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Das Buch des Lebens – Von welchem Leben ist hier die Rede?

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Am Rosch HaSchana wird bekanntlich die ganze Welt von G´tt gerichtet. Im Talmud (Rosch HaSchana 16b) wird beschrieben, wie dieses Verfahren verläuft. So lautet die besagte Stelle im Talmud: 

„Drei Bücher werden am Rosch HaSchana geöffnet, das Buch der vollkommenen Gerechten, der Frevler und der Mittleren. Die vollkommenen Gerechten werden schon am Rosch HaSchana ins Buch des Lebens eingeschrieben und die Frevler ins Buch des Todes. Die Mittleren bleiben hängen bis Yom Kippur, wenn sie Tschuva machen, dann werden sie ins Buch des Lebens eingeschrieben und wenn nicht, dann ins Buch des Todes.“

Jeder, der diese Passage sieht, muss sich wundern und fragen: 

Wir haben noch nie gesehen, dass nach Rosch HaSchana plötzlich alle schlechten Menschen vom Blitz getroffen oder vom Erdboden verschluckt wurden. Die meisten von ihnen bleiben am Leben und führen unbehelligt ihre Tätigkeiten weiter.

Und im Gegenteil, nicht alle Gerechten bleiben am Leben, obwohl sie am Rosch HaSchana ins Buch des Lebens eingeschrieben wurden!?

Was also bedeutet, dass die Sünder ins Buch des Todes eingeschrieben werden und welches Leben wird den Gerechten garantiert?

Zum Ende der Tora steht Mosche, unser großer Lehrer, kurz vor seinem Tod und gibt dem jüdischen Volk seine letzten Anweisungen.

Er offenbart er dem jüdischen Volk, dass ihm die Quellen der Weisheit entnommen und Yehoschua,  seinem künftigen Nachfolger, übergeben wurden (die Kommentatoren erklären, dass dies nötig war, um ihm das Scheiden aus dieser Welt zu erleichtern, nachdem er solch ein hohes spirituelles Niveau erreicht hatte). Obwohl über Mosche geschrieben steht, dass er trotz seines hohen Alters physisch stark und gesund war, sah er keinen Sinn in seinem Leben und war bereit diese Welt zu verlassen, sobald ihm seine Weisheit genommen wurde. 

Daraus lernen wir, dass aus der Sicht der Tora ein Mensch ohne Sinn und Zweck keinen Grund zu leben hat und einem Toten gleicht. Der Mensch fühlt dies ebenfalls und verliert seine Freude am Leben. 

Dadurch lässt sich das Phänomen des 21.Jahrhunderts erklären, warum gesunde, wohlhabende und erfolgreiche Menschen trotz allem unglücklich sind und auf professionelle Hilfe angewiesen sind, denn mit allem Geld und Ruhm der Welt wird man nicht glücklich, wenn man keinen Sinn im Leben erkennt.

Die Bücher, in welche die Menschen an Rosch HaSchana bzw. am Yom Kippur eingeschrieben werden, handeln nicht vom physischen Leben, dass der Mensch atmen und materiell leben wird, sondern vom wahrhaftigen Leben, voller Glück, Freude und Motivation. 

Den Gerechten, welche in das Buch des Lebens eingeschrieben werden, wird garantiert, dass sie ein sinnvolles Leben haben werden, wobei die Frevler eventuell materiell erfolgreich und bekannt sein werden, aber was das schon wert, wenn all dies keine Freude bringt und man zu anderen „Mitteln“ greifen muss, um sich die Realität zu verschönern….

Mögen wir alle ins Buch des wahrhaftigen Lebens, voller Sinn und Freude, eingeschrieben werden!    

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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