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BRIT SCHALOM: ABSTAMMUNG – PARASCHA PINCHAS

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BRIT SCHALOM – ABSTAMMUNG

Ha’Schem, G“tt zeigt deutlich auf, dass ER möchte, dass es jedem bekannt wird, dass Pinchas Am Jisraejl, das Jüdische Volk vor einer großen Problematik gerettet hat.

Der Götzendienst und die Unzucht betraf das ganze Volk. Pinchas wandte sich frontal gegen die herrschende Sphäre von „Zugeständnis-Kultur“, die in jedem Fall beim Stamm Schimon bestand. G“tt bot ihnen einen „Brit Schalom“- einen Bund des Friedens, an.

Der Bund des Friedens kann auf unterschiedliche Arten verstanden werden:

1. Er kann als Schutz gegen die Aggression der Familien der getöteten Mann und Frau bestimmt sein, die es hier natürlich nicht dabei belassen möchten.

2. Obwohl er von Aharon abstammte, war Pinchas noch kein Kohen und erhält jetzt die Kehuna als vererbtes und vererbbares Geschenk, die Priesterschaft, angeboten. Von ihm würden die Kohanim gedolim, Die Hohepriester, abstammen. Er war der Hüter der Tradition.

3. Aber ist das Frieden? Manchmal muss ein Anführer hart durchgreifen, um die Einheit zu bewahren. Das ist eine aktuelle Frage. Was ist wichtiger? Der Frieden oder die Gerechtigkeit? Wenn man gegenüber bösen Menschen zu freundlich ist, wird man auf die Dauer zu hart gegenüber Menschen sein, die wirklich Mitleid verdienen. Manchmal soll man echte Führungsqualitäten tatsächlich auch zeigen.

wenig Beifall

Aber Pinchas erntete wenig Beifall. Mit seinem Vorgehen zog er sich eine Menge an Kritik zu. „G“tt sprach wie folgt zu Mosche: „Pinchas, Sohn von Elasar, der Sohn von Aharon, der Priester hat Meine Wut von den Kindern Israels abgewendet, indem er Meine Eifersucht in deren Mitte ausgeübt hat“ (Numeri/Bemidbar 25:10-11).

Raschi erklärt die Notwendigkeit, die Abstammung von Pinchas nochmals zu wiederholen: „Da die Stämme ihn missachteten und sagten: „Habet Ihr Ben Puti gesehen? Der Vater seiner Mutter hat noch Kälber für die Götzen fett gemästet und doch hat er einen Stammesfürsten – Simri ben Salu – getötet!“ Deshalb vermeldet die Thora seine Abstammung von Aharon.“

Die Abstammung aus Neue vermerkt

Man sprach über Pinchas schlecht durch die Tatsache, dass Pinchas‘ Vater, Elasar, mit einer Tochter von Putiejl verheiratet war (Jitro, Mosche’s Schwiegervater), der früher mal Götzendiener war. Sie waren darüber böse, dass er den schmutzigen Mut gehabt hatte, einen Stammesfürsten von Schimon zu töten.

Etwas früher (Numeri/Bemidbar 25:7) wird die Abstammung von Pinchas bereits vermerkt. Weshalb erfolgt das hier, am Anfang der Parascha Pinchas, aufs Neue? Rasch leitet daraus ab, dass Pinchas das auf seine Abstammung „angerechnet“ bekam. Man meinte, dass er nicht das Recht hatte, beim Ehebruch von Simri ben Salu ein zu greifen, da er selber von Jitro abstammte, der allen Götzen gedient hatte. Deshalb betont gerade die Thora, dass er von Aharon, dem Hohepriester, abstammte.

Weshalb gibt es Anmerkungen gegen Pinchas?

Alle Menschen, die von der Tat von Simri und der Reaktion von Pinchas Zeugen wurden, schämten sich. Sie versuchten, die Ehre des Jüdischen Volkes und von Mosche zu verteidigen. Simri pflegte Ehebruch vor den Augen von Mosche und der gesamten Gemeinschaft von Israel. Von allen diesen Menschen hatte nur Pinchas den „Mut“ oder „den Schneid“, hier entgegen zu wirken.

Die anderen Menschen kannten die Vorschriften diesbezüglich genau so gut wie Pinchas. Und doch unternahmen sie nichts. Deshalb versuchten sie, die Lauterkeit seiner Absichten in Zweifel zu ziehen.

Sie versuchten, ihn der Gewalttätigkeit zu beschuldigen, einer Eigenschaft, die er von seinem Großvater Jitro geerbt haben sollte. Deshalb sollte er so eifersüchtig aufgetreten sein und Simri getötet haben.

Fett mästen

Aus diesen Gründen wird auch die Gewohnheit von Jitro erwähnt, um Kälber für den Götzendienst fett zu mästen. Es ist sehr schlimm, einem Tier viel zu essen zu geben, um den Anschein zu erwecken, für sein Bestes zu sorgen, während es ja nur einzig und allein darum geht, es letztendlich zu schlachten. So versuchten die Israeliten, ihr Gewissen zu beruhigen: „Pinchas wurde durch Gewalt und nicht nur durch sein Gewissen motiviert. Wir waren nicht so gewalttätig und deshalb sind wir nicht eingeschritten“.

Aus diesen Gründen werden auch alle Stämme bei der Kritik an Pinchas mit einbezogen, denn es betraf sie allesamt.

Pincha’s Beweggründe

Deshalb wiederholt die Thora die Genealogie von Pinchas. Pinchas war laut der Thorah der Enkelsohn von Aharon und nicht so sehr der Enkelsohn von Jitro. Er wurde nicht durch Gewalt getrieben, sondern lediglich durch religiöse Eifersucht.

Aharons Charakter war friedliebend. Er „rannte dem Frieden hinterher“ und sorgte für Schalom zwischen ehemaligen Feinden und zwischen Mann und Frau.

Deshalb ist es ihm auch gelungen, G“ttes Wut von den Kindern Israels ab zu wenden. Seiner Eifersucht lag eine zutiefst reichende Sorge zu Grunde, nicht nur für die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Mitmenschen, sondern auch für die gute Verständigung zwischen G“tt und dem Jüdischen Volk. Dieses war sein wirklicher Beweggrund für seine eifersüchtige Handlung.

Nicht sofort urteilen oder verurteilen

Aus der Episode um Pinchas und der Reaktion der Stämme können wir wohl für das tägliche Leben viele Lehren ziehen. Sehr oft sehen wir Menschen „fromme“ Taten vollbringen, wobei wir Fragezeichen setzen, da wir die Lauterkeit ihrer Beweggründe bezweifeln. Dieses sagt meistens mehr über unsere eigenen Empfindungen aus als über die wirklichen Absichten derjenigen, die wir beobachten.

Projektion

Der Baal Schem Tov (achtzehntes Jahrhundert) besagt, dass man „die eigenen Fehler nicht anderen zuschreiben sollte“. Dieses ist eine Art von Projektion. Sieht man jemand anderen etwas tun, projektiert man die eigenen Empfindungen auf die Tat des Anderen.

Im Grunde genommen besagt die Kritik an den Anderen mehr über den Kritisierenden aus, als über den Kritisierten. Eine wichtige Lehre für das tägliche Leben.

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Written by Dajan Raphael Evers

Oberrabbiner von Düsseldorf /Dajan des Europäischen Beit Din's

Bekannt für seine enzyklopädischen Kenntnisse in fast allen Bereichen des Judentums. Ist ein Mitglied in CER (Konferenz der europäischen Rabbiner) sowie im europäischen Beit Din.

Hat mehrere Bücher geschrieben. Darunter: „Talmudisches Denken“, „Die Echte Torah“, „Schaatnes Gesetze“.

Im Moment widmet sich dem Ziel das jüdische Leben in Düsseldorf wieder aufzubauen.

Sprachen: Holländisch, Yiddisch, Hebräisch, Englisch, Deutsch

(Foto gemacht von: J. Feldmann)

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