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Die Geschichte der Sufganiyot (Doughnuts)

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Sie sind sehr beliebt, haben viele Namen und zwingen im Nachhinein oftmals zur Diät. Ob man sie als Berliner, Doughnuts oder Sufganiyot kennt, sie sind zweifelsohne die erste Assoziation, wenn man an Chanukka denkt.  

Besonders in Israel werden im Zeitraum vor und während Chanukka riesige Mengen von Sufganiyot verkauft. Unbestätigten Gerüchten zufolge produziert Angel, Israels größte Bäckereikette, ca. 25.000 Sufganiyot pro Tag und die Kundschaft stammt aus allen Schichten der israelischen Gesellschaft, ob „Charedim“ (streng orthodoxe Juden), traditionelle Juden oder junge Israelis aus Tel Aviv.

Laut einer Studie von Ynetnews aus dem Jahr 2006 essen 80% aller Israelis mindestens eine Sufganiya im Laufe von Chanukka, mehr als die Anzahl der Fastenden in Israel an Yom Kippur (Quelle: ynetnews.com).   

Doch woher stammt dieser Brauch, an Chanukka Sufganiyot zu essen und wie kommt es, dass ausgerechnet diese Tradition alle gesellschaftlichen Unterschiede überwunden und sich zu einem universellen Minhag (Brauch) entwickelt hat?

Die erste Quelle, in welcher dieser Brauch erwähnt wird, sind die Schriften von Rabbi Maimon Ben Josef, besser bekannt als der Vater des Rambams (Maimonides). Wahrlich, er ist nicht so berühmt wie sein prominenter Sohn, aber er war der hauptsächliche Lehrer des Rambams und ein hoch angesehener Dayan (Richter in einem jüdischen Gericht) in Spanien.

So schreibt er in seinem Kommentar zu den Gebeten: “Man sollte im Bezug auf Bräuche, selbst die leichtesten Bräuche, nicht nachsichtig sein. Auch sollte man alle Anstrengungen unternehmen, um Feierlichkeiten und Speisen vorzubereiten, um die Wunder bekannt zu machen, welche G´tt an jenen Tagen für uns vollbracht hat. So ist es an Chanukka üblich geworden, “Sufganin” zu machen, auf Arabisch als “alsfingh” bekannt. Dies ist ein alter Brauch , weil sie in Öl gebraten werden, um an den Segen des Öls zu erinnern.”                

(aus dem Arabischen übersetzt und zitiert in Kovez Sarid Ve-Palit von Rabbi Yehuda bar Meir Toledano, Jerusalem 1945)

In anderen Worten, eines der Chanukka-Wunder bestand darin, dass ein kleiner Krug Öl acht Tage lang brannte, obwohl diese Menge Öl normalerweise nur für einen Tag ausreichen sollte. Um an dieses Wunder zu erinnern, werden Speisen gegessen, welche sehr viel Öl enthalten.

Die meisten kennen diesen Grund, können dafür aber keine genaue Quellenangabe machen.

Rabbi Schlomo Zalman Auerbach (1910-1995) schlägt eine weitere, weniger bekannte Erklärung für diesen Brauch vor:

Nachdem die Makkabäer das mächtige griechische Heer besiegt und die Eroberer aus dem jüdischen Reich verjagt hatten, machten sie sich daran, den heiligen Tempel in Jerusalem zu reinigen, nachdem er von den Griechen verunreinigt und entweiht wurde. Im Talmud (Avodah Zara 52b) wird berichtet, dass der Mizbeach (Opferaltar) aus halachischen Gründen nicht gereinigt werden konnte und begraben werden musste. Dies schmerzte die Makkabäer sehr und sie wollten sich ihn irgendwie in Erinnerung behalten.

Im Birkat HaMazon (Gebet nach der Mahlzeit) wird der Mizbeach nicht erwähnt, dafür aber im Al HaMechia/Me´en Schalosch (Gebet nach dem Essen von Backwaren). So entstand der Brauch, Backwaren an Chanukka zu essen, um an den entweihten Mizbeach zu erinnern

Ob Erinnerung an das Wunder des Öls oder an den Mizbeach, es ist offensichtlich, dass die Sufganiyot damals nicht so aussahen, wie wir sie heute kennen. Zwar wurden sie ebenfalls in Öl frittiert und mit Honig oder Sirup übergossen, aber die süße Füllung kam erst einige Jahrhunderte später.

Die ersten gefüllten Krapfen werden 1485 im deutschen Kochbuch Küchenmeisterei erwähnt, wahrscheinlich das erste Kochbuch, welches mit Gutenbergs originaler Druckmaschine gedruckt wurde.

Damit wäre die Quelle und der Grund für diese Tradition geklärt, eine Frage ist aber noch offen geblieben und zwar, wie kam es dazu, dass Sufganiyot in Israel so beliebt geworden sind?

Laut dem amerikanisch-israelischen Nahrungsforscher Gil Marks (1952-2014) ist Histadrut, der “Allgemeine Verband der Arbeiter im Lande Israel”, verantwortlich für die außergewöhnliche Beliebtheit der Sufganiyot in Israel und es ging ihnen nicht darum, das Chanukka-Wunder zu verbreiten oder den Mizbeach zu betrauern:

Laut Marks machte Histadrut in den 1920er Jahren sehr viel Werbung für Sufganiyot anlässlich Chanukka, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu schaffen, weil für die Produktion (damals hauptsächlich bestehend aus Handarbeit) und Logistik von Sufganiyot weitaus mehr Arbeitskraft benötigt wurde, als für Laktes (Kartoffelpuffer).

So kam es dazu, dass nicht nur die orthodoxen und traditionellen Juden an Chanukka Sufganiyot essen, sondern (fast) jeder Israeli und egal ob als Erinnerung an das Öl-Wunder, den Mizbeach oder um die israelische Wirtschaft zu stärken, dieser Brauch gehört zu den wenigen Bräuchen, welche vom ganzen jüdischen Volk angenommen und praktiziert werden.

Quelle: Jüdische Allgemeine

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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