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ERKLÄRUNGEN ZUR PARASCHA TOLDOT – Teil I

ERKLÄRUNGEN ZUR PARASCHA TOLDOT - Teil I
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Parascha Toldot (Bereschit/Genesis 25:19-28:9)


Fragen:

1.    Wie ist Jitzchak blind geworden?

2.    Warum möchte Riwka, dass Ja’akow die Beracha erhält?

3.    Was bedeutet ‚Die Stimme überherrscht die Hände‘?

Jitzchak erblindet

•         Als Sarah im Palast von Awimelech, dem König der Philister, war, wurde Awimelech darüber wütend, dass Awraham gesagt hatte, er sei ihr Bruder und nicht ihr Mann. Letztendlich belegte Awimelech Sarah mit einem Fluch, dass ihre Kinder blind werden würden. Dieses hat sich schließlich bei Jitzchak ergeben (hieraus lernen, aber lehren auch unsere Weisen, dass man mit dem Fluch eines Thora-Gelehrten immer aufpassen sollte). Wie wurde er körperlich blind? In dem Augenblick, an dem Jitzchak als Brandopfer auf dem Berg Moria gebunden lag, sah er die Größe von HaSchem. Der Mensch darf und kann HaSchem nicht sehen. Jitzchak hat jedoch einen Funken des Himmlischen Geschehens aufgefangen und ist dadurch blind geworden. Andere Chachamim sagen, dass die Engel über das Schicksal von Jitzchak weinten. Seine Blindheit wurde durch die Tränen der Engel ausgelöst. Wieder andere sagen, dass Jitzchak durch den Rauch der Götzenopfer, die die heidnischen Frauen von Esaw schlachteten und verbrannten, blind wurde. Jitzchak bekam diesen in seine Augen und konnte nicht mehr sehen.

Riwka möchte, dass Ja’akow die Beracha erhält

•         Am Sederabend rief Jitzchak Esaw zu sich: „Heute Abend werden alle Schatzkammern der Berachot geöffnet. Jeder preist HaSchem. Der Tau wird gesegnet. Bereite mir eine herrliche Mahlzeit. Dann werde ich Dich, bevor ich sterbe, segnen“. Riwka hörte das. Sie sagte zu Ja’akow: „Du bist der Vorläufer des Jüdischen Volkes. Nach einigen Jahrhunderten werden Deine Kinder aus der Ägyptischen Sklaverei befreit werden. Sie werden HaSchem zujubeln. Nimm zwei Ziegenböcklein und bereite diese für Deinen Vater zu, denn ich möchte, dass Du den Segen erhältst“. Ja’akow hatte Angst. Er wollte nicht, dass sein Vater bemerken sollte, er sei ein Betrüger. Aber Riwka beruhigte ihn und sagte, dass die Mutter von Adam – die Erde – seinetwegen verflucht würde. So auch würde Riwka den Fluch von Ja’akow tragen, würde Jitzchak diesen aussprechen.

•         Ja’akow holte zwei Böcklein. Das eine war ein Symbol für das Pessachopfer und das andere war als Mahlzeit gedacht. Seine Mutter erstellte ein herrliches Gericht, aber Ja’akow weinte über die Unechtheit und über die Unehrlichkeit, die er zur Schau stellen sollte. Riwka befestigte die Ziegenfelle um die Arme von Ja’akow. Sie nahm die Kleider von Esaw, die er von Nimrod gestohlen hatte. So begab sich Ja’akow mit dem Essen zu Jitzchak. Jitzchak nahm im Gericht die herrlichsten Geschmäcker wahr. Nicht nur physische, sondern auch spirituelle Geschmäcker. Es war, als ob er einen Vorgeschmack auf die Olam Haba, auf die Künftige Welt, nehmen durfte, wo die Vergnügungen für die Tzaddikim zum Greifen nah liegen.

Die Beracha

•         Jitzchak glaubte nicht, dass Esaw vor ihm stand. Er rief aus: „Die Stimme ist die Stimme von Ja’akow, aber die Hände sind die Hände von Esaw“. Die Stimme deutet auf die spirituelle Welt. Ja’akow hatte Einfluss durch seine Worte. Jitzchak war ja blind. Er kannte aber die Stimme von Ja’akow und konnte mit seinen Händen Bekanntes ertasten und benennen: „Aber die Hände sind die Hände von Esaw“. Esaw hat nur durch seine Hände Einfluss. Die Stimme überherrscht die Hände. Wenn Ja’akow in den Synagogen dawwent (betet) und Thora in den Jeschiwot lernt, dann überherrscht Ja’akow. Aber wenn die Stimme von Israel nicht mehr gehört wird, dann steht Esaw bereit, die Macht über die Welt zu ergreifen. Jitzchak gab ihm einen Segen: „G“tt gebe Dir vom Tau des Himmels und vom Fetten der Erde und Überfluss an Weizen und Most. Völker werden Dir dienen und Nationen sich vor Dir verbeugen. Sei der Herrscher über Deine Brüder, die Söhne Deiner Mutter werden sich vor Dir niederwerfen, die, die Dich fluchen, sind verflucht und die, die Dich segnen, gesegnet“.

•         Mit dem Tau des Himmels ist das Manna gemeint. Während der 40-jährigen Wanderung durch die Wüste erhielten sie das Manna als Speisung, was spirituelle Nahrung war. „Von der Fettheit der Erde“. Das ist die Quelle von Mirjam. Das Wasser in der Wüste kam daraus. „Ein Überfluss an Weizen und jungem Öl“. Damit ist eine starke Jugend gemeint. „Völker werden Dir dienen“. In den Zeiten von König Schlomo (Salomo) waren alle Könige diesem Herrscher unterworfen. In den Zeiten des Maschi’ach wird jeder sich vor dem Messianischen König verbeugen. „Die, die Dich fluchen, sind verflucht“. Dieses bezieht sich auf Bileam, der das Jüdische Volk verfluchen wollte. „Derjenige, der Dich segnet, wird gesegnet sein“. Dieses sind Mosche und die anderen Propheten. Obwohl sie harte Worte gegen das Jüdische Volk sprachen, waren sie darauf aus, es für die Juden so gut wie möglich zu machen. Esaw vergoss drei Tränen um die verlorene Beracha (den Segen). Zwei Tränen aus beiden Augen, und EINE Träne blieb in seinem Auge zurück. Diese Träne ist die Ursache allen Elends, der über die Kinder von Ja’akow gekommen ist.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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