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Warum ist Tschuva (Rückkehr zu G´tt) jetzt so wichtig?

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Im Monat Elul und während der Asseret Yemei Tschuva (10 Tage zwischen Rosch HaSchana und Yom Kippur) dreht sich alles nur um ein einziges Thema: Tschuva (Rückkehr zu G´tt). 

Während des ganzen Jahres ist Tschuva angebracht und erwünscht, aber es scheint, dass es in diesem Tagen von besonderer Wichtigkeit ist. Wer es unterlässt, Tschuva zu machen, scheint ein schreckliches Verbrechen zu begehen und sein Verhältnis zu G`tt zu riskieren. 

Im Talmud (Rosch HaSchana 16b) steht, dass am Rosch HaSchana drei Bücher geöffnet werden: Das Buch der Gerechten, der Sünder und der Mittleren. Die Gerechten werden schon am Rosch HaSchana ins Buch des Lebens eingeschrieben und die Sünder ins Buch des Todes. Die Mittleren „hängen“ in der Luft und es hängt von ihren Taten ab, ob sie ins Buch des Lebens oder des Todes eingeschrieben werden. Der Rambam (Maimonides) und Rabbenu Chanael erklären, dass es davon abhängt, ob man vor Yom Kippur Tschuva macht. 

Der Status des Menschen wird nach der Quantität (und Qualität) seiner Taten bestimmt. Wenn er im vergangenen Jahr mehr gute Taten als Sünden gemacht hat, dann gilt er als Gerechter und wenn seine Sünden überwiegen, dann wird er als Sünder betrachtet. Daraus folgt, dass es sich bei den „Mittleren“ um Menschen handeln muss, welche genauso viele gute Taten, wie auch Sünden haben. 

Wenn dem so ist, dann stellt sich die offensichtliche Frage: Warum muss man unbedingt Tschuva machen, um ins Buch der Gerechten eingeschrieben zu werden, würde es nicht ausreichen eine einzige beliebige gute Tat zu vollbringen und auf diese Weise die Waage auf die gute Seite zu überwiegen? 

Mit dieser Frage beschäftigt sich Rav Yizchak Blaser (1837-1907) und aus seiner Antwort können wir lernen, wie wichtig Tschuva besonders in diesen Tagen ist. 

Diese lässt sich am besten anhand eines Maschals (Parabel) nachvollziehen. Stellen Sie sich eine Gruppe von Häftlingen vor, welche vom König im Gefängnis geworfen wurden und dort auf ihr Urteil warten. Plötzlich passiert etwas Unglaubliches: Infolge eines Erdrutsches stürzt die äußere Wand des Gefängnisses ein und ermöglicht den Insassen die Flucht ins Freie. Alle fliehen, nur ein Häftling bleibt zurück. Die Gefängniswärter kreuzen auf und beginnen den braven Häftling erbarmungslos zu schlagen. Verwundert fragt er sie: „Warum schlägt ihr mich? Ich bin doch der Einzige, der die Gelegenheit zur Flucht nicht genutzt hat!?“

Darauf antworten ihm die Wächter: „Du Narr! Mit deren Flucht haben die anderen Häftlinge gezeigt, dass sie sich vor dem Urteil und der Strafe des Königs fürchten. Du aber hast gezeigt, dass du dich vor dem Urteil des Königs nicht fürchtest und das ist eine Beleidigung für den König!

Während des Monats Elul und zwischen Rosch HaSchana und Yom Kippur wird die Tschuva des Menschen eher akzeptiert, als normalerweise im Laufe des Jahres. Der Mensch bekommt die einmalige Gelegenheit, sich von seinen Sünden zu reinigen und zu G´tt zurückzukehren, egal wie weit er sich von ihm entfernt hat. Wer diese Gelegenheit ungenutzt lässt, zeigt damit, dass er sich vom G´ttlichen Gericht nicht fürchtet und noch schlimmer, dass es ihm sein Verhältnis zu G´tt nicht wichtig ist

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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