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DER TOD DER ERZMUTTER SARAH – DER WERT VON EIGENTUM – Parascha Chaje Sara

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„Sarah wurde einhundertsiebenundzwanzig Jahre alt und verstarb in Kirjat Arba, dem heutigen Hebron im damaligen Bezirk oder Land Kana’an. Awraham kam, um seinem Schmerz und seinen Tränen über den Tod von Sarah freien Lauf zu lassen. Danach erhob sich Awraham, verließ seine verstorbene Frau und sprach zu den Söhnen von Chet: ich bin ein Ausländer, aber auch ein Einwohner in Euerer Mitte. Gib (oder besser: überlasse) mir eine Begräbnisstelle, so dass ich meine Verstorbene beerdigen kann“ (Genesis 23:1-4). Awraham kaufte die Höhle von Machpela, die übrigens immer noch ein Wallfahrtsort ist, vom Besitzer/Eigentümer Efron. (der Unterschied zwischen Besitzer und Eigentümer: dem Eigentümer gehört das entsprechend Gut. Der Besitzer hat es, entweder gestohlen, erobert oder wie auch immer, dazu gekommen und muss nicht identisch mit dem Eigentümer sein.

Nach der Eigentumsübertragung durch Efron an Awraham steht geschrieben, dass „das Feld von Efron stieg, sich erhöhte“ (Genesis 23:17). Raschi (tausendvierzig bis elfhundertfünf, Troyes und Worms) erklärt, dass das Feld in Ansehen stieg, da es bis jetzt das Eigentum von Efron gewesen war. Da es jetzt in den Besitz beziehungsweise in das Eigentum des Awraham wechselte, erhielt es mehr Bedeutung. (Erklärung: Awraham war ein sehr angesehener und geachteter Mensch, G“ttesfürchtig und ein Beispiel für Güte und Gerechtigkeit).

Bekanntlich gibt es eine deutliche Verbindung zwischen dem Charakter eines Menschen und seinen Besitztümern.

Die Thora geht davon aus, dass die Besitztümer eines Menschen einen Teil seiner Persönlichkeit bilden und seine Persönlichkeit mit bestimmen. Wir neigen dazu, zu glauben, dass alle unsere Besitztümer unser Eigentum seien, wir über sie herrschen und mit denen wir machen können, was wir wollen. Das ist übrigens ein typisches Beispiel für Römische juristische Denkweise: absoluter Besitz, über den niemand, außer der Eigentümer, etwas zu sagen hat und im Prinzip auch kein Anderer davon genießen darf.

Verkehrte Voraussetzung

Laut der Bibel ist das eine verkehrte Voraussetzung. Wir sind lediglich Leihgaben-Verwalter, eine Art Mietnehmer unserer Besitztümer. Dieses steht den Ansichten über Territorialbereichen der Darwinistischen Orientierung diametral gegenüber. Diese letztere lautet wie folgt:

Es ist allgemein bekannt, dass Tiere territoriale „ bestimmte Polungen“ haben. Sie markieren ihr Territorium auf unterschiedliche Weisen und verteidigen es gegen Bedrohung. Es kann sich hierbei sowohl um den Lebensbereich handeln, wie um Nahrung, Partner, Nachwuchs, usw. Auch der Mensch kennt diesen Besitzzwang oder –drang. Man hat den Bedarf, Besitztümer zu erwerben und zu behalten und wenn der Mensch diesen Drang nicht beherrscht und kanalisiert, ist der Mensch auf dieser Ebene genau  einem Tier ähnlich. Und dieses gilt sowohl für physisches, wie für emotionelles oder intellektuelles Eigentum.

drei territoriale Funktionen: Übersicht, Verteidigung und Erwerb

Eigentum und Besitz sind keine unbeschwerten Segnungen. In den Pirkej Awot (in den Sprüchen der Väter) 2:8 steht bereits: „Je mehr Fleisch, desto mehr Würmer; je mehr Besitztümer, desto mehr Sorgen; … je mehr Männer als Angestellte oder Mitarbeiter, um so mehr Diebstahl (oder Raub)“. Man muss nämlich das Gebiet, das Territorium, auf das man Anspruch erhebt, auch noch erwerben und beherrschen.

Verteidigung und Erwerb

Wenn man sich als Eigentümer eines bestimmten „Gebietes“ fühlt oder meint, es zu sein, wird man das auch verteidigen. Man kann sein Haus durch einen Wachhund beschützen lassen, seinen Standpunkt durch richtige Argumentation verteidigen oder sein körperliches Wohlbefinden durch eine gesunde Lebensweise schützen oder selbst fördern.

Die Herausforderung bedeutet, neue Bereiche zu „erobern“. Ein Wissenschaftler erobert neues Gebiet, wenn er eine neue Erfindung gemacht hat, ein Spielzeughersteller kombiniert einfaches Spielzeug mit den ungeahnten Möglichkeiten eines Computers. Kollegen können anschießend versuchen, dieses neu geschaffene „Gebiet“ zu übernehmen, indem sie das neue Produkt perfektionieren.

Um was es sich in der säkularen Welt handelt ist das Gefühl, dass die gesamte Welt unser Eigentum sei und wir alles so gestalten könnten, wie wir uns das ausdenken. Wir haben den Drang zum Besitz und alle psychologischen Folgen davon von den Tieren übernommen. Die Biblische Sichtweise jedoch steht hier außerordentlich gegenüber.

Eigentum zur Verfügung gestellt

Ein religiöser Mensch geht davon aus, dass alles, was er hat, ihm von G“tt in Form eines sogenannten Darlehensvertrages „ausgeliehen“ wurde oder ihm zur Verfügung gestellt wird. G“tt gibt uns das mit einem bestimmten Vorbehalts-Vermerk. Wenn wir unser gesamtes Geld für unsinnigen Luxus oder für total unnötige Dinge ausgeben, dann ist das ein Mangel an Glauben. Alles, was wir besitzen, ist uns gegeben worden, um damit Gutes zu tun, Anderen zu helfen oder G“ttgefällige Dinge zu unterstützen und zu fördern.

Nach hundertundzwanzig Jahren werden wir im Paradies, der zukünftigen Welt,, wenn wir dort eingetroffen und zugelassen sind, hierüber Rechenschaft und Verantwortung ablegen müssen. 

Eigentum und Besitz sind Zeichen des Vertrauen G“ttes in uns. G“tt schenkt uns mehr Vertrauen, wenn ER uns mehr gibt, um damit Gutes zu tun. Der bekannte Redakteur der Mündlichen Lehre (der Mischna) aus dem zweiten Jahrhundert hieß Rabbi Jehuda Hanassi (der Prinz). Er gab reichen Menschen immer viel Ehre, da er durchschaute, dass G“tt viel Vertrauen in sie hatte.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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