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Das Hohelied II

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Weshalb lesen wir Schir Haschirim nur an Schabbat?

 

Wann sind wir im Stande, die spirituelle Nuance von Schir Haschirim auf die richtige Art wert zu schätzen? Das ist in dem Augenblick, in dem wir uns von unseren irdischen Belastungen lösen und eine zusätzliche Neschomme (Seele) erhalten, um uns gerade die erhabenen Gedanken zu eigen zu machen.

 

Der erste Mensch wurde kurz vor Schabbat erschaffen. Nur Adam war eine ausbalancierte Kombination von Körper und Geist. Er wurde auf der Grenze des Überganges von der physischen zur geistigen Schöpfung erschaffen, so dass er sich ziemlich schnell nach seiner Entstehung an der Heiligkeit des Schabbats sollte laben können.

 

G“tt hielt Freitag Nachmittag mit seinem körperlichen Schöpfen inne und schuf an Schabbat geistige Höhen, die an jedem Schabbat wieder zurück kehren und eine Oase von Seelengenuss und Nähe zu G“tt erzeugen. Der Schabbat bildet die Seele unseres Zeitbegriffes. Der Schabbat konfrontiert uns mit dem Verständnis, dass die Welt einen Schöpfer hat und dass das Universum ein Ziel und eine Sinn hat. Der Schabbat drückt unserem wöchentlichen Rhythmus  den G“ttlichen Stempel auf.

 

Des Menschen Kern, sein Wesentlichstes, ist seine G“ttliche Seele

 

G“tt wollte den Menschen an Schabbat erschaffen, aber entschied, das auf den sechsten Tag zu bevorzugen, da ER ihn körperlich mit einer materiellen Grundbasis erschaffen wollte. G“tt hatte die Absicht, den Menschen an Schabbat zu erschaffen, da sein Kern seine G“ttliche Seele ist. Von allen Geschöpfen ist der Mensch das einzige Geschöpf, das Kedduscha, Heiligkeit, erzeugen kann. Auch sein irdischer Teil kann heilig werden, wenn der Mensch dem nur ernsthaft nachjagt.  Indem er etwas von der Kedduscha von Schabbat in die Woche hinein bringt, werden auch irdische Aspekte seines Lebens geheiligt und auf eine höhere Ebene transportiert.

„Wajechulu – Und dann waren der Himmel und die Erde beendet und alles, was dort ins Haus gehörte“ (Genesis 2:1).

Im Talmud (B.T.Schabbat 118a) steht: „Wenn man Freitagnachmittag dawwent (betet) und Wajechulu spricht, wird man in der Tat G“ttes Partner in der Schöpfung.

 

Wajechulu bedeutet vollenden, zu Ende bringen. Wenn man sich Freitagnachmittag vollkommen von allen irdischen Angelegenheiten abwendet, als ob „man sie zu Ende bringt“ und an Schabbat nur mit heiligen Angelegenheiten beschäftigt ist, dann wird man tatsächlich der Compagnon G“ttes in der Schöpfung.

 

Der Schabbat selber ist eine Schöpfung. G“tt schuf am Anfang der Welt spirituelle Ruhe und Entspannung, in denen man etwas von der Olam Haba, von der künftigen Welt, verspüren kann. Wenn man dann Wajechulu spricht und die Heiligkeit des Schöpfungsakt spührt, indem man geistig ruht und spirituell entspannt, wird der Schabbat in der Tat erschaffen. Man hakt in eine höhere Welt ein und wird mit ihr Eins.

 

Die Tora stellt die Seele dar und das Universum den Körper.

 

In der Schöpfung der Welt machte G“tt zehn Aussagen, mit denen das Universum zu Stande kam. Laut Rabbi Jitzchak Meir, dem Gerer Rebbe und Verfasser der Chidduschej HaRim (Novellae von Rabbi Jitzchak Meir), war die Funktion der zehn Plagen, indem  die zehn Schöpfungsaussagen erfolgten, diese in die Zehn Gebote um zu wandeln.

 

Die Verbindung zwischen den „Zehnern“ lehrt uns, dass die Entstehung des Universums einen enormen Einfluss auf unser Verhalten hat. Wenn wir an eine Urmaterie und an die Evolutionstheorie glauben, kann man nicht annehmen, dass das Leben ein endgültiges Ziel hat. Die Welt ist zufällig, als ein Ergebnis einer Interaktion vieler Kräfte entstanden, die über eine Zeitspanne von Milliarden von Jahren nach und nach allen lebenden Wesen ein Antlitz gab. Hiermit entfallen auch absolute moralische Kriterien. Gesetze sind lediglich das Ergebnis oder die Folge von Vereinbarungen zwischen Menschen, die geändert werden können, wenn die Gesellschaft das für erforderlich achtet.  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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