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Das Verbot zu zählen – Parascha Ki Tisa

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Parascha 21 Ki Tissa (Schmot/Exodus 30:11 – 34:35)

Die Anweisung, das Volk zu zählen, kam eigentlich nach der Sünde des Goldenen Kalbes. In der Tora jedoch steht das Zählen vor der Sünde des Goldenen Kalbes: „Dieses ist die Refu’a für der Makka – das Heilmittel wird für die Krankheit beschrieben“.

Wieso war dieses Zählen das Heilmittel? 

Wieso war dieses Zählen mit dem halben Schekel die Refu’a für die Makka – das Heilmittel, das beschrieben wird für die Krankheit des Götzendienstes? Viele fragen sich ab, weshalb gezählt werden musste: G“tt kannte doch die Zahl? Aber die Zählung war mehr für die Menschheit gemeint.

Der Mischkan war der Beweis der Verzeihung durch G“tt

Die Völker lachten das Jüdische Volk aus: „Vierzig Tage nach „wir werden tun und wir werden gehorchen“ fertigtet Ihr schon wieder ein Götzenbildnis. G“tt wird Euch nie mehr in Gnade akzeptieren wollen“, somit der schadenfrohe Kommentar der vereinigten Völker. Das Jüdische Volk wurde aufgewertet durch die Beiträge von Edut-Bezeugung zum Mischkan (Heiligtum). Der Mischkan war der Beweis der Verzeihung durch G“tt.

Zehn Gera – Zehn Gebote

Der halbe Schekel war zehn Gera – als Sühne für die Missachtung der Zehn Gebote. Wieso eine so kleine Münze zur Sühne für eine so große Missachtung dienen konnte? G“tt ließ Mosche einen brennenden halben Schekel sehen. Mit viel erneuertem Enthusiasmus für das Judentum kann selbst die schwerste Verfehlung geradegerückt werden!

Verfall, Reduzierung und Überalterung

Wir zählen keine Menschen. Dieses wird aus den Eröffnungsideen dieser Parscha abgeleitet. Wenn wir Dinge zählen, deutet das darauf, dass diese einer Veränderung unterliegen. Verfall, Reduzierung und Überalterung sind allesamt Ergebnisse aus dem Sündenfall von Adam HaRischon – des ersten Menschen. Sobald wir zu zählen beginnen, zeigt das auf, dass der Tod in der einen oder anderen Weise zugeschlagen hat. Der Tod ist das Ergebnis der Sünde und des nicht erreicht haben. Deshalb ist eine Kappara erforderlich, eine Sühne in der Art einer Spende eines halben Schekels an das Heiligtum.

„Damit keine Plage ausbreche“

Die Tora besagt, dass mittels einer Spende eines halben Schekels gezählt werden sollte, da sonst eine „Plage“ innerhalb des Jüdischen Volkes ausbrechen würde. Laut Raschi bedeutet das, dass über das Zählen der böse Blick auf die gezählten Objekte zum Verweilen gelangt.

Durch das Zählen wird man eine abgetrennte Identität

Rabbejnu Bachja ibn Pakuda (11. Jahrhundert) erklärt das Zählverbot ein wenig anders: „Indem jeder eine gesonderte Zahl erhält, wird jedes Individuum aus dem Gesamten herausgehoben. Durch das Zählen wird es eine abgetrennte Identität, die nicht mehr im Zusammenhang mit dem Rest gesehen wird. Solange man Bestandteil des Gesamten ist, gelten die Verdienste aller für jeden. Aber wenn man einzeln beurteilt wird, ist man auf sich selbst gestellt, wodurch man für subjektive Evaluation, Vorurteile und Verurteilung greifbarer wird. Deshalb musste auch jeder einen halben Schekel spenden. Der halbe Schekel war als Bezahlung für jeden identisch. Hierdurch wurde vermieden, dass Machloket (Machlojkes) zwischen den Menschen hätten entstehen würden.

Jeder beteiligte sich an den Gemeinschafts-Opferungen

Die Spenden wurden unter anderem zur Anschaffung der Gemeinschafts-Opferungen verwendet. Jeder sollte daran Anteil haben. Reich und arm waren hier gleich. Die Zählung in dieser Parscha war ebenfalls dazu gedacht oder bezweckt, um Sühnegelder vom Volk entgegen zu nehmen, da die Sünde des Goldenen Kalbes noch nicht verziehen war. Die Tora legt jedoch fest, dass jedes Mal – auch künftig – wenn gezählt werden soll, man das nicht über eine Person macht, sondern mit einem Gegenstand.

Bei beiden Zählungen war die Anzahl identisch 

Später wurde das Jüdische Volk noch mal gezählt, am ersten Ijar des Jahres 2449 nach der Schöpfung, dem zweiten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten. Bei beiden Zählungen war die Anzahl der Juden identisch. Wie war das möglich, bei zwei Jahren Unterschied? Die Meforschim (Kommentatoren) nennen verschiedene Optionen. Es hätte sein können, dass die Zahl der Verstorbenen mit der Zahl der Neugeburten identisch war. Aber eine zweite Antwort lautet, dass der Stamm Levi in erster Instanz wohl mitgezählt wurde, aber bei der zweiten Zählung nicht. Die zahlenmäßige Lücke, die das Nicht-Mitzählen des Stammes Levi schuf, wurde durch die Männer aufgefüllt, die nach und nach das zwanzigste Lebensjahr (nur sie wurden mitgezählt) erreichten.

Weshalb zählte David doch?

Im Buch Samuel (II 24:9) steht, dass König David wegen einer Volkszählung bestraft wurde. Wenn die alleinige Vorschrift bei der Zählung lautete, dass man nur Münzen oder Gegenstände zählen dürfe, aber keine Menschen, ist es kaum verständlich, wie David dieses ausblendete. Weshalb war G“tt auf König David so böse? „David“, besagt Nachmanides, „missachtete auch noch eine andere Hauptvoraussetzung bei der Zählung von Menschen. Diese darf nur erfolgen, wenn sie auch wirklich notwendig sei. David zählte nur, um sich über seine große Heeresmacht zu erfreuen“.

für einen klaren Zweck zählen 

Dieses ist auch, was der Midrasch im Namen von Rabbi Elieser sagt: „Solange das Jüdische Volk für einen klaren Zweck gezählt wurde, hatte es ihm an nichts gefehlt, aber als zu Zeiten von David, ohne irgendwelche Notwendigkeit, eine Volkszählung durchgeführt wurde, lief es schief“. David benötigte die Zählung nicht für Kriegszwecken. Die Zählung von Menschen ist verboten, selbst bei einem Einsatz mit Schekalim. 

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Eine ernsthafte, zuverlässige Rechtsprechung ist für die Gesellschaft maßgebend – Parascha Tezawe

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