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An den Ecken der Kleidung – Parascha Schlach Lecha

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Zizit – Die Schaufäden – Teil II

An den Ecken der Kleidung

Raschi bringt noch eine Erklärung für die Tatsache, dass die Zizit an den Ecken der Kleidung befestigt werden müssen. “Auf den Flügeln (Ecken) ihrer Kleidung” stimmt mit der Aussage beim Auszug aus Ägypten überein: “Und ICH habe Euch auf Adlerflügeln getragen” (Schmot 19:4).

(Kleine Anekdote: es geht um die Falaschen, also um die Juden aus Äthiopien: mein leider schon verstorbener guter Bekannter aus Köln, Micha Feldmann sel. A., wurde von den Falaschen als ihren “König” verehrt. Er hatte die beiden großen Alijoth dieser Menschen organisiert, ihre Sprache gelernt und sie “auf Adlers Schwingen” mit israelischen Flugzeugen herausgeholt. Die Thora hatte ihnen prophezeit, sie würden “auf Adlers Schwingen” ins Heilige Land zurück kehren. Als religiös geschulter Mensch wandte Micha dieses an, die Leute in die Flugzeuge zu bekommen).

Die Zizit müssen an den vier Ecken befestigt werden und nicht an ein Kleidungsstück, dass nur drei Ecken hat und nicht an EINS, dass fünf Ecken hat, da die vier Ecken mit den vier Aussagen über die Erlösung überein stimmen, die beim Exodus verwendet werden:

·      “Und ICH werde weg führen,

·      ICH werde retten,

·      ICH werde erlösen und

·      ICH werde nehmen”.

Der himmelblaue Faden, beschreibt Raschi, bezieht sich auf den Tod der Erstgeborenen. Die Chaldesische Übersetzung von “Kinder verlieren ist tichla”, was dem Wort Techelet (himmelblau) ähnelt. Das Unglück mit den Erstgeborenen geschah nachts; deshalb ähnelt die Farbe von Techelet dem Himmel, der gegen Abend schwarz wird.

Die acht Fäden, die an jeder Ecke hängen, beziehen sich auf die acht Tage, die das Jüdische Volk verstreichen ließ, nachdem es aus Ägypten weg gezogen war, bevor es ein Lied am Schilfmeer sang.

Die Verbindung oder der Bezug zwischen dem Exodus und den Zizit

Die Frage, die Raschi in allen seinen Erklärungen beschäftigt, lautet, weshalb der Auszug aus Ägypten extra oder besonders bei den Zizit vermerkt wird. Es stimmt tatsächlich, dass das Sehen der Zizit zur Umsetzung aller Gebote führen kann, aber die Zizit an für sich sind nur EINE Mitzwa.

Auch in seiner zweiten Erklärung (über den Missbrauch mit dem blauen Farbstoff) wird wohl zwischen den Zizit und dem Auszug aus Ägypten eine direkte Verbindung erstellt, aber im Vers wird lediglich über  den Auszug selber gesprochen, während die Plage der Erstgeborenen die tatsächliche Ursache des Auszuges aus Ägypten war.

Außerdem ist der himmelblaue Faden, der in den übrigen, weißen Zizit verwendet werden soll, auch nur EIN Bestandteil der Zizit.

Da beide einfache Erklärungen schwer in ein Ganzes ein zu ordnen sind, greift Raschi auf die Midraschwerke von Rabbi Mosche Haddarschan zurück.

Da die Zizit, genauso wie der Schabbat und der Götzendienst, gegen alle Thoragebote auf wiegen, ist es nicht mehr so schwer zu verstehen, weshalb gerade ausdrücklich bei den Zizit geschrieben steht: “Unter dieser Bedingung habe ICH Euch aus Ägypten befreit, auf dass Ihr MEINE Anweisungen befolgen sollt”. Jedoch bleibt die Frage, weshalb der Auszug aus Ägypten nicht beim Verbot des Götzendienstes oder beim Gebot, den Schabbat ein zu halten, vermerkt steht.

alle Einzelheiten mit allen Ereignissen beim Auszug

In seiner letzten Antwort aus dem Midrasch erklärt Raschi, dass alle Einzelheiten der Schaufäden mit allen Ereignissen beim Auszug aus Ägypten überein stimmen oder  ihnen entsprechen. Die vier Ecken stehen den vier Aussprüchen von Befreiung gegenüber. Die Art des Auszugs war auf Adlerschwingen und der himmelblaue Faden bezieht sich auf viele Einzelheiten der Plage der Erstgeborenen, die in der Tat der letzte Schritt in Richtung der Befreiung war.

 

Die Farbe mit dem Zeitpunkt der Plage

Die Farbe deutet auf den Zeitpunkt der Plage, wie diese hier auf Erden erfolgte. Aber Raschi achtete auch auf die Entscheidung im Himmel. G”tt entschied, die Juden zu befreien durch die Verdienste des Blutes bei der Beschneidung und das des Pessachopfers. Dieses letztere erfolgte nachmittags vor dem Abend der Zehnten Plage. Das Wort “himmelblau” im Hebräischen verweist auf die Tötung der Kinder, während die Farbe von himmelblau auf den Himmel deutet, etwa um die Dämmerung.

Hinweis über was sich im Himmel abspielte

Weshalb hielt Raschi es für notwendig, bei den Zizit einen Hinweis zu finden, über was sich im Himmel abspielte? Das Wort “petil” – Draht, verweist auf etwas, was von oben nach unten hängt. Deshalb fand Raschi es für erforderlich, einen Hinweis zwischen dem Himmlischen und dem irdischen Geschehen zu finden. Alle irdischen Vorgänge werden zuerst Oben gut geheißen. Im Grunde genommen fand die Teilung des Schilfmeeres am siebten Tag nach dem Auszug aus Ägypten statt. Raschi jedoch spricht über acht Tage. Dieses kommt daher, da Raschi bereits ab dem allerersten Anfang zählt, ab dem vierzehnten Nissan, bis zum letzten Stückchen der Befreiung, der Teilung am Ufer des Schilfmeeres.

 

Erst dann war Israel wirklich befreit und man sah auch das Ende Ägyptens am Ufer des Meeres. Mit allen diesen Einzelheiten stellt Raschi deutlich klar, dass die Mitzwa der Zizit das gesamte Geschehen des Auszugs aus Ägypten umspannt. Daher ist es logisch, dass der Auszug aus Ägypten bei den Vorschriften der Schaufäden vermerkt ist (Zizit).

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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