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Das Rezept zum Erfolg

Ohne Fleiß gibts keinen Preis
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Für diesen Artikel habe ich eine bekannte und erfolgreiche Persönlichkeit (Erfolg wird von jedem anders definiert, für manche ist es Geld und Ruhm, für andere wissenschaftliche Anerkennung oder geistige Errungenschaften) gesucht, welche zuerst alles andere als erfolgreich war und lange und hart kämpfen musste und das zu erreichen, was sie schlussendlich erreicht hat. Mein Problem war, dass es so viele gibt, dass es mir sehr schwer fiel eine davon auszusuchen. Meine Wahl fiel auf Michael Jordan (wahrscheinlich der beste Basketballspieler aller Zeiten) und hier sind seine eigenen Worte im Rückblick auf seine Karriere: „Ich habe in meiner Karriere mehr als 9.000 Würfe verworfen und 300 Spiele verloren. Ich hatte einen Misserfolg nach dem anderen und deswegen bin ich erfolgreich geworden.“

In unserem Wochenabschnitt Mikeiz wird berichtet, dass Josef sehr schnell Karriere machte. Vom Gefängnisinsassen (bzw. Lochinsassen, denn Gefängnisse damals waren nicht mehr als ein Loch), welcher für angebliche Vergewaltigung verurteilt wurde, stieg er innerhalb eines Tages zum Minister für Krisensituationen und Wirtschaft auf. Außerdem ernannte ihn Pharao zu seiner Zweiten Hand und somit zum mächtigsten Menschen in ganz Ägypten nach Pharao.

Im Talmud und in den Medraschim (Sammlung agadischer Schriften) wird Josef als „Josef HaZaddik“ (Josef der Gerechte) bezeichnet. Es stellt sich die Frage: Wie hat sich Josef diesen Titel verdient und warum wird nur er so bezeichnet?

Der offensichtliche Grund für diese Auszeichnung ist, dass er es geschafft hat der unglaublich großen Versuchung zu widerstehen. Die Frau seines Herren versuchte wieder und wieder ihn mit allen möglichen Mitteln zu verführen, aber er blieb stark und sündigte nicht. Obwohl es viele gerechte Menschen gab, niemand wurde so einer schweren Prüfung unterzogen und deshalb hat nur Josef diese Bezeichnung verdient.

Ich möchte eine weitere Erklärung präsentieren, warum Josef so bezeichnet wird:   

Es gibt einen sehr bekannten Vers in Mischlei: „Denn der Gerechte fällt sieben Mal und steht wieder auf, aber die Frevler stolpern nur über das Böse“ (Kap. 24, Vers 16). Die Meisten denken, dieser Vers beziehe sich nur auf Sünden, dass obwohl der Gerechte sündet, trotzdem steht er wieder auf und macht weiter, als wäre nichts geschehen. Die Sünder hingegen stolpern über ihre Sünden, werden verzweifelt und schaffen es nicht darüber hinwegzusehen. Doch in diesem Vers gibt es eine weitere Botschaft:

Sehr oft im Leben arbeiten wir sehr hart, strengen uns an, werden aber niedergeschmettert. Wir versuchen es wieder und wieder, aber es will nicht klappen. An dieser Stelle geben sich viele von uns geschlagen und geben auf. Aber die Hartnäckigen machen trotzdem weiter und sind am Schluss immer erfolgreich. Wenn man sich die Liste der erfolgreichsten Menschen, egal in welcher Brache, ansieht, erkennt man, dass fast alle von ihnen am Anfang versagten. Sie versuchten es nochmal und versagten erneut. Erst nach endlosen Anläufen kam der langersehnte Erfolg.

Die Fälle des Gerechten sind nicht nur Sünden, sondern generell Misserfolge im Leben. Der Gerechte steht auf, klopft sich den Staub von den Klamotten ab und versucht es erneut, bis er sein Ziel erreicht. Er ist davon überzeugt, dass G´tt seine Anstrengung sieht und verliert nicht die Hoffnung. Es gibt ein schönes Zitat von Mark Twain (aus dem Englischen übersetzt): „Nur im Wörterbuch kommt Erfolg (success) vor harter Arbeit (work)“

Josefs ganzes Leben musste er immer wieder vom Anfang anfangen. Vom verwöhnten Lieblingskind wird er als Sklave nach Ägypten verkauft. Nachdem er sich im Hause Potiphars hochgearbeitet hatte und zum Verwalter gewählt wurde, wird er für ein Verbrechen, welches er nicht begangen hatte ins Gefängnis geworfen. Erst nach 10 Jahren im Gefängnis (Pirkei D´Rabbi Eliezer §39) kommt er heraus und wird Vizekönig von Ägypten. Josef hätte genug Gründe gehabt, längst die Hoffnung zu verlieren und aufzugeben, aber er ließ sich nicht unterkriegen. Deswegen wird er Josef HaZaddik genannt, weil er trotz der zahlreichen Desaster weitermachte und schlussendlich sein Ziel erreichte.

Wir alle möchten erfolgreich sein und wie gesagt, jeder nach seiner eigenen Definition von Erfolg, aber der Weg dorthin ist bei allen der gleiche. Die Hauptsache ist, die Hoffnung und den Glauben nicht zu verlieren und sich nicht unterkriegen zu lassen. Wer weiß, vielleicht wartet der Erfolg schon auf uns…

„Erfolg bedeutet, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne die Motivation zu verlieren.“                       

Sir Winston Churchill 1874-1965, britischer Premierminister und Nobelpreisträger     

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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