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Die drei Gründungsväter der Welt und deren Bestreben – Parascha Noach

Die drei Gründungsväter der Welt und deren Bestreben - Parascha Noach
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Adam war der erste Mensch, der Urahne aller Menschen. Noach war der Ur-Ahne der neuen Menschheit nach der Sintflut. Alle Menschen heutzutage sind Bnej Noach. Awraham legte die Grundlage für das Jüdische Volk. Sie alle drei hatten die Möglichkeiten und die Talente, die Welt zu perfektionieren.

Gebote nicht reduzieren 

Adam glaubte, indem er sündigte, auf die Stufe eines Ba’al Teschuwa zu gelangen, der noch höher als ein Tzaddik stehen würde, eine Person, die noch nie gesündigt hatte. Er hatte während des Nachmittags des sechsten Schöpfungstages lediglich nur ein Verbot. Aber es gelang selbst diesen perfekt geschaffenen Mann nicht, dieses eine Verbot zu halten. Wir lernen hieraus, die Zahl der Mitzwot (der Gebote) nicht zu reduzieren, um so das Judentum der modernen Zeit an zu passen.

Noach sank zudem im Niveau ab 

Nach zehn Geschlechtern würde Noach der neue rechtschaffene Heilige werden, der das religiöse Fundament der Welt bildet. Noach rettete die Welt im körperlichen Sinn. Alle Menschen stammen von ihm ab und heißen deshalb Bnej Noach, die Kinder von Noach. Aber Noach war in erster Linie ein „Tzaddik in Peltz“, ein Tzaddik, der mit den anderen Menschen seiner Generation nicht viel am Hut hatte, der Generation der Sintflut.

Noach sank zudem im Niveau ab. Von der Ebene eines perfekten Tzaddik (eines Heiligen) kommend, sackte er im Niveau ab. Noach hätte nie einen Hain mit Weinstöcken pflanzen sollen. Noach scheiterte bei seiner Mission, ein Tzaddik zu bleiben. Mosche begann als Hirte, endigte aber als Isch Elokim (ein G“ttlicher Mensch). Noach’s Karriere verlief in gegensätzlicher Richtung.

Awraham jedoch betete selbst für die Menschen von Sdom. Mosche ging noch weiter: er sprach zu G“tt: wenn Du den Menschen, die das Goldene Kalb anbeteten, nicht verzeihst, tilge mich dann aus der Thora!

Was lief bei Noach schief? Noach hatte über die Zerstörung der Welt, die er zurücklassen musste, schlaflose Nächte. Dazu war er während mehr als einem Jahr für einen kompletten Tiergarten verantwortlich. Da viele Tiere an Bord der Arche nachts essen mussten, konnte er sich nicht schlafen legen. Die Menschheit war gerettet. Aber Noach war vollkommen kaputt und erschöpft von dieser ersten Kreuzfahrt der Welt.

Noach hatte genug getan, meinte er 

Der größte Fehler von Noach war, dass er dachte, er sei jetzt fertig. Er hatte die Welt gerettet. Er könnte jetzt in den Ruhestand gehen. Er bräuchte nichts mehr zu tun. Noach hatte natürlich mehr erreicht, als wir jemals in unserem Leben schaffen würden. Er hatte buchstäblich die gesamte Menschheit gerettet. Noach wollte relaxen. Er hatte genug getan. Er hatte für die kommenden Generationen genug getan.

Aber das ist kein Jüdischer Gedanke, keine Jüdische Denkweise. Gerade wenn wir uns in den Ruhestand begeben, haben wir für Dinge Zeit, um die es tatsächlich im Leben geht. Im Grab können wir uns noch immer ausruhen (Talmud). Wir gehen mit 65 oder mit 67 in den Ruhestand.

Morgen können wir die Belohnung entgegennehmen

Mit dem Ruhestand fängt ein neues Zeitalter an. Nicht nur einkaufen gehen, die Betten machen, Kochen lernen, oder auf die Enkelkinder aufpassen. Für uns zählen jetzt vordergründig nur die Dinge, die in unserem Leben Bedeutung haben (sollten): das Thora-Lernen, Jiddischkeit, Mitzwot und Ma’asim Towim, gute Taten. Heute sollten wir das machen und handeln. Morgen – in der Olam Haba, in der künftigen Welt – können wir die Belohnung entgegennehmen.

Noach hat das Konzept des „nach dem Ruhestand“ geschaffen. Das Judentum hat mit Awraham als Novum – Neues – eingeführt, dass wir gerade die letzten Jahre unseres Lebens für die Religion verwenden sollten. Nur dann zeigen wir unseren Kindern, für was wie uns einsetzen.

Ein „Ruhestand“ gibt es im Judentum nicht. Niemand ist mit Jiddischkeit jemals fertig. Wir können uns nie zurücklehnen. Entspannen tun wir uns erst in der künftigen Welt.

Awraham Awinu war der dritte Gründungsvater der Welt, der es gut verstanden hatte. Ich möchte nicht in dem Sinnen verstanden werden, dass wir in unserer „Rüstung“ sterben sollten. Aber wir sollten unsere Jiddischkeit fortsetzen. Und zwar heute und ohne nach zu lassen. Morgen werden wir die Belohnung hierfür erhalten!

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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