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Die Religion aus dem Gesetzbuch streichen? – Parascha Jitro

Die Religion aus dem Gesetzbuch streichen - Parascha Jitro
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 „Ich bin HaSchem, Dein G“tt, der Dich herausgeführt hat“ (Ex. 20:2). Mit Hilfe der Zehn Gebote können wir unsere unlautersten Triebe bezwingen und die Menschheit auf eine höhere Ebene schaffen. Bevor wir unser Gefühl oder Gehirn einschalten, um Himmlische Sphären an zu klicken, sollten wir das auch wollen. Die Tora verlangt vom Menschen eine Wahl, sich ein Lebensziel zu setzen. Eines unserer Lebensziele ist, das G“ttliche im Menschen zu finden.

„laschaw“ – ohne Grund

„Du sollst den Namen von HaSchem, Deinem G“tt, nicht nur einfach so, gedankenlos, aussprechen“ (Ex. 20:7). Wenn wir den Namen G“ttes aussprechen, sollten wir uns bewusst sein, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, Der die Welt steuert. Wenn wir den Namen G“ttes gedankenlos aussprechen, heißt das „laschaw“ – ohne Grund, also nur einfach so. Im Schulchan Aruch, im Jüdischen Gesetzbuch (Orach Chaim 5) steht, dass man beim Aussprechen des aus vier Buchstaben bestehenden Namen G“ttes die Absicht haben sollte, „dass G“tt war, ist und immer sein wird“.

Der Gaon von Wilna ist hiermit nicht einverstanden und sagt, dass es genügt, im Sinn zu haben, dass G“tt der Herr der Welt sei. Wenn man jedoch beim Aussprechen des Namen G“ttes überhaupt nichts im Sinn hat, heißt das „die Erwähnung des Namen G“ttes ohne irgendetwas, ohne nichts“.

Die ganze Welt erzitterte

Nachmanides (dreizehntes Jahrhundert) erklärt, dass die ganze Welt erzitterte, als G“tt die Worte sprach: „Du sollst den Namen von HaSchem, Deines G“ttes, nicht so ohne nichts aussprechen“. Wir entgegnen neben Gedankenlosigkeit auch dem vielen Missbrauch von Religion und des Namen G“ttes. Für Menschen, die Zank, Streit und Machloket (Machleukes, Tratscherei) betreiben oder üble Nachrede pflegen  und behaupten, dass dieses der Wille G“tes sei, steht da „Du sollst den Namen G“ttes nicht für etwas, wofür das nicht wert ist, äussern“.

Wie lässt sich das in der West-Europäischen Rechtsprechung durchsetzen? Der Allmächtige ist hier gesetzlich geschützt. Letztens erhielt ich eine Frage von jemandem, der den Begriff G“ttesdienst im Gesetzbuch gestrichen sehen möchte: „Die namentlichen Gesetzesabhandlungen über beleidigende G“tteslästerung sind für mich eine große Diskriminierung. Ich bin ein Atheist und finde es rundherum skandalös, dass ich nichts Hässliches über eine heilige Person für eine bestimmte Lebensüberzeugung sagen darf. Wenn Allah oder G“tt beleidigt werden, neigen Menschen dazu, wegen G“tteslästerung den Rechtsweg zu beschreiten. Wenn ein Priester oder ein Imam sagen, dass Menschen nicht taugen, fällt das unter der Freiheit des G“ttedienstes. Hierüber werde ich persönlich depressiv“.

Kirche und Staat getrennt

In West-Europa sind Kirche und Staat getrennt. Sollte der Begriff G“ttesdienst aus dem Gesetzbuch entfernt werden? Das ist kein guter Gedanke, trotz der fest fundierten Argumentation des Fragenden. Die Religion ist ein sehr wesentlicher Bestandteil der meisten Menschen. Ihre Gefühle in diesem Bereich zu beleidigen ist keine gute Sache. Und schließlich handelt es sich im Gesetz um Gefühle oder Empfindungen von Menschen.

Als religiöser Mensch gehe ich weiter: G“tt zu beleidigen ist noch viel schlimmer, als einen Menschen zu beleidigen. Tausende menschliche Belange werden durch das Gesetzt geschützt. Weshalb das G“ttliche Belang dann nicht? Majestätsbeleidigung ist verboten. Weshalb G“tteslästerng dann nicht ebenfalls? „Das Leben und der Tod sind in der Hand der Zunge“ (Sprüche 18:21) ist nicht nur eine Biblische, sondern auch eine sehr aktuelle und praktische Wahrheit.

Die Sorgfalt im Umgang

Die Sorgfalt im Umgang mit der eigenen und mit der Seele eines oder einer Anderen wird durch nichts so leicht unterlaufen, wie durch das Wort. Die Art und Weise, mit denen wir über uns selber und über die uns umgebende Welt denken, äußern sich in der Art, wie wir sprechen. Wer böse ist, flucht schnell. Wer andauernd und aus tiefster Überzeugung flucht, befindet sich in geistiger Not. Wer ein guter Mensch sein will, muss an erster Stelle gut zu sich selbst sein: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ (Leviticus 19:18).

Fünkchen G“ttlichkeit

In jedem Menschen befindet sich ein Fünkchen G“ttlichkeit. Wenn man über seinen Nächsten her zieht, ist das ebenfalls eine Art von G“tteslästerung. Vielleicht ist das selbst schlimmer. G“tt ist unantastbar, aber unser Nächster kann außerordentlich verletzbar sein.

Versuch, das G“ttliche aus unserer Mitte zu entfernen

Daher warnt die Tora viel öfters vor Menschenlästerung als vor G“tteslästerung. Beide Arten der Schlechtsprechung teilen die gleiche bösartige Wurzel. Indem man bösartig spricht, möchte man den Einfluss oder die Anwesenheit  des „Anderen“ verbal minimieren oder komplett weg wischen. In beiden Fällen geht es um einen Versuch, das G“ttliche aus unserer Mitte zu entfernen. Und das ist eine äußerst hässliche Gegebenheit, gegen die sich jeder tagtäglich – bei sich selbst und bei einem Anderen – zu Wehr setzen sollte.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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