in

Fusion von Physik und Spiritualität – Parascha Teruma

Fusion von Physik und Spiritualität - Parascha Mischpatim
image_pdfAls PDF Speichernimage_printDrucken

Diese Woche steht das Gebäude des Tabernakels im Mittelpunkt. G“tt erstellte auf der einen oder anderen Weise eine Beziehung zum irdischen Tabernakel. Eine Beziehung bedeutet Interaktion. Weshalb wurde der physische Tabernakel überhaupt benötigt? Können wir G“tt nicht mit unserem Herzen dienen – ohne Tempelgebäude?

zentrale Thema philosophischer Betrachtungsweise 

Der Unterschied zwischen dem Physischen und dem Geistigen bildet seit menschlicher Erinnerung ein Problem. Bereits im Altertum war dieser Unterschied das zentrale Thema philosophischer Betrachtungsweise. Die Menschheit ist auch heutzutage noch nicht damit fertig. Inzwischen steht jedenfalls ein Aspekt der Diskrepanz außer Zweifel: in der materiellen Wirklichkeit bestehen die Begriffe Raum und Ort. In einer geistigen Welt sind Raum und Ort undenkbar. Im Geist gibt es lediglich begriffsmäßigen Raum. Von einander sich ähnelnden Begriffen sagt man, diese würden nahe bei einander liegen, während einander ausschließende Denkmuster „weit von einander entfernt sind“.

gegensätzliche Dinge vereinen 

In der physischen Welt ist es möglich, zwei Stoffe mit einander zu verbinden oder dass sie sich automatisch mit einander verbinden; in einer geistigen Welt ist dieses unmöglich. Eine materielle Welt ist erforderlich, um verschiedene und selbst gegensätzliche Dinge und Konzepte zu vereinen. Das klassische Beispiel dieser Einheit in der Vielfalt ist der Mensch selbst. Gut und böse sind unvereinbare Gegensätze; eine Koexistenz von Moral und Unmoral ist undenkbar, aber in einem physischen Körper können sie neben einander existieren.

Gedanke von Verbindung und Vereinigung

Hierin befindet der gleiche Gedanke beschrieben, wie in Jakobs Traum, in dem G“tt Selber oben an der Leiter erschien. Es ist der Gedanke von Verbindung und Vereinigung aller Welten, von der Höchsten bis zur Niedrigsten, mit G“tt, in dem das Irdische im Mittelpunkt steht.

Das gesamte Ziel des Opferdienstes im Tabernakel und im Tempel war die Festigung der Verbindung zwischen G“tt und den höheren geistigen Welten, die auf ihre Weise die G“ttliche Ausstrahlung zu unserer materiellen Welt durchschleusen, wodurch selbst unser G“ttverdunkelndes All auf eine höhere Ebene gebracht würde. Am Laubhüttenfest – „Sukkot“ wurden im Heiligtum siebzig Opferungen für die siebzig Erstvölker in Noachidisher Zeit erbracht, womit die Schutzengel aller Völker erhöht wurden, was die gesamte Weltbevölkerung selber wieder zu einer höheren geistigen Ebene steigerte. Der Tabernakel war nicht nur für das Jüdische Volk wichtig. Die gesamte Schöpfung wurde vom erhabenen Einfluss betroffen. Seit der Zerstörung des Heiligtums hat die Welt in vieler Hinsicht an Spiritualität eingebüßt.

Heiligen Lade: Verbindung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen 

Wir beten immer noch in Richtung des Heiligtums. Alle unsere Gebete sind auf das Allerheiligste ausgerichtet. In unseren Gebeten richten wir uns nicht auf einige Engel oder Vermittler aus, sondern nur auf G“tt Selber. Unsere Gebete sind inhaltlich jedoch auf die Wiederherstellung der Verbindung zwischen den verschiedenen geistigen Kräften und Welten ausgerichtet, so dass das Licht G“ttes auf sie und auf uns scheinen kann. Wir wenden uns hierbei zur Heiligen Lade, da hier durch G“tt eine Verbindung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen gelegt wurde. Dieses stellt ein Wunder dar, denn laut der Wissenschaft geht das nicht.

Opfer an Stelle des sündigen Menschen erbracht 

Für die Opferungen im Tabernakel kam es viele Gründe. Man konnte das Heiligtum aus Dankbarkeit besuchen, nach einer Geburt, aber meistens ging es, um Sühne für erfolgte Sünden zu suchen. Laut Nachmanides (zwölftes Jahrhundert) war das Ziel des Opferns, um bei der Schlachtung des Opfertieres mit einbezogen zu werden. Es wurde an Stelle des sündigen Menschen erbracht. Der Opfernde musste seine Hände auf den Kopf des Tieres stemmen. Damit gab es symbolisch zu verstehen, dass er fühlte, dass das Tier seine Stelle auf dem Altar einnahm. Der Mensch erfährt bei der Erbringung eines Opfers eine Art stellvertretenden Tod. Er war gegen G“tt in Opposition geraten und wollte sich wieder G“tt annähern. Die Opferung war eine audiovisuelle Lehre. Sie zeigte den Weg zurück zur Wiederherstellung der Verbindung zum Allmächtigen auf.

eine Art von verkapptem Mord 

Die Tötung von Tieren wird in der Jüdischen Philosophie – mit Ausnahme für den Verzehr oder als Opferung – eigentlich als eine Art von verkapptem Mord betrachtet. Die Opferung bringt uns Achtung vor allen Arten von Leben bei. Tiere zu töten würde brutal und barbarisch sein, wenn das nicht in einer beinahe perfekten sauberen, religiösen Atmosphäre erfolgen würde.

Positiv oder negativ?

Da unsere moralische und geistige Degenerierung unser Niveau nach unten gezogen hat, ist das Opferungssystem nicht mehr effektiv; daher hat es aufgehört, zu bestehen. Beachtenswert: da wir heutzutage keine Opferungen mehr erbringen, zeigt das nicht unsere progressive Entwicklung auf, sondern eher das Gegenteil!

Report

What do you think?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

Hunderte beteten in der Nähe der Klagemauer für die Gesundheit des chinesischen Volkes

Massen-Gebet an der Klagemauer gegen das Corona-Virus

Die Kenntnis der Wissenschaften - Parascha Mischpatim

Die Kenntnis der Wissenschaften – Parascha Teruma