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Die Zählung ist eine Äusserung von Liebe – PARASCHA BAMIDBAR

Die Zählung ist eine Äusserung von Liebe - PARASCHA BAMIDBAR
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Die Zählung ist eine Äusserung von Liebe

Nachdem der Mischkan – der Tabernakel – errichtet war, erhielt Mosche Rabbejnu wieder die Anweisung, das Jüdische Volk zu zählen. Zählen ist eine Äußerung von Liebe.

Raschi beginnt seinen Kommentar zu jedem der Fünf Bücher der Thora mit einem Midrasch, der die Liebe G“ttes für Volk und Land bekräftigt.

*Im ersten Buch der Thora, Bereschit, zeigt G“tt im ersten Abschnitt bereits, wie ER das Jüdische Volk und das Land Israel lieb hat.

*Im zweiten Buch der Thora, Schemot, zeigt ER Seine Liebe für das Jüdische Volk durch den Exodus (den Auszug aus Ägypten).

*In Wajikra, dem dritten Buch, zeigt G“tt Seine Liebe zur Prophetie, also zur Vorhersage. Viele Juden waren Propheten.

*Im fünften Buch der Thora, Dewarim, zeigt G“tt Seine feine und sympathische Art, wie zu ermahnen und zu warnen.

*Und am Anfang des VIERTEN Thora-Buches Bamidbar zeigt ER Seine Liebe mit der Tatsache, dass sie alle einzeln gezählt werden.

Laut Raschi (tausendvierzig bis tausendeinhundertfünf) war diese Zählung eine Äußerung von Liebe:

*Als die Juden aus Ägypten aus zogen, hat ER sie gezählt.

*Als sie durch das goldene Kalb gefallen waren, hat ER sie gezählt und

*jetzt, da ER Seine Schechina (Seine G“ttliche Majestät) auf sie oder ihnen ruhen lassen möchte, zählt ER sie wieder.

Aus Liebe zum Jüdischen Volk zählt ER sie jeden Augenblick. Die Juden werden mit den Sternen verglichen, die mit der Zahl hervor gerufen werden und mit Zahl und Name wieder hinein gerufen werden. So, wie es geschrieben steht: „G“tt bringt ihr Lager (oder auch Armee) mit der Zahl zur Ansicht nach vorne; jeden ruft ER beim Namen“.

Armeen von Sternen gegenüber Armeen von Menschen

Was ist so Besonderes an der Armee von Sternen? Bei einer irdischen Armee ist es so, dass die großen Generäle namentlich bekannt sind. Der einfache Soldat hat nur eine Nummer, aber keinen Namen. Er wird durch eine Nummer identifiziert und identifiziert sich mit dieser. Soldaten sind als Einzelpersonen uninteressant. Nur gemeinsam ergeben sie etwas. Deshalb werden sie mit einer Nummer aufgerufen, da ihre gesamte Bedeutung ihre große Anzahl ist. Die Generäle müssen die Interessenslage analysieren, die Kriegstaktik bestimmen und planen alle Aktionen. Sie sind von großer Bedeutung und unverzichtbar. Deshalb werden sie mit Namen genannt.

Obwohl man in Europa im Mittelalter meinte, es gäbe nur zwei oder drei Tausend Sterne (da man mit bloßem Auge nicht mehr wahrnehmen konnte), besagt der Talmud, dass es mindestens viele Billionen Sterne existieren.

Eine gänzlich eigene, einzigartige Welt

Es gibt unzählbar viele Sterne. Jeder Stern hat eine Nummer. Sterne sind viele Male größer als die Erde. Jeder Stern ist eine Welt für sich. Deshalb steht einerseits: G“tt führt die Armee der Sterne mit Zahlen an, aber andererseits dass ER sie mit ihrem Namen nennt.

G“tt verspricht den Erzvätern, dass das Jüdische Volk so zahlreich wie die Sterne am Himmel sein würde. Das soll heißen, dass sie sich wie Sterne vermehren sollten. Trotzdem sollte jede Einzelperson ihre eigene einzigartige Persönlichkeit behalten. Jeder ist wie ein Stern am Himmel. „Eine ganz eigene, einzigartige Welt“, sagt Rabbi Elchanan Wassermann.

Weshalb sollten wir das wissen? Um unsere Aufgabe auf Erden besser erfüllen zu können. In der Mischna steht (Sanhedrin 4): „Wie warnen wir Zeugen, dass sie keine falschen oder verkehrte Aussagen machen?“.

Woher wissen wir, dass sie nicht bereit wären, jemanden zum Tode verurteilen zu lassen, da sie ihn hassen? Vielleicht sind die Zeugen noch viel schlimmer als derjenige, den sie verurteilen lassen wollen. Wie kann man sich sicher sein, dass sie keine Falschaussage machen und ein wahres Zeugnis ablegen?

Die gesamte Welt ist für mich erschaffen worden

EINE psychologische Stimulanz ist, sie darauf hin zu weisen, dass jeder Mensch individuelle Fähigkeiten hat, die niemand anders mit ihm teilt. Jedes Individuum ist einzig geschaffen worden. Selbst so einzigartig, dass man eigentlich verpflichtet wäre, tagtäglich aus zu rufen: „Die gesamte Welt ist für mich erschaffen worden“.

Keinen Hochmut

Dieses ist kein Hochmut. Dieses betont nur, wie wertvoll jeder Einzelne ist: „Lasse den Menschen zu sich selber sagen: ich bin so wichtig wie eine vollständige Welt. Ich werde mich von kleingeistigem Gewinnbestreben nicht verleiten lassen, um falsch aus zu sagen“. Mit diesem Verständnis wird man schlechte Absichten ausschließen und an Tikun Olam, an der Verbesserung der Welt, mitarbeiten. Wenn ein potentieller Mörder dieses realisiert, wird er seine bösen Absichten sofort fallen lassen. Du kannst eine anderen erst lieben, wenn Du Dich selber liebst.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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