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Erneuerung der gesamten Welt – Parascha Noach

Erneuerung der gesamten Welt - Parascha Noach
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Zu Zeiten von Noach musste die gesamte Welt erneuert werden, vom Menschen bis zum Tier, ab 15 Ellen oberhalb des höchsten Berggipfels bis zu drei Handbreiten, der Tiefe der Pflugschere in der Erde. Hierzu können wir verschiedene Fragen stellen:

1.      weshalb werden auch Tiere bestraft, die

keinen freien Willen haben?

2.      Weshalb wird jeder gleichermaßen

Bestraft? Es gab zweifellos Unterschiede

zwischen den Übeltätern!

Ein Maschal, ein Vergleichen

Ein Maschal bedeutet ein Vergleichen, mit dem auch erhabene geistige Dinge verständlich gemacht werden können. Bei Krankheiten gibt es unterschiedliche Arten. Manche erwischen nur die Person selbst, sind aber für das Umfeld und für andere nicht gefährlich. Aber es gibt auch Krankheiten, die ansteckend sind, andere krankmachen können und auch die Luft und andere Objekte in der Umgebung befallen können.

Dann muss auch die gesamte Umgebung desinfiziert werden und in Quarantäne bleiben. Leider leben wir jetzt in einer solchen Zeit, wo Corona und Coved 19 überall herrschen.

Zu Zeiten von Noach war die moralische Vergiftung so weit fortgeschritten, dass fast alle Aspekte der Schöpfung infiziert waren.

Es gibt zwei Arten von „böse“ oder „schlecht“:

1.      Zufällig böse, was mehr eine Folge oder

ein Ergebnis von Verführung durch den Jetzer Hara, des bösen Triebes, ist. Dieses war nie so böse gemeint. Dieses Zufällige hat allerdings nicht die alles durchdringende Kraft des tatsächlichen Bösen.

2.      Das tatsächliche Böse, wie es steht: „jede Neigung der Gedanken seines Herzens war den ganzen Tag nur das Böse“ (Gen. 6:5). Dieses Böse ist so schlecht, dass noch nicht mal die geringste Spur von etwas Gutem darin enthalten war.

Bei den meisten schlechten Dingen ist meistens noch etwas Gutes vorhanden, wodurch Tikun, Verbesserung, möglich ist. Vor der Sintflut war alles so dermaßen verdorben, dass jede Hoffnung auf eine Besserung verschwunden war. Die einzige Lösung, die verblieb, war ein totaler Neuanfang.

„Noach, ein anständiger Mann, war zwischen seinen Zeitgenossen vollkommen“ (6:9).

Was dieses „vollkommen“ betrifft, gibt es einen Meinungsunterschied:

1.      Manche Gelehrte erklärten dieses als ein Lob für Noach. Wenn er schon in einer schlechten Zeit so gut war, dann wäre er in einer besseren Generation sicherlich noch viel besser gewesen!

2.      Aber andere erklärten es zu Noachs Nachteil. Noach war im Verhältnis zu seiner Generation ok. Aber zu Zeiten Awrahams hätte er nichts bedeutet. Würde Noach zu Zeiten von Mosche gelebt haben, dann wäre er unbedeutend gewesen. Wie können wir diese zwei Einschätzungen harmonisieren?

Die erste Erklärung lautet: Unsere Erzväter machten MEHR, als von ihnen erwartet wurde. Noach machte genau, was G“tt von ihm wollte. Er tat das Gute und blieb beim Schlechten fern. Deshalb nennt die Tora ihn auch einen Tzaddik. Er wird jedoch zutreffend kritisiert, da er nicht mehr tat, als von ihm erwartet wurde.

Awraham dagegen tat viel mehr, als von ihm verlangt wurde. Am dritten Tag nach seiner Beschneidung machte er sich auf, um Gäste zu suchen, trotz des heftigen Schmerzes. Er suchte Anlässe, um Chessed (Liebe) zu beweisen. Dadurch, dass Awraham seine Grenzen überschritt, wurde er weiter nach oben gebracht und letztendlich eine total neue Persönlichkeit. Die Moral der Geschichte: tue MEHR, als das, was genau verlangt wird!

Die Einschränkungen seiner Zeit

Zwischen der Jirat HaSchem, der Achtung vor G“tt und der Ahawat HaSchem, der Liebe zu G“tt, gibt es einen weltweiten Unterschied. In der Schöpfungsreihenfolge steht die Achtung vor G“tt an vorderster Stelle. Jirat HaSchem ist die Grundlage aller guten Eigenschaften und namentlich die Liebe zu HaSchem. Noach war dazu bestimmt, diese Grundlage der Achtung vor G“tt zu erstellen, bevor Awraham mit Ahawat HaSchem, seiner liebevollen Weise um G“tt zu dienen, zum Zuge kommen konnte.

Deshalb vermeldet die Thora, dass Noach ein vollständiger Tzaddik in seinen Generationen war. Noach führte die Aufgabe G“ttes für seine Generation durch. Würde Noach die Art von Awraham, G“tt zu dienen, übernommen haben, hätte er seinen eigenen Auftrag nie anständig ausführen können. Indem er G“tt mit Achtung und Respekt diente, glänzte Noach vollständig auf seiner höchsten Ebene.

Noach war in seiner Zeit ok. Mit Awraham verglichen, war er ein nichts. Da G“tt mit Achtung zu dienen in ein Nichts verschwindet, wenn das Dienen aus Liebe zu G“tt erfolgt.

Da die Einstellung Awrahams Liebe war, bekehrte er auch viele Proselyten (Gerim) aus anderen Völkern. Jeder hatte sich an der G“ttlichen Botschaft zu beteiligen:

1.    Liebe möchte geben und teilen, Furcht und Achtung bezieht der Mensch auf sich selber.

2.    Liebe breitet sich aus, Angst und Furcht schnüren ein.

Deshalb hatte Awraham wohl Einfluss auf seine Generationsgenossen, aber Noach viel weniger.

Umwelteinflüsse

Wirkliche Kritik an Noach ist dieses nicht. Noach lebte zu einer dermaßen verdorbenen Zeit, dass er nicht anders konnte, als G“tt aus „Jira“, aus Furcht, zu dienen. Das war damals das höchste Erzielbare, um dafür zu sorgen, dass die spirituelle Unreinheit ihn nicht erreichte.

Dieses war auch der Gedanke der Arche von Noach. Die Gutwilligen mussten sich von den schlechten Menschen komplett absondern. Nur so konnten sie religiös wachsen. Dieses ist übrigens eine Lehre für jede Generation. Geistige Verunreinigung vermeiden und Güte hinein holen!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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