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KOWED, EHRE, EHRERBIETUNG UND KAWOD – Teil II – Parascha Emor

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Parascha Emor (Wajikra/Leviticus 21:1 – 24:23)

Vier Bereiche

Menschliche Würde wird nicht als gesonderter Lehr- und Lernbereich eingeordnet. Meistens tritt das Konzept Kewod Haberijot in den Vordergrund, wenn die menschliche Würde droht, in Bedrängnis zu geraten. Kewod Haberijot ist zu wichtig, um diese subjektiven Empfindungen zu überlassen. Kewod Haberijot wird objektiviert, definiert und geregelt und umfasst im Talmud vier Grundbereiche:

-Kleidung,

-Einsamkeit in schwierigen Zeiten,

-Beisetzung/Beerdigung und

-Hygiene.

Die Kleidung ist eine Äußerung menschlicher Würde. Adam und Eva schämten sich im Paradies und erhielten Kleidung.

Wenn der Talmud (B.T. Schabbat 113a) vermerkt, dass die Kleidung an Schabbat besser und schöner sein sollte als die Kleidung während des Restes der Woche, wird dieses mit dem Begriff Kawod begründet (vergleiche Jesaja 58:13).

Kewod Hamakom

Wenn die menschliche Würde in die Entweihung des G“ttlichen Namens umschlägt, ist das Limit von Kewod Haberijot erreicht. Das gesamte Universum wurde erschaffen, um der Ehre des Schöpfers zu dienen: „alles, was G“tt in Seiner Welt erschaffen hat, hat ER nur für/zu SEINER eigenen Ehre erschaffen“.

„Es gibt keine Weisheit, noch weder Einblick oder Rat G“tt gegenüber“ (Sprüche 21:30). Wenn es eine Situation gibt, die zu Chillul haSchem (Entweihung des G“ttlichen Namen) führt, nehmen wir auf menschliche Empfindungen keine Rücksicht, selbst dann nicht, wenn es einen Gelehrten betrifft.

Aber manchmal sind diese zwei Begriffe in Widerspruch und der Mensch hat sein Haupt vor dem Allmächtigen zu beugen. Es ist die Rede von der Entweihung des G“ttlichen Namens – Chillul haSchem – wenn der Mensch mehr Ehre Erbringung erhält als G“tt.

Die Quellen

Wo kommt das gesamte Konzept von Kewod Haberijot her? Was sind die Thora- oder ethische Quellen hiervon?

Die Thora verbietet, die sterbliche Überreste eines aufgehängten Kriminellen unbeerdigt über Nacht verbleiben zu lassen (Dewarim/Deut. 21:22-23). Es wird als einen ernsthaften Einschnitt in die menschliche Würde betrachtet, einen Toten unbegraben zu lassen.

Nachmanides vermerkt als Kommentar, dass der Tod durch Aufhängen besonders erniedrigend und verächtlich sei und „das Heilige Land verunreinigt“. Obwohl der Galgen auf den potenziellen Kriminellen eine abschreckende Wirkung ausüben könnte und der Verurteilte ein Krimineller sei oder war, gilt auch hier das Prinzip von Kewod Haberijot: die Erniedrigung des Menschen oder der menschlichen Art sollte so viel wie möglich verringert werden.

einen anderen zu Recht weisen

Eine andere mögliche Quelle ist das Verbot, andere öffentlich der Schande auszusetzen. „Woher wissen wir, dass man einen anderen zu Recht weisen sollte, wenn er eine Verfehlung begeht? Da es geschrieben steht „Du wirst ihn sicherlich zu Recht weisen“ (Lev. 19:17). „Dürfte ich ihn auch zu Recht weisen, wenn er dadurch beschämt würde?“ Deshalb schreibt die Thora vor „aber lade Dir wegen ihn keine Sünde auf Dich“ (B.T. Erechin 16b, vergleiche Maimonides Hilchot de’ot 6:8).

Tzeddaka, Wohltätigkeit, wird auch wohl als Quelle des Prinzips von Kewod Haberijot betrachtet.

Vier oder fünf Mal

Rabbi Jochanan ben Sakkai (erstes Jahrhundert) sieht in einer Busseregelung (sprich langes U) in der Thora eine eindeutige Quelle für Kewod Haberijot. Rabbi Bachja ibn Pakuda (13. Jahrhundert, Spanien) ist das mit ihm einig. Wenn man einen Ochsen oder ein Schaf stiehlt und sie schlachtet oder verkauft, hat man dem Besitzer fünf Ochsen oder vier Schafe zurückzubezahlen, so die Thora (Schemot/Exodus 21:37). Bei Diebstahl zahlt man normalerweise das Doppelte des gestohlenen Wertes zurück (Schemot/Exodus 22:3).

zwischen dem Diebstahl eines Ochsen und dem eines Schafes

Weshalb wird zwischen dem Diebstahl eines Ochsen und dem eines Schafes ein Unterschied gemacht? Rabbi Meir sieht dieses als Quelle für den großen Wert, den die Thora der Arbeit widmet. Während der Entwendung kann der Ochse nicht für die Arbeit auf dem Feld eingesetzt werden. Deshalb erhält der Dieb eine hohe Strafe. Für ein Schaf bezahlt man weniger, da dieses überwiegend keine Arbeit leistet.

Schäflein auf den Schultern

Aber Rabbi Jochanan ben Sakkai betrachtet den Hintergrund dieses Unterschiedes durch eine andere Brille: diese Anweisung zeigt uns die Wichtigkeit von Kewod Haberijot! Der Ochse läuft während des Stehlens mit dem Dieb mit und erzeugt ihm keine Schande. Aber beim Stehlen eines Schäfleins trägt man dieses auf den Schultern, was ziemlich erniedrigend sei. Deshalb wird die Strafe für den Diebstahl von Schafen einigermaßen ermäßigt (B.T. Bawa Kamma 79b). Kewod Haberijot gilt für alle Menschen, auch für Kriminelle…

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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