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Stammzellen und spirituelle Perfektion – Parascha Achare Mot-Kedoschim

Stammzellen und spirituelle Perfektion - Parascha Achare Mot-Kedoschim
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Acharej Mot Kedoschim steht im Zeichen von Heiligkeit. Was bedeutet Heiligkeit? Heilig kan erhaben, höher stehen als das alltägliche Irdische, bedeuten. Darüber hinaus oder außerdem, deutet heilig auf vollständig und ganz.

in den körperlichen und geistigen Welten parallele Strukturen

Ich gehe von einem parallelen Weltbild aus. Ich glaube an die Psychosomatik. Ich sehe andauernd in den körperlichen und geistigen Welten parallele Strukturen. Die Tora ist damit befasst, den Geist zu bereichern, die medizinische Welt ist mit der (präventiven) Genesung des Körpers befasst. Zusammen sollte es gelingen.

Der Wunsch, die menschliche Gattung zu optimieren

Ist die Körperverbesserung eine Option? Unser Körper ist ja für Vieles anfällig. Also wäre eine Optimierung an zu denken? Der Wunsch, die menschliche Gattung zu optimieren oder zu verbessern ist schon sehr alt und erweckt in Jüdischen Kreisen noch immer Abscheu oder zumindest ernsthafte Bedenken, da die Nazis da nicht, gelinde gesagt, so Juden-freundlich mit umgingen. Der Griechische Philosoph Plato befürwortete bereits, dass nur Menschen mit bestimmten wesentlichen Eigenschaften Kinder bekommen dürften oder sollten.

keine Naturgesetzdoktrin

Wir kennen keine Naturgesetzdoktrin, die ein gegennatürliches operatives Eingreifen verbieten würde. Die jüngsten medizinischen Vorgehensweisen sollten nur entsprechend den juristischen und ethischen Hintergründen der Ge- und Verbote der Tora überprüft und entschieden werden.

Stammzellen

Stammzellen sind der neueste Trend. Aber Ablehnende haben sich schon zu Wort gemeldet: „Heutzutage sprechen wir bereits von Reserveersatzteilen, wenn wir uns über den menschlichen Körper unterhalten (ein Beispiel: Organe für Transplantationen vorhalten oder künstliche Gelenke, Hüften usw.) Bald könnte eine durch die Obrigkeit veranlasste Verpflichtung größeren Ausmaßes erfolgen“. „Vorbeugen ist besser als Genesen“ wird dann zum: „Ersetzen ist preiswerter als Genesen“.

die Optimierung als Verlust unserer eigenen Identität

Schwarzmaler betrachten die Optimierung von Menschen als ein wachsendes gesellschaftliches Unheil. Eine posthumane Spezies betrachten die Untergangspropheten als Verlust unserer eigenen Identität. Aber die Werbung, sprich stetige Beeinflussung, die Wissenschaft und die Obrigkeit drängen uns doch in die Richtung.

Embryonen wurden nicht mehr benötigt

Inzwischen hat es sich als möglich erwiesen, Stammzellen ohne erhöhtes Risiko auf Krebs und ohne menschliche Embryonen als Lieferanten der Grundsubstanzen, zu züchten. Die erste Züchtung von Stammzellen durch den Amerikanischen Entwicklungsbiologen James Thomson, kostete in 1998 noch Embryonen. Später gelang es dem Japaner Yamanaka, eine vielseitige Stammzelle aus einer gewöhnlichen Körperzelle zu züchten. Embryonen wurden nicht mehr benötigt. Das war für unser ethisches Empfinden von Vorteil.

Reserveorgane für Patienten

Stammzellen sind erforderlich, um neue „Reserveorgane“ für Patienten zu züchten. Manchmal geht es um das Testen neuer Medikamente, aber man möchte auch den Herzmuskel oder das Hirngewebe verfestigen/stabilisieren oder anreichern. Es wird noch Jahre dauern, um die neuen Stammzellen aus zu testen, ob diese sich als stabile Zellen bis zu zweihundertundzwanzig unterschiedliche Arten von Gewebetypen entwickeln können, die der Körper benötigt.

Tiere für Versuche weniger erforderlich

Ein Nebenvorteil ist, dass Tiere für Versuche weniger erforderlich werden, da Medikamente auch an losen Gewebetypen getestet werden können. Es ist allen klar, dass noch besonders viele Hürden genommen werden müssen, aber das darf uns nicht daran hindern, schon jetzt ein ethisches Jüdisches Urteil über die Experimente mit Stammzellen ab zu geben.

um Leben zu retten oder um die Qualität des Lebens zu verbessern

„The sky is the limit“. Die Entwicklungen sind nicht zu bremsen. Tora und Talmud stehen da positiv gegenüber. Menschliches Material darf verwendet werden, um Leben zu retten oder um die Qualität des Lebens zu verbessern. Aus Genesis 9:6 leitet Rabbi Jischmaejl (B.T. Sanhedrin 57b) das Abtreibungsverbot ab: „Der, der das Blut eines Menschen in einem Menschen verschüttet, dessen Blut soll verschüttet werden“. Der Wert des Schutzes des Lebens wird hierbei also vom Verbleib in der menschlichen Gebärmutter in Zusammenhang gebracht. Die Stammzellenüberprüfung braucht hier nicht darunter zu fallen. Die Anwendung von Stammzellentechniken ist erlaubt. Die Bibel zeigt uns hierbei deutlich den Weg: „Er wird genesen“(Schemot/Ex. 21:19).

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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