenheit, von denen im Zweiten Weltkrieg hauptsächlich die Jüdische Bevölkerung das Opfer wurde.

Wir leben heute in einer anderen Zeit, aber Angst vor und Mistrauen gegen den Anderen sind noch nie so gross gewesen. Angst und Mistrauen führen dazu, dass Menschen sich in die eigene Gruppe zurück ziehen, unter Ausschluss der Anderen. Geht der Ausschluss weit genug, entsteht ein entmenschlichtes Bild des Anderen, verschwindet die Sorge um den Anderen aus dem Blickfeld.

Nie mehr Auschwitz bedeutet: jede alltägliche Moral, in der die Sorge um den Anderen ausdrücklich eine Rolle spielt und in der Solidarität sich nicht auf die eigene Gruppe beschränkt. Nie mehr Auschwitz bedeutet: sorge dafür, dass Menschen nicht von ihrer Menschlichkeit entbunden werden können.

Der Antisemitismus in seiner Form, wie wir ihn im Moment erleben, ist etwas, was ich mir vor zehn Jahren in Albträumen nicht habe träumen lassen.

Unser Auftrag ist nicht, uns selber zu verteidigen oder um uns zu rächen.

Wir sind die Generation, die gesehen hat, was Entmenschlichung bedeutet.
Wenn wir daraus nichts lernen, dann erlischt das Licht.

Das Judentum ist G’ttseidank stärker als je zuvor…

Am Jisrael chai,

Od avinu chai,

Am Jisrael chai.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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