in ,

Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil XII

Noach Kuzari
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Anthropomorphismus

Ben Noach: Ich bin überrascht, dass G-tt in der Tora sehr oft mit menschlichen Qualitäten dargestellt wird: G-tt schreibt, G-tt sieht, G-tt spricht, G-tt ist von der Menschheit enttäuscht oder G-tt ist mit den Tzaddikim glücklich. Diese Beschreibungen wirken sehr menschlich. G-tt ist nicht menschlich, nicht physisch und ist diesen Eigenschaften völlig überlegen. Wie ist es möglich, dass sich die Tora über die G´ttlichkeit so irdisch äußert?

Rabbi: Das sind alles übertragbare und bildliche Beschreibungen, die für den Menschen notwendig sind. Der Mensch kann sich keine abstrakte G-ttheit vorstellen. Um die Tora für Menschen zugänglich und verständlich zu machen, muss G-tt in menschlichen Begriffen beschrieben werden. Darüber hinaus beschreibt die Tora oft die Auswirkungen von G-tt auf die Menschheit aus der Perspektive des Volkes.

Wenn G-tt negativ erscheint, sagen wir, dass er wütend auf uns ist. Wenn G-tt positiv aussieht, sagen wir, dass er mit uns glücklich ist und uns liebt. Aber G-tt ist nicht veränderbar. Es ist wie ein weißes Licht, das mit verschiedenen farbigen Gläsern betrachtet wird. Das Licht bleibt gleich, nur die Wahrnehmung des Lichts ändert sich. Das ist aber nur die menschliche Perspektive. G-tt bleibt immer gleich.

Wenn G-tt mit Menschen kommuniziert, heißt es, dass Er spricht. Wenn die Steintafeln eingraviert waren, heißt es G-tt schrieb diese. Aber es sind alles menschliche Bewertungen der Auswirkungen von G-tt auf die Welt. Dasselbe gilt für “G-ttes Ruhm” und “G-ttes Wille”. Es sind alles „Strahlungen“ von G-tt, die nicht G-tt-Selbst sind.

Man kann es mit der Sonne vergleichen, die Licht ausstrahlt. Das Licht bleibt auch an bewölkten Tagen sichtbar, wenn Sie die Sonne nicht selbst sehen können. Aber es ist bekannt, dass das Licht von der Sonne kommt. Das Interessante ist, dass das Licht nicht so sehr eine Eigenschaft des „Ausstrahlers“, sondern auf die erzeugten Objekte in dieser Welt reflektiert wird.

Licht nimmt nur dann Gestalt an, wenn es mit konkreten, fühlbaren und sichtbaren Dingen in Kontakt kommt. G-ttes Ruhm ist die Ausstrahlung von G-tt und die Wirkung von G-tt auf Menschen.

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Noach Kuzari

Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil XI

Noach Kuzari

Diskussion mit dem jüdischen Gelehrten – Teil XIII