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Die wahre Botschaft der Chanukkia

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Als Rebbezin Rachel Posner im Winter von 1932 dieses Foto machte, sah die Zukunft für das jüdische Volk in Deutschland und ganz Europa alles andere als gut aus. Die Partei NSDSP, angeführt von Adolf Hitler war mittlerweile zur größten Fraktion der deutschen Regierung gewachsen, gefolgt von zahlreichen Anhängen, bevor es ihr 1933 gelang an die Macht zu gelangen. Fahnen mit dem Hakenkreuz, dem Wappen der NSDAP, wehten in allen großen Städten Deutschlands und kündigten das bevorstehende Unheil an. Sie und ihr Mann, Rabbiner Akiva Posner, waren zum Schluss gekommen, dass ihnen nichts Anderes übrigbleibt, als Deutschland zu verlassen und er seine Rabbinerstellung in Kiel aufgeben muss.

Chanukka kam und wie jedes Jahr zündete die Familie Posner ihre Chanukkia auf deren Fenstersims. Die Fahne mit dem Hakenkreuz war deutlich zu sehen auf dem Gebäude gegenüber und schaute bedrohlich zu ihnen hinauf. Mit dem Hakenkreuz im Hintergrund und Fokus auf die Chanukkia machte Rachel das perfekte Bild. Auf der Rückseite des Fotos kommentierte sie:

Jude verrecke“

Die Fahne spricht

„Juda lebt ewig“

Erwidert das Licht

Familie Posner schaffte es vor dem Krieg nach Israel zu immigrieren und übergab diese Chanukkia mit dem Foto an das Holocaust Museum Yad Vashem. Dort wird es über das Jahr hinaus ausgestellt, nur für Chanukka nehmen es die Nachkommen der Posner Familie zurück, um sie anzuzünden.

Unsere Weisen lehren, dass nachdem der Maschiach kommen wird, alle jüdischen Feiertag nicht mehr aktuell sein werden, außer Chanukka und Purim. Aus dem Grund, dass die Ereignisse, welche während des Maschaichs passieren werden, alle Feiertage in den Schatten stellen werden. Was ist so besonders an Chanukka, dass es sogar nach dem Kommen des Maschiachs gegenwärtig bleiben wird?

Für viele beschränkt sich Chanukka nur auf das symbolische Zünden der Chanukkia, dem Essen von Sufganiot (Donuts) und Spielen mit dem Sevivon (Dreidel). Um die wahre Botschaft von Chanukka zu verstehen, müssen wir uns den historischen Hintergrund dieses Festes genauer ansehen:

Nachdem Alexander der Große im relativ jungen Alter starb, zerbrach sein Weltreich und wurde zwischen seinen Heerführern geteilt. Das Land Israel, damals Judäa genannt, fiel unter die Herrschaft der Seuleudiken. Diese waren Syrer, jedoch verehrten sie die griechische Kultur, welche sich langsam in der ganzen Region verbreitete. Deren Oberhaupt, König Antiochus IV, führte die Praktizierung der griechischen Kultur in Judäa ein und wer sich weigerte, dem drohte die Todesstrafe. Der größte Teil der Bevölkerung Judäas war von der neuen Kultur begeistert und feierte ihre neuen Eroberer.

Die wenigen Juden, welche der jüdischen Tradition treu geblieben waren, flohen in die Berge, um den harschen Strafen für die Praktizierung des Judentums zu entgehen. Der syrische König schickte Truppen in die Berge, um sie aufzuspüren und zu bestrafen. Die Situation war beinahe hoffnungslos. Die Makkabäer waren eine der wenigen Familien, welche sich in den Bergen versteckten und bisher unentdeckt blieben, aber sie wussten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man sie aufspüren würde.

Sie entschieden sich, gegen die Eroberer zu kämpfen und die Unabhängigkeit Judäas wiederherzustellen. Die jüdischen Hellenisten schlossen sich der griechisch-syrischen Armee an und gemeinsam waren sie ein riesiges Heer, mit schweren Waffen und Elefanten. Es war ein Krieg der Ideologien: Das Judentum gegen den Hellenismus. Obwohl sie in Unterzahl waren, ohne richtige Waffen und Schutz, zogen die Makkabäer in den Krieg, mit dem Verständnis, dass es reiner Selbstmord ist und sie nicht mal den Hauch einer Chance haben.

G´tt sah ihre Bereitschaft, sich für das Judentum aufzuopfern und verhalf ihnen zum Sieg. Dieser Sieg war ein militärisches Wunder und allen war es klar, dass dies nur mit G´ttes Hilfe möglich gewesen ist.

Sie vertrieben die Seuleudiken aus ihrem Reich und stellen die jüdische Monarchie wieder her. Nachdem der Tempel von den Götzen der Hellenisten gereinigt war, zündeten sie die Menora an, nachdem sie, wiederum durch ein Wunder, einen unversehrten Krug mit reinen Öl fanden.

Der Grund, warum die Menora so eine zentrale Rolle in dieser Episode spielt ist, weil die Menora die Kontinuität des jüdischen Volkes symbolisiert. Sie verkündet, dass obwohl das jüdische Volk unterdrückt und verfolgt ist, man niemals die Hoffnung aufgeben soll und wir einen Beschützer haben, welcher ständig über uns wacht.

Vielleicht ließen die Römer auf diesem Grund ausgerechnet das Bild der Menora in den Titusbogen einmeißeln, wie sie nach der Zerstörung des Zweiten Tempels nach Rom verschleppt wird, um zu symbolisieren, dass sie es schlussendlich geschafft haben, das jüdische Volk zu bekämpfen und es zu knechten. Aber wie immer in der Geschichte des jüdischen Volkes, gehören unsere Peiniger längst der Vergangenheit an und wir, das jüdische Volk, sind noch immer gegenwärtig.

Es wird erzählt über einen großen Rabbiner, Rabbi Yosef Schlomo Kahanemann, dass er sich auf Durchreise in Italien befand. Er sagte seinem Begleiter, dass er den Titusbogen besuchen möchte. Dieser war sehr verwundert, denn es war nicht der Brauch des Rabbiners, Sehenswürdigkeiten zu besuchen und außerdem war es recht weit von ihrem Hotel entfernt. Verwirrt begleitete er seinen Lehrer. Als sie dort angekommen waren, bat der Rabbiner den Chauffeur einige Minuten zu warten. Rabbi Yosef Kahanemann schaute zum Titusbogen hinauf und rief: „Titus, Titus! Wo bist du und wo sind wir!“ Er stieg in Taxi und sie fuhren zurück.

Seine Botschaft war deutlich: Sehr oft in der leidgeprägten Geschichte des jüdischen Volkes stehen wir einem scheinbar unbesiegbaren Gegner gegenüber, es scheint, dass es aus ist und es gibt keinen Ausweg. Aber das jüdische Volk hat alle und alles überstanden. Ägypter, Griechen und Römer sind schon lange nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden; Die Kreuzritter, Spanier, Kommunisten und Nazis haben es auch nicht geschafft. Letztere haben uns unendlich viel Leid hinzugefügt und die Wunde ist noch immer frisch, aber auch dieser Albtraum ist vorbei.

Die Menora bzw. Chanukkia ist die stumme Zeugin des schweren Exils des jüdischen Volkes, aber mit der klaren Botschaft, dass egal wie hoffnungslos die Situation zu sein scheint, man niemals den Glauben an das Überleben des jüdischen Volkes aufgeben darf und wir niemals allein in diesem düsteren Exil sind.

Das ist die wahre Botschaft von Chanukka. Aus diesem Grund bleibt dieser Feiertag auch nach dem Kommen des Maschiachs, obwohl die Wunder des Maschiachs alle anderen Wunder in den Schatten stellen werden. Chanukka ist eine Ausnahme, denn nur dank der Hoffnung und dem Glauben an das Überleben des jüdischen Volkes, war es möglich die schweren Zeiten zu überstehen und nicht aufzugeben. Das Licht des jüdischen Volkes ist manchmal nur noch ein Funken, aber solange es noch nicht gänzlich erloschen ist, brennt es weiter.

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Written by Rav Dovid Gernetz

Der Autor wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine geboren und ist in Berlin, Deutschland aufgewachsen. Er studierte zwei Jahre in einer Yeshiva in Zürich, Schweiz und anschließend zwei Jahre in einer Yeshiva in Gateshead, England. Seit seiner Hochzeit lebt er in Telz Stone in Israel.
Der Autor ist Vertreter von Imrey Deutschland e.V und verantwortlich für diese Website. Außerdem gibt er wöchentlich den Judentum.Online-Newsletter heraus und veröffentlicht zahlreiche Beiträge zu Themen rund ums Judentum.

Sprachen: Russisch, Deutsch, Englisch, Hebräisch

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