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Mit viel Bohei oder mit wenig Aufhebens? Heiligkeit erfordert Ruhe und Bescheidenheit – Parascha Wajakhel-Pekude

Mit viel Bohei oder mit wenig Aufhebens? Heiligkeit erfordert Ruhe und Bescheidenheit - Parascha Wajakhel-Pekude
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Wajakhel Pekudej (Schmot/Exodus 35:1 – 40:38)

Stille Gewässer haben bedeutende Tiefen. Auch wenn wir nicht immer überschwänglich und stimmgewaltig sind, können wir tiefen Eindruck erzielen. Dieses gilt in der Welt um uns herum, aber noch viel stärker in der Religion.

In den beiden Parschioth Wajakhel Pekudej wird die Konstruktion, die Erstellung des mitziehenden Heiligtums, des Tabernakels, besprochen, aber auch der „Dresscode“, die Bekleidungsvorschriften der Kohanim (Priester).

das Me’il war ein Art Mantel aus himmelblauer Wolle

Eines der Kleidungsstücke des Kohen Gadol (Hohepriester) war das Me’il, ein Art Mantel ganz aus himmelblauer Wolle: „An den Saum des Mantels heftete man Granatäpfel aus gezwirnter himmelblauer, purpurroter und karminrotfarbiger Wolle. Und man fertigte auch rein goldene Glöckchen und befestigte die Glöckchen zwischen den Granatäpfeln rundherum an seinem Saum, und goldene Glöckchen dazwischen, rundherum“ (Schmot/Ex. 39:24-25).

das Geläut dieser Glöckchen hätte zu hören zu sein

Anderswo vermerkt die Thora, dass das Geläut dieser Glöckchen zu hören zu sein hätte, jedes Mal, wenn Aharon in das Heiligtum hinein ging oder es verließ (ibid. 28:35). Laut Raschi (1040-1105) hatten die Glöckchen Klöppel, also einen Stab, der gegen die Glockenwände schlug (ibid. 28:33) und die Glöckchen befanden sich zwischen den wollenen Granatäpfeln.

Eine wollene Hülle dämpft den Glockenton

Nachmanides (1194-1270) fragt sich ab, was der Nutzen oder die Aufgabe der wollenen Granatäpfel zwischen den Glöckchen war, als diese erklingen sollten. Nachmanides meint, dass die Glöckchen sich in den wollenen Granatäpfeln befanden. Aber dieses beantwortet seine Frage nicht. Eine wollene Hülle dämpft den Glockenton und wirkt kontraproduktiv, wenn es darum geht, einen Laut zu erzeugen.

Sollten wir dann von einem Wunder sprechen? Dass es trotz der dämpfenden Wirkung der Wolle doch Töne von den Glöckchen zu hören waren? Laut den Pirkej Awot, den Sprüchen der Väter (5:8), erfolgten täglich zehn Wunder im Heiligtum: 1) Nie hatte eine Frau durch den Geruch des Opferfleisches eine Fehlgeburt erlitten. 2) Das Opferfleisch war nie verdorben. 3) Nie wurde im Schlachthof eine Fliege gesehen…  5) Nie löschte der Regen das Feuer des aufgestapelten Holzes auf dem Altar. 6) Nie drückte der Wind die Rauchsäule nieder usw. Aber diese Wunder galten einem verständlichen Ziel.

weshalb wurde keine laute Glocke geläutet?

Wenn Geläut erforderlich war, um das Eintreffen des Kohen Gadol im Tempel an zu kündigen, weshalb wurde dann keine laute Glocke geläutet? Weshalb sollte alles gedämpft werden?

nicht sofort auf die Frontseite der Zeitung

Dieses Paradox verschafft uns eine wichtige Lehre. Wenn wir etwas für G“tt machen, brauchen wir das nicht sofort auf die Frontseite der Zeitung zu veröffentlichen. Ohne all dieses Getöse und Geläut können wir G“tt viel besser auf zurückhaltende Art dienen. Ruhig und sanft „wird das Geläut von ihm gehört werden, wenn er das Heiligtum betritt (ibid. 28:35).“ G“tt Selber kümmert sich um Öffentlichkeit und Bekanntmachung, wenn wir IHM aufrichtig dienen. Mit dem richtigen Geist wird alles gut. Bescheidenheit ist die Lehre der Dämpfung der Stoffe auf den goldenen Glöckchen.  

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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