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DIE DREIZEHN GLAUBENSSÄTZE DES MAIMONIDES – Teil VI: die Messianische Erwartung – Parascha Lech Lecha

DIE DREIZEHN GLAUBENSSÄTZE DES MAIMONIDES - Teil VI die Messianische Erwartung - Parascha Lech Lecha
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     בסייד 

Parascha Lech lecha
Avram bringt den Monotheismus in die Welt. Aber glaubt das Judentum an ein messianisches Zeitalter? Warum ist der Glaube an einen Messias im Judentum so wichtig?

Maimonides’ 12. Glaubenssatz lautet:

12. Ich glaube fest an das Kommen des Messias, und auch wenn Er noch lange auf sich warten lässt, erwarte ich doch jeden Tag, dass Er kommen wird.

Die Messianische Erwartung

Unser Messianismus ist kein kultureller Optimismus. Die Humanisierung der Gesellschaft kann ein Vorbote besserer Zeiten sein, muss aber nicht schrittweise oder automatisch zu einer globalen Messianischen Glückseligkeit führen.

Die Geschichte hat diese Erwartung übrigens Lügen gestraft. Nach der Emanzipation und einer Form der Gleichberechtigung herrschte unter den Juden Euphorie, weil sie glaubten, in die Gesellschaft aufgenommen zu werden, was letztlich nicht der Fall war.

Die Messianische Erlösung erfolgt in Etappen. Wir kennen den Maschi’ach Ben-Josef, der schließlich verlieren wird, und den Maschi’ach Ben-David, der triumphieren wird. Für Maimonides bleibt das entscheidende Kriterium der “Erfolg”: Derjenige, dem es gelingt, die Messianischen Erwartungen zu verwirklichen, ist der wahre Maschi’ach.

Wichtigster Glaubenssatz

Die Messianische Erwartung ist ein prinzipieller Glaubenssatz weil es unvorstellbar ist, dass ein vollkommener G’tt eine nicht-perfekte Welt geschaffen hat. G’tt tat dies absichtlich, um den Menschen zu seinem Partner in der Vervollkommnung der Schöpfung zu machen. Eines Tages muss diese Perfektion jedoch Gestalt annehmen.

Das siebte Millennium: Messianische Zeiten

Nach jüdischem Glauben kann die Messianische Erlösung augenblicklich erfolgen, sie kann aber auch noch lange auf sich warten lassen. Im Talmud steht jedenfalls, dass die gegenwärtige Welt nicht länger als 6.000 Jahre bestehen wird. Natürlich kann der Messias auch früher kommen. Maimonides selbst sagt, dass es verboten ist, zu rechnen. Dennoch sollten wir unsere Augen nicht vor den Daten aus dem Talmud verschließen. Und darin heißt es, dass im siebten Jahrtausend Messianische Zeiten anbrechen werden.

Israel ohne Furcht unter den Völkern

Theologisch stellt sich natürlich die Frage, wie man sich das Reich des Messias vorzustellen hat. Maimonides ist kein Utopist und neigt in seinem Kodex zu einer eher restaurativen Sichtweise: “Glaube nicht, dass sich in der Zeit des Messias etwas an der gegenwärtigen Weltordnung ändern oder etwas Neues entstehen wird. Die Welt wird bleiben, wie sie war, und Jesajas prophetisches Wort (11,6), dass der Wolf beim Lamm und der Panther beim Bock liegt, ist lediglich ein Gleichnis, das zeigt, wie Israel ohne Furcht unter den Völkern wohnen wird.

Letztlich schwebt uns jedoch ein universelles Friedensreich der Liebe und Gerechtigkeit vor. Kriege gibt es nicht mehr. G’ttes Wort wird von Zion aus die ganze Welt erreichen. Alle Völker werden die G’ttlichen Erwartungen in Harmonie und Einheit erfüllen. Das Kriterium für Maimonides bleibt der “Erfolg”: Derjenige, dem es gelingt, die Menschheit zum Besseren zu wenden, ist der Messias.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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