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Tzizit – Die Schaufäden I – Parascha Schlach Lecha

Tzizit - Die Schaufäden I - Parascha Schlach Lecha
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Tzizit – Die Schaufäden I

“Rede zu den Kindern  Jisrael und sagen Ihnen, sie  sollen sich Zizit (Schaufäden) an die Ecken ihrer Kleider machen für alle ihre Generationen, und sie sollen an die Zizit der Ecke einen Faden himmleblauer Wolle geben” (Bamidbar 15:38).

Raschi erklärt, dass das Wort “Zizit” nach den Fäden benannt wurde, die wie “Haarlocken” von den Ecken der Kleidung hinunter hängen. In einer zweiten Erklärung erwähnt er, dass Zizit Schau- oder sichtbare Fäden bedeutet, dass vom Wort “Tzitz”, Sehen, kommt. Der himmelblaue Faden soll von der blauen Farbe der Schnecke Chalazon gemacht werden, die in der Adria lebt.

“Es sei Euch zu Zizit, damit Ihr sie sehet un Euch an alle Gebote des Ewigen erinnert und sie erfüllt, ubd späht nicht nach Euerem Herzen und Eueren Augen, denen nachfolgend Ihr MIR untreu werdet”.

Laut Raschi ist der Zahlenwert des Wortes Zizit die Zahl sechshundert. Die acht Fäden und die fünf Knoten ergeben zusammen mit dem Zahlenwert sechshundertunddreizehn, so dass durch das Schauen zu den Zizit an alle sechshundertunddreizehn Ge-und Verbote erinnert wird.

Wir sollen nicht unserem Herzen und unseren Augen nachspähen. Die Thora verwendet hierzu den Begriff “Ihr sollt nicht nachspähen”, was auch als “nicht befolgen” verdeutlicht werden könnte. Das Herz und die Augen sind die “Verführer” des Körpers, da sie den Menschen zu Fehlverhalten anstiften. Das Auge sieht, das Herz begehrt und der Körper begeht das Fehlverhalten, so Raschi.

“Ich bin der Ewige, Euer G”tt, der ICH Euch aus dem Land Ägypten geführt habe, um Euch zum G”tt zu sein, ICH bin der Ewige, Euer G”tt” (4. Buch Moses 15, 37-41).

Raschi besagt, dass sie Doppelung des Namen G”ttes in diesem Vers bedeutet, dass G”tt zuverlässig im Erweisen von Belohnung und auch zuverlässig im Bestrafen ist. Darüber hinaus deutet dieser Vers an, dass G”tt uns aus Ägypten unter der Bedingung hinaus geführt hat, dass wir SEINE Anordnungen akzeptieren oder folgen würden.

Weshalb wird am Ende des Satzes – zum dritten Mal – nochmals vermeldet: “ICH bin der Ewige, Euer G”tt”? Die Antwort von Raschi lautet: “Damit Ihr nicht sagen sollt: “Weshalb hat G”tt diese Anweisung erteilt? Ist es nicht, damit wir die Mitzwa (das Gebot) der Zizit erfüllen sollen und für die Umsetzung dieser Mitzwa belohnt werden sollen? Lasse uns das nicht machen, wir legen keinen Wert auf die Belohnung! Deshalb steht da noch mal “ICH bin der Ewige, Euer G”tt”. Trotz allem bleibe ICH Euer König. Mit starker Hand und ausgestrecktem Arm werde ICH über Euch regieren.

Hiernach bringt Raschi noch eine zweite Erklärung. “Weshalb wird bei den Zizit über den Auszug aus Ägypten gesprochen? Um es jedem klar zu machen, dass G”tt kein religiöses Fehlverhalten, was wir mit dem Wort “Schummeln” umschreiben können, erlaubt: “Ich bin es, der in Ägypten den Unterschied zwischen den Erstgeborenen und den später Geborenen gemacht hat. Auch werde ICH den Unterschied machen und ihn bestrafen, der einen Faden mit einer unechten himmelblauen Farbe an seine Kleidungsstücke befestigt, und sagt: “Dieses ist das vorgeschriebene blau.” Laut dieser zweiten Erklärung würde dieses die Verbindung zwischen dem Auszug aus Ägypten und der Mitzwa (des Gebotes) der Zizit sein.

Die Midrascherklärung von Raschi – eine tiefere Verbindung

Raschi zitiert das Folgende aus dem Werk von Rabbi Mosche Haddarsjan: “Weshalb folgt die Geschichte an Schabbat über den Holzeinsammler auf die Geschichte über Götzendienst? Diese Reihenfolge ergibt sich nicht zufällig. Sie lehrt Sie, dass derjenige, der den Schabbat entweiht (wir halten den Schabbat ein, um die Schöpfung der Welt durch G”tt zu feiern) einem entspricht, der Götzen dient, denn auch Schabbat wiegt gegen alle anderen Gebote auf. So steht auch im Buch Nechemja (9:13-14): “Und vom Berg Sinai stieget IHR hinab und IHR gabet IHREM Volk die Gebote und mit IHREM heiligen Schabbat machtet IHR sie bekannt”. Und der Abschnitt über die Schaufäden folgt deshalb sofort darauf, da dieses Gebot der Zizit gegen alle andere Gebote aufwiegt, so wie es geschrieben steht: “Und Ihr werdet alle MEINE Gebote erfüllen”.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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